Mannesmann-Prozess Letzte Chance für die Ankläger


Im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess haben an diesem Mittwoch die Staatsanwälte das Wort. Zwei Tage lang wollen sie mit ihrem Plädoyer versuchen, das Landgericht doch noch von der Schuld der Angeklagten zu überzeugen.

Alles andere als Freisprüche wären allerdings in dem spektakulären Strafprozess um Millionenprämien an Manager eine faustdicke Überraschung. Zuletzt hatten auch die drei Ankläger ihren Widerstand gegen ein rasches Ende des Verfahrens praktisch aufgegeben. Selbst einen Teilerfolg - die Aufnahme eines weiteren Anklagepunktes - ließen sie ungenutzt und verzichteten auch auf weitere Zeugen. Die Ankläger konnten oder wollten ihren Vorwurf, dass es auch bei weiteren Prämienzahlungen nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll, nicht unterfüttern.

Verteidiger beklagten Verzögerungstaktik

Schon zuvor wirkten die Ankläger über weite Strecken der fünf Monate dauernden Beweisaufnahme den Verteidigern nicht gewachsen. Mehr als einmal zogen sich die Vertreter der Anklage mit ihrem Verhalten aber auch das Missfallen der Strafkammer zu.

Die Verteidiger hatten bereits seit längerem die angebliche Verzögerungstaktik moniert. Mit einer Flut von Beweisanträgen hatten die Ankläger zunächst versucht, die sich abzeichnende Niederlage abzuwenden. Einer solchen Konfliktstrategie bedienen sich vor deutschen Gerichten sonst fast ausschließlich Verteidiger. Genutzt hat der Rollenwechsel aber offenbar wenig. Einiges deutet daraufhin, dass das Gericht seine Meinungsbildung weitgehend abgeschlossen hat.

Dabei war das Trio Johannes Puls, Lothar Schroeter und Dirk Negenborn mit breiter gesellschaftlicher Rückendeckung gestartet, um den Managern beim Kampf um Macht und Millionen Grenzen aufzuzeigen. Dass die Staatsanwälte dabei gegen die Phalanx der besten Strafverteidiger Deutschlands einen schweren Stand haben würden, war absehbar. Doch die Art und Weise, wie die Anklage unterging, hat selbst in Justizkreisen Erstaunen ausgelöst - und in der Wirtschaftspresse unverhohlenen Spott.

Behördenspitze verschärfte Misstöne

Mehr als einmal wirkte das Auftreten der Ankläger unglücklich - verschärft durch das Verhalten der Behördenspitze. Die hatte nicht nur den Pressesprechern der Staatsanwaltschaft zunächst untersagt, das oft undurchschaubare Verhalten der Sitzungsvertreter zu erklären, sondern selbst noch Wasser auf die Mühlen der Verteidigung gegossen.

So hatte der Chef der Staatsanwaltschaft, Hans-Reinhard Henke, vor der Presse von "Käuflichkeit" gesprochen - obwohl dies mitnichten den Anklagevorwürfen entsprach. Als ein Staatsanwalt im Zeugenstand sagen sollte, was die Ermittler eigentlich zur Aufnahme des zunächst abgelehnten Ermittlungsverfahrens bewogen hatte, durfte er dies nicht, weil ihm seine Vorgesetzten dafür keine Aussagegenehmigung erteilt hatten.

"Die schießen gerne Eigentore", hatte der Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann damals bemerkt. Trotz allem halten die Staatsanwälte an ihren Vorwürfen fest. Ihre Hoffnungen knüpfen sich dabei nach Auffassung von Justizbeobachtern wohl weniger an das Plädoyer als an die Revision am Bundesgerichtshof - die beschlossene Sache zu sein scheint.

Frank Christiansen, dpa DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker