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30 Jahre Schlecker: Der Drogerie-König muss kämpfen

Als Pfennigfuchser baute Anton Schlecker ein Imperium auf. 2004 erwischte die flaue Konjunktur auch sein Drogerie-Reich, trotz minimaler Kosten stagnierte der Umsatz. Ein Strategiewechsel soll jetzt die Rettung bringen.

Vor 30 Jahren eröffnete der Metzgerssohn Anton Schlecker seine erste Filiale im baden-württembergischen Kirchheim unter Teck - der Grundstein für ein Firmenimperium mit heute 13.700 Geschäften auf dem europäischen Kontinent und einem Umsatz von 6,6 Milliarden Euro. Doch im Jubiläumsjahr steht der 60-jährige Milliardär vor ungewohnten Problemen: Früher widerstand sein Geschäftsmodell dank minimaler Kosten jeder Konsumflaute. 2004 jedoch stagnierte der Umsatz und Schlecker musste erstmals im großen Stil unprofitable Filialen schließen.

Miniläden verschwinden

Anton Schlecker, der neben den ebenso verschwiegenen Aldi-Brüdern Theo und Karl Albrecht und Lidl-Chef Dieter Schwarz zu den Größen des deutschen Einzelhandels zählt, reagierte wie gewohnt kämpferisch - ein Strategiewechsel soll den geschrumpften Durchschnittsumsatz je Filiale in diesem Jahr wieder nach oben treiben. Miniläden unterhalb von 200 Quadratmetern verschwinden, das Sortiment wird überarbeitet: "Food war ein Fehler, das können Lidl & Co besser", sagte er in einem Interview. Der notwendige Stellenabbau werde sozialverträglich über die Bühne gehen.

Zudem bahnt sich für Schlecker-Verhältnisse eine technische Revolution an: Die Kunden können in Kürze wie bei den Lebensmittel-Discountern Aldi und Plus mit EC-Karte zahlen. Gerade bei diesem Deal mit den Terminalanbietern und einer Großbank habe der Unternehmer wieder einmal seine ganze Klasse bewiesen, kommentiert das Branchenblatt "Lebensmittel Zeitung". Schlecker bekommt 10.000 EC-Kartenterminals für die deutschen Filialen quasi umsonst, auch die von anderen Händlern gefürchteten Abrechnungsgebühren muss er nicht zahlen. Dafür können die Kunden am Terminal bequem ihre Prepaid-Handys aufladen - diese Gebühren gibt Schlecker großzügig an die Partner ab.

Sammler exklusiver Sportwagen

Der Firmenpatron, der als "Zahlen- und Kontrollmensch" gilt und exklusive Sportwagen sammelt, nimmt damit die Herausforderung der Konkurrenten dm (Umsatz 3 Milliarden Euro) und Rossmann (1,7 Milliarden Euro) an. Die Verfolger holen seit Jahren mit einem rasanten Wachstum besonders in den guten City-Lagen und deutlich höheren Gewinnmargen auf. Doch noch kann Schlecker die Attacken aus der bequemen Position des Marktführers parieren: Der Anteil am deutschen Drogerie-Geschäft liegt nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung bei rund 41 Prozent. Im Ausland expandieren die Schwaben derzeit massiv in Skandinavien und Osteuropa. Investitionen finanziert das Unternehmen komplett aus seinem Gewinn. Zudem hat sich Schlecker über Genussscheine am Discounter Lidl beteiligt.

Beim Geschäftsprinzip ist sich Schlecker in 30 Jahren treu geblieben: Wenn Einzelhändler in eher unattraktiven Lagen schließen, übernehmen die Ehinger das Ruder. Schlecker mietet spottbillig, kalkuliert kleine Umsätze ein, bietet nur 4000 Artikel an und schreibt auf Grund minimaler Fixkosten schwarze Zahlen.

Gewerkschaft beklagt schlechtes Arbeitsklima

Diese Sparwut bekommen nach Einschätzung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di viele der über 37.000 Beschäftigten in Deutschland täglich zu spüren. Ende der 90er Jahre hielt die Stuttgarter Justiz dem Milliardärspaar Anton und Christa vor, hunderte Mitarbeiter jahrelang unter Tariflohn bezahlt zu haben. Die Schleckers akzeptierten eine Verurteilung und sorgten für verbesserte Arbeitsbedingungen. Der Gewerkschaft reicht dies noch nicht: Das Klima sei unverändert schlecht, unliebsame Mitarbeiter würden wie bei Lidl systematisch schikaniert. Anton Schlecker weist die Kritik zurück und kann das Argument dagegen halten, auch in der schärfsten Einzelhandelskrise tausende Jobs in Deutschland zu sichern. Und die Zukunft ist geregelt: Die beiden Kinder sollen später sein Lebenswerk fortsetzen.

Tim Braune/DPA / DPA