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Neuer Sende-Standard DVB-T2: Warum der Umstieg jetzt so schnell gehen musste

DVB-T2 Wechsel: Ein Mann starrt entsetzt seinen Fernseher an
Der Wechsel auf DVB-T2 hat viele Betroffene kalt erwischt
© 1905HKN/Getty Images
Heute Nacht war es soweit: Der Antennen-Standard wurde auf DVB-T2 umgeschaltet. Wer bisher über DVB-T ferngesehen und nicht für eine Alternative gesorgt hat, steht dumm da. Doch war der drastische Schritt so wirklich nötig?

Für viele Anhänger des alten Antennen-Fernsehens ist es ein ärgerlicher Schritt: Ab der Nacht zum 29. März wird der bisherige Standard DVB-T in vielen Teilen Deutschlands abgeschaltet, die Zuschauer müssen entweder für den neuen Standard DVB-T2 umrüsten oder sich nach Alternativen umsehen. Sonst bleibt der Bildschirm schwarz. Doch musste der Umstieg wirklich in einem so drastischen Schritt erfolgen?

Eigentlich hat der Wechsel für Betreiber und Zuschauer zahlreiche Vorteile: Der neue Standard erlaubt eine Komprimierung der Inhalte, damit lassen sich hochauflösende Bilder mit weniger Bandbreitennutzung senden und empfangen. So sind deutlich schickere Fernsehbilder bis zur FullHD-Auflösung 1080p möglich. Zudem werden die bisher durch den alten Standard blockierten Frequenzen frei, sie sind für den flächendeckenden LTE-Ausbau eingeplant. Leider gibt es aber auch Nachteile - und die treffen vor allem für die Zuschauer.

Die müssen sich meist mit neuer, kompatibler Hardware ausstatten, sei es ein neuer Receiver oder gleich ein neues TV-Gerät. Zudem sind die Privatsender nun nur noch verschlüsselt zu empfangen. Wer sie weiter schauen will, muss 69 Euro pro Jahr bezahlen. Dafür bekommt man aber auch ein besseres Bild und mehr über Antenne empfangbare Sender als vorher. Oder man sieht sich nach einer Alternative wie Kabel, Satellit und TV-Streaming um. Doch die sind auch nicht kostenlos.

DVB-T2 macht alle verrückt - und betrifft viele nicht

Umso mehr verärgert es viele Zuschauer, dass jetzt alles so schnell gehen muss. Ganz so einfach ist die Situation aber eigentlich gar nicht. Zum einen wurde DVB-T2 in einem knappen Viertel Deutschlands nicht erst vor wenigen Tagen eingeschaltet, sondern ist schon seit letztem Mai empfangbar. Der Schritt ist in diesen Regionen als deutlich weniger plötzlich erfolgt, als es den Anschein macht. Zum anderen sorgt das vermeintlich klare Datum aber für mächtig Verwirrung: Den neuen Standard gibt es noch gar nicht überall - die meisten Regionen werden erst im Laufe der nächsten beiden Jahre umgestellt. Die Zuschauer müssen dort also zunächst gar nichts ändern. Wie die Umstellung erfolgen soll, verrät diese Karte.

Eine Variante, der Ungewissheit und dem Umstellungsdruck entgegenzuwirken, wäre ein Parallelbetrieb der beiden Standards gewesen. So hätten die Kunden mehr Zeit gehabt, ihr Zuhause auf den Umstieg vorzubereiten. Leider hätte es auch dadurch mehrere klare Nachteile gehabt - vor allem finanzielle. Zunächst wäre der Doppelbetrieb schlicht merkbar teurer. Wegen der Unkosten hätte auch der Parallelbetrieb irgendwann ein Ende haben müssen, er hätte den Schlussstrich letztlich also nur hinausgezögert.

Es geht um's Geld

Ein Parallelbetrieb hätte den Umstieg zudem vermutlich drastisch verlangsamt. Warum sollte man sich schließlich neue Hardware und ein kostenpflichtiges Privatfernsehen ins Haus holen, wenn der alte Standard problemlos weiterläuft? Hier dürften auch die Privatsender mächtig Druck gemacht haben: Je mehr Zuschauer wechseln müssen, desto mehr zahlen schließlich für die entschlüsselten Privaten. Aber auch der deutsche Staat wollte den Umstieg so schnell wie möglich voranbringen. Die frei gemachten Frequenzen lassen sich schließlich wertvoll versteigern.

Die Zuschauer können dem ganzen Treiben nur tatenlos zusehen. Ihnen bringt der schnelle Umstieg eigentlich nur Nachteile. Ein Teil von ihnen muss nun so schnell wie möglich neue Hardware besorgen, ein anderer wird völlig nutzlos verrückt gemacht - weil der Wechsel in ihrer Region erst viel später erfolgt. Immerhin ist dann irgendwann das Bild schärfer. Das hätten sie mit Kabel oder Streaming aber auch schon vorher haben können.


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