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Verschmutzung Wenn das Paradies im Müll versinkt - und wie eine Deutsche es retten will

Sehen Sie im Video: Wenn das Paradies im Müll versinkt - und wie eine Deutsche es retten will.


Er erstickt Korallenriffe, endet in Mägen von Fischen, Schildkröten oder Vögeln, und sinkt als Mikropartikel auf den Grund der Tiefsee: unser Plastikmüll. Auch hier auf der paradiesisch anmutenden Insel Banda Neira in Indonesien währt der Traum von sauberen Weltmeeren nicht lange. Eigentlich ist die Insel mit ihrem nahegelegenen Korallendreieck ein Geheimtipp in der Taucher-Szene. Hier in der Banda-See findet sich eines der wenigen noch intakten Ökosysteme der Meere. Doch auch hier wird der Müll immer mehr zum Problem.
Zehn Millionen Tonnen Plastik werden rund um den Globus Jahr für Jahr ins Meer gekippt. 80 Prozent davon stammen von Menschen, die nahe der Küste wohnen. Indonesien belegt nach China Platz zwei auf der Rangliste der übelsten Verschmutzer. Mareike Huhn kümmert sich mit ihrem Verein Banda Sea e. V. seit fünf Jahren darum, hier eine Müllabfuhr aufzubauen, Recycling einzuführen und Umweltbildung zu unterrichten: "Es gibt einfach keine von der Regierung zur Verfügung gestellte Müllabfuhr. Also man muss im Prinzip sehen, was man mit seinem Abfall macht: im Vorgarten verbrennen oder ins Meer schmeißen."
Eigentlich kam Huhn auf die Insel, um für ihre Doktorarbeit über Muscheln zu forschen. Doch dann blieb sie. Mareike Huhn: "Wir haben damit zunächst in einem Ort angefangen, den Leuten Reissäcke anzubieten, in denen sie den Müll jeden Tag füllen können. Und dann wurde der drei bis vier Mal pro Woche abgeholt und wird an einer Deponie in der Mitte der Insel gesammelt. Leider wird er teilweise noch verbrannt. Aber dadurch macht nicht mehr jeder Feuer in seinem Vorgarten und es geht nicht mehr so viel ins Meer." 
Das System funktioniert bereits in mehreren Dörfern auf der Insel. Der Verein der 33-jährigen promovierten Meeresbiologin wird durch Spendenbeiträge – zumeist aus Deutschland – finanziert. Dass regelmäßig immer noch Müll am Ufer der Insel schwimmt, stört Mareike Huhn nach wie vor. Mareike Huhn: "Klar frustriert das einen. Aber wenn ich mir vorstelle, wie es wäre, wenn wir hier gar nichts machen würden, dann erinnert mich das auch daran, was wir eigentlich schon geschafft haben. Klar sieht man immer wieder Müll, der vorbeischwimmt, aber wenn wir nicht wären und nicht 2013 schon damit angefangen hätten, dann sehe es noch viel schlimmer aus."
Zusammen mit Maga Fira, einem 34-jährigen einheimischen Englischlehrer, organisierte Huhn einen "Clean-Up-Day". Rund 1000 Schüler halfen dabei mit, die Strände vom Müll zu befreien. Und seit einem Jahr gibt es ein Umwelterziehungszentrum auf der Nachbarinsel Hatta. Denn es dauert mindestens eine Generation, bis der Lernprozess abgeschlossen ist, sagt Fira. Mareike Huhn träumt von einer Anlage, die aus Plastik Benzin und Diesel produziert. 20.000 Euro würde das kosten. Sie sammelt dafür mit ihrem Verein in Deutschland. Die Meeresbiologin gibt nicht auf. Sie glaubt, der Traum von sauberen Weltmeeren ist keine Utopie. Er ist machbar.
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Der Kampf gegen die Verseuchung der Meere kann auch im Kleinen beginnen. Das zeigt eine junge deutsche Biologin auf den indonesischen Mini-Inseln Banda Neira. Sie lehrt den verantwortungsvollen Umgang mit Abfall - und hat eine kleine Müllabfuhr etabliert.

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