Minox Mit der Spionagekamera zu Weltruhm


James Bond begründete ihren Weltruhm: Die "Spionagekamera" von Minox ist so winzig, dass sie in der geschlossenen Hand verschwindet - ein perfektes Requisit für Agentenfilme. Jetzt ist Minox wieder auf Erfolgskurs.

"Kleiner als eine Zigarre und leichter als ein Feuerzeug", wirbt die Firma für ihren Klassiker. Nicht einmal mehr 30 Mitarbeiter beschäftigt das traditionsreiche Unternehmen heute am Sitz in Wetzlar. In den 70er Jahren waren es noch rund 1000. "Wir sind eine kleine, sehr flexible Firma - und haben schon die Umstrukturierung hinter uns, die viele andere noch vor sich haben", sagt Geschäftsführer Thorsten Kortemeier.

Starke Konkurrenz aus Asien brachte Probleme

1988 stand das Unternehmen vor der Pleite und meldete Insolvenz an. Nach Jahren glänzender Erfolge hatte Minox die Konkurrenz aus Asien zu spüren bekommen. Der Insolvenzverwalter ließ die Produktion jedoch weiterlaufen - sieben Jahre lang. 1996 griff der Kamerahersteller Leica aus dem benachbarten Solms zu, bei dem Kortemeier damals beschäftigt war. Doch die Unternehmen passten nicht zusammen, und Leica verkaufte die Minox GmbH an ihren Mitarbeiter. Kortemeier ist heute Mehrheitsgesellschafter, seine Firma nabelt sich immer stärker von Leica ab.

Trotz des harten Wettbewerbs auf dem Fotomarkt habe Minox in den vergangenen drei Jahren ein positives Betriebsergebnis erzielt, berichtet der 37-Jährige. "Es ist zwar klein, aber sehr gesund." Zahlen, auch zum Umsatz, nennt der Geschäftsführer allerdings nicht. Den Aufwärtstrend führt Kortemeier darauf zurück, dass seine Firma erfolgreich Nischen besetzt hat, nicht nur bei den Produkten. Weil der klassische Fotohandel seit Jahren leidet, hat sich Minox neben den Fachgeschäften alternative Vertriebswege gesucht: "Im Schaufenster gehen unsere kleinen Kameras ja fast verloren."

Erfolgreicher mit Nischenprodukten

Über den Wolken etwa können Flugreisende die kompakten Modelle bei derzeit 17 Gesellschaften - darunter Lufthansa, Singapore Airlines und die niederländische KLM - erstehen. In den Bordwagen lassen sich die winzigen Apparate problemlos verstauen. Auch über das Magazin der Bahn sind Minox-Produkte erhältlich, wie Kortemeier erzählt: "Da haben die Kunden mehr Zeit, wir verkaufen unsere Kameras dort sehr erfolgreich." Insgesamt mache das Geschäft in Flugzeugen und Zügen mehr als die Hälfte des weltweiten Umsatzes aus. Zum Vergleich: Der Verkauf im Fotohandel trägt etwa ein Drittel bei.

Weitere Standbeine sind Spezialversender für ausgefallene Produkte - eine der Minox-Digitalkameras kommt etwa in Form eines Ufos daher - und der Markt für Werbemittel. Jüngst habe ein Lebensmittelkonzern mehrere hundert Fotoapparate für seine Aktionäre bestellt, berichtet Kortemeier. "Und wenn ein Bankdirektor in Frankfurt ein schönes Geschenk machen will, gibt er schon mal 1.000 Euro aus." Auch Botschaften und das Außenministerium sind regelmäßige Kunden: "Als Gastgeschenke wollen sie natürlich Produkte 'Made in Germany' aushändigen."

Produktion in Fernost

Die Kameras und Ferngläser von Minox werden zwar in Deutschland entwickelt, seit einigen Jahren aber vor allem in Fernost produziert. "Als wir uns neu aufstellen mussten, haben wir überlegt, wofür die Marke steht - für die Miniaturisierung von optischen Instrumenten", betont der Geschäftsführer. Die Beschäftigten in Wetzlar hätten sich seitdem auf Entwicklung, Konstruktion und Vertrieb konzentriert, "denn es gibt viele Plätze auf der Welt, wo Mitarbeiter kostengünstiger Dinge zusammen montieren können". Die klassische Minox allerdings - von Walter Zapp erfunden - werde weiterhin in Mittelhessen gefertigt.

Für die nächsten Jahre lautet das Credo des Geschäftsführers: "Wir wollen langsam wachsen, nicht schnell." So soll die Fernoptik- Sparte, die bisher rund 40 Prozent des Umsatzes ausmacht, ausgebaut werden. Und in der Digitalfotografie sieht Kortemeier große Design- Chancen, weil die Technik nicht mehr um das vorgegebene Format eines Kleinbildfilms gelegt werden muss. Allerdings war das spezielle Filmformat der Minox schon immer winzig - 8 x 11 Millimeter.

Julia Ranniko, dpa DPA

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