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"Premiere Star": Es lebe die Programmvielfalt

Das neue Pay-TV-Paket "Premiere Star" bringt noch mehr Vielfalt in den Fernsehmarkt, aber auch mehr Verwirrung. Manch einer wird sich über die neuen Spartenkanäle für den Satelliten-Empfang freuen. Andere sollten sich besser noch gedulden.

Von Daniel Bouhs

Als ob die Sache nicht schon kompliziert genug wäre: Premiere, dann Arena, jetzt wieder Premiere - und Arena ist trotzdem noch da. Allein bei der Vergabe der Bundesliga-Liverechte blickt keiner mehr durch. Und nun buhlt auch noch "Premiere Star" um die Gunst des zahlungswilligen Fernsehfans. "Was denn nun?!", will man da als verwirrter Verbraucher in die Technikwelt rufen. Denn übersichtlich ist die spätestens mit dem jüngsten Produkt nicht mehr - von den vielen Kabelnetzbetreibern mit ihren eigenen Angeboten ganz zu schweigen.

Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: Der Zuschauer muss sich grundsätzlich entscheiden, ob er nun das inzwischen digitalisierte Antennenfernsehen (DVB-T) mit seinem zwar deutlich gewachsenen aber immer noch begrenzten Senderspektrum nutzen will. Das reicht für eine Art Grundversorgung mit den je nach Region 20 bis 30 wichtigsten Programmen. Wer aber mehr will oder gar nicht erst in einer DVB-T-Region lebt, muss sich noch einmal entscheiden: zwischen Kabel- oder Satellitenempfang.

"Premiere Star" bietet Spartenkanäle für Satellitenempfänger

Das Problem: Bisher hinkte die "Schüssel" auf dem Dach dem digitalen Angebot der Kabelnetzbetreiber hinterher, neben den gebühren- oder werbefinanzierten Kanälen war nur klassisches Pay-TV wie Premiere oder Arena zu haben. Auf den neuen Trend, von den klassischen Pay-TV-Anbietern unabhängige kostenpflichtige Spartenkanäle, musste der aus dem Weltraum bediente Zuschauer verzichten. Sender, auf denen etwa Hollywoodstudios ihre Archive oder Sendergruppen aus dem kostenfreien Fernsehmarkt ihre Serien und Spielfilme gegen monatliche Gebühr noch einmal abspielten, blieben also den Kabelkunden vorbehalten.

Das neue Angebot "Premiere Star" schließt diese Lücke. Das Unternehmen, hinter dem erwartungsgemäß fast ausschließlich der deutsche Pay-TV-Riese Premiere steht, bietet fortan auch Satellitenkunden ein Paket mit den besagten Spartenkanälen. 13 sind es zum Start, darunter Kinofilm-Sender wie Turner Classic Movies ("Der Herr der Ringe"), Kinowelt TV ("Lisbon Story"), Zeichentrickprogramme wie den Anime-Dauersender Animax und zwei Disney-Ableger, Spartenprogrammen von MTV und Ableger deutscher Privatsender wie RTL Living ("Einsatz in vier Wänden") und Sat.1 Comedy ("Ladykracher", "Die Simpsons"). 20 Sender sollen es bis zum Frühjahr sein.

16 Euro monatlich für ungebremsten Fernsehgenuss

Premiere-Star-Chef Wolfram Winter glaubt, dass das Free-TV "gewisse Inhalte nahezu aufgegeben hat", weil damit zu bestimmten Uhrzeiten keine große Quote geholt werden könne. Er ist überzeugt davon, dass nicht alle Zuschauer auf das Abendprogramm warten wollen, wenn sie Lust auf Krimis oder Blockbuster haben. "Aber", so Winter, es gibt eben nicht nur ein Massenbedürfnis." Was bisher im digitalen Kabelnetz möglich war, will Premiere Star jetzt im Satellit sein - und damit "eine Unterversorgung im Satellitenmarkt schließen". Die auf 200.000 Euro im ersten Jahr konkretisierte Hoffnung: Der Zuschauer will seine Lieblingsfilme und Lieblingsserien frei von den starren Sendezeiten klassischer Programme sehen können und wird dafür ein paar Euro ausgeben.

Der Weg dahin ist allerdings kompliziert, denn der einfache Digital-Decoder für den Satelliten-Empfang reicht nicht aus. Für den Empfang des monatlich knapp 14 Euro teuren Pakets braucht es - wie bei Pay-TV üblich - eine entsprechende Empfangsbox. Das kann eine Premiere-Box sein, denn "Premiere Star" soll auch Kunden locken, die bereits Geld für ihr eigenes Programm ausgeben und sozusagen den großen Bruder längst im Abo haben. Das kann aber auch eine Entavio-taugliche Box sein.

Wer von dieser Technik noch nichts gehört hat, muss sich nicht schämen, die ist nämlich ebenfalls neu und erst seit September auf dem Markt. Kurz gesagt: Entavio ist eine neue Plattform für den Digitalempfang des Satellitenbetreibers SES-Astra, die den Empfang von Pay-TV unabhängig von der Technik und damit den meist klobigen zusätzlichen Decodern von Anbietern wie Premiere und Arena möglich macht. Ein Anruf bei Entavio soll reichen, um große Pakete wie das klassische Premiere, aber auch kleinere wie das neue "Premiere Star" zu abonnieren - ohne Boxenchaos im heimischen Wohnzimmer. Doch ohne es jetzt unnötig kompliziert machen zu wollen: Wer über Entavio neben dem Free-TV auch kostenpflichtige Sender sehen will, muss monatlich pauschal erst einmal 1,99 Euro zahlen - macht für "Premiere Star" also insgesamt knapp 16 Euro.

"Premiere wird auf Entavio nicht exklusiv sein."

Bleibt die Frage, für wen sich dieser auch finanzielle Aufwand lohnt. Der Fernsehhunger der Kunden, die das klassische Premiere oder Arena abonniert haben, dürften ohnehin mit der Fülle an Filmen, Serien und ebenfalls enthaltenen Spartensendern für Dokumentationen oder Sport gestillt sein. Ohnehin bietet Arena schon einzelne Sender an, die jetzt "Premiere Star" im Angebot hat.

Interessant dürfte das neue Angebot also vor allem für diejenigen sein, die kein Pay-TV im Haus haben und mit dem vielfach immer dünneren Angebot der frei verfügbaren Sender aber nicht mehr ganz zufrieden sind. Hier könnte es sich allerdings auch - wie so oft wenn neue Produkte auf den Markt kommen - lohnen, noch ein bisschen zu warten. Die neue Astra-Digital-Plattform Entavio bietet grundsätzlich allen Sendern an, ihre Programme zu verschlüsseln und so zum Pay-TV-Kanal zu wandeln.

Bei der Präsentation des neuen Angebots Ende August in Berlin betonte Entavio-Chef Wilfried Urner: "Premiere wird auf Entavio nicht exklusiv sein." Und auch "Premiere-Star"-Chef Winter bestätigt, dass es Exklusiv-Verträge mit den im Paket angebotenen Sender nicht geben wird.

Kurzum: Gut möglich, dass schon in wenigen Wochen einzelne Sender aus dem Premiere-Star-Angebot außerhalb von ganzen Programm-Paketen für wenige Euro zu haben sein werden. Damit wird das Ganze natürlich noch komplizierter. Aber wie heißt es doch so schön: Es lebe die Vielfalt, in diesem Fall die Programmvielfalt!

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