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100 Jahre Montblanc: Edelfedern für die Welt

Konrad Adenauer bot ihn John F. Kennedy an, Steffi Graf hielt ihn in Händen und Ferrari-Teamchef Jean Todt sammelt ihn aus Leidenschaft: den Montblanc-Füller.

Der Montblanc-Füller kommt seit hundert Jahren aus den Hamburger Produktionsstätten - keine Massenware, sondern ein mit Liebe zum Detail gefertigtes Produkt. Eine wechselvolle Geschichte hat die Fertigung der Füllfederhalter begleitet. Heute gehört das einstige Familienunternehmen zur internationalen Richemont-Gruppe (Cartier, Piaget, A.Lange & Söhne) mit einem Jahresumsatz von zuletzt 3,7 Milliarden Euro. Mit einem Festakt feiert der Füllfederhalter-Hersteller am 11. Januar 2006 in Hamburg sein 100-jähriges Firmenjubiläum.

Der Schreibwarenhändler Claus-Johannes Voss und der Bankier Alfred Nehemias aus Hamburg sowie der Berliner Ingenieur August Eberstein entschlossen sich 1906, in Produktion und Handel mit Füllfederhaltern einzusteigen, von denen sie unausgereifte Vorläufer in den USA und England kennen gelernt hatten. "Die Simplo Filler Pen Company, gegründet Hamburg, New York - das klang damals schon international", erzählt Wolff Heinrichsdorff aus der Geschäftsführung Montblanc International. Heute ist das Unternehmen in mehr als 70 Ländern vertreten, mit mehr als 260 eigenen Boutiquen und mehr als 9000 Verkaufsstellen.

Bis zu 60 Arbeitsschritte für einen Feder

Heinrichsdorff ist seit 15 Jahren dabei, hat den Aufbruch in die "Diversifikation" mitgemacht: Lederwaren und Schreibtischaccessoires wie Löschwiegen und Brieföffner, Brillen, Uhren, Schmuck und Parfüm runden das Angebot ab. Wurde noch 1990 der Umsatz fast ausschließlich mit Schreibgeräten gemacht, entfallen mittlerweile rund 40 Prozent auf die weiteren Produkte. Über die genaue Höhe der Erlöse und des Ergebnisses schweigt sich das Unternehmen hanseatisch vornehm aus. Richemont berichtete zum Geschäftshalbjahr 2005, dass seine beiden Schreibgerätehersteller Montblanc und Montegrappa den Umsatz verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 208 Millionen Euro steigerten, bei einem um 65 Prozent höheren operativen Ergebnis.

In den Werkshallen in Hamburg werden die Herzstücke hergestellt: Füllfederhalter. In der Federfertigung legen Goldschmiedinnen und Industriemechanikerinnen geduldig Hand an. Bis zu 60 Arbeitsschritte, bis zu einem Monat kann es dauern, bis beispielsweise eine Feder fertig ist, die die markante Gravur "4810" - die Höhe des Montblanc - trägt. Der schneebedeckte Gipfel des höchsten Bergs der Alpen ist seit Jahrzehnten Symbol und Warenzeichen für die Kollektionen.

Seit 1924 wird die Edelfeder entworfen

Ein Klassiker ist die seit 1924 produzierte Meisterstück-Serie. "Sie war damals der Beweis, dass ein Handwerker ein Meisterstück fertigen kann", erzählt Heinrichsdorff. Glanzstücke sind auch limitierte Sonderauflagen. Im firmeneigenen Studio streift sich Werkzeugmacher Thorsten Hering weiße Handschuhe über, behutsam holt er die wertvollen Stücke aus nicht weniger edlen Schatullen. Zuchtperlen, Diamanten oder Rubine zieren die Schreibgeräte. Ein Juwel ist der mit 4810 Brillanten besetzte Füllfederhalter zum Preis für 125.000 US-Dollar (105.263 Euro), der es 1994 als teuerstes Schreibgerät der Welt ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte.

Zum Überleben der Manufaktur hatte 1977 die Alfred Dunhill Ltd. als neuer Mehrheitsaktionär beigetragen. Der Betrieb war damals in die Spirale der immer billiger werdenden Schreibwaren geraten, erinnert sich Heinrichsdorff. "Der Ausstieg aus der Billigproduktion war die richtige Strategie", ergänzt der Manager. Das "Comeback des Füllfederhalters" Anfang der neunziger Jahre hat das Geschäft weiter beflügelt. Weltweit sind heute rund 2500 Mitarbeiter für Montblanc tätig, davon 650 am Stammsitz in Hamburg.

Almut Kipp/DPA