Absatzflaute Daimler verordnet Zwangsurlaub für alle


Konzernchef Dieter Zetsche hatte die 150.000 Daimler-Mitarbeiter bereits auf harte Zeiten eingestimmt, nun hat der Stuttgarter Autobauer Details bekannt gegeben: Mit einem verlängerten Produktionsstopp über Weihnachten in allen 14 deutschen Standorten reagiert Daimler auf die weltweite Absatzflaute. Verbessert sich die Lage im Frühjahr nicht, droht sogar Kurzarbeit.

Wegen der Absatzflaute auf dem Automarkt schickt der Fahrzeughersteller Daimler 150.000 Mitarbeiter in verlängerte Weihnachtsferien. Alle 14 Montagewerke in Deutschland seien davon betroffen, teilte Personalvorstand Günther Fleig am Montag in Stuttgart mit. Das größte inländische Pkw-Werk in Sindelfingen stoppt demnach die Produktion bereits am 12. Dezember, einen Monat später, am 12. Januar 2009, soll die Arbeit dort wieder aufgenommen werden. Normalerweise dauern die Betriebsferien bei Daimler zwei Wochen.

Sowohl in der Auto-Produktion als auch im Lastwagenbereich werden nach Fleigs Angaben auf Zeitkonten gesammelte Überstunden abgebaut. Wie lange die Bänder an anderen Standorten stillstehen werden, ist derzeit noch unklar. Darüber laufen laut Daimler in den einzelnen Werken noch Gespräche. An dem Ziel, bis zum Jahresende die Produktion um 45.000 Fahrzeuge zu drosseln, halte der Konzern derzeit fest.

Kurzarbeit nicht ausgeschlossen

Wenn sich der Auto-Absatz im kommenden Frühjahr allerdings nicht belebe, müsse die Wochenarbeitszeit von derzeit 35 auf 30 Stunden gekürzt werden, sagte Fleig. "Wir können die Beschäftigungslage derzeit nicht vorhersehen, da der Absatz nicht kalkulierbar ist", sagte der Personalmanager. Wenn auch die Reduzierung der Wochenarbeitszeit nicht reiche, werde Daimler Kurzarbeit anmelden. "Wir haben in nächster Zeit aber keine größeren Beschäftigungssorgen", so Fleig.

Betriebsbedingte Kündigungen schloss der Personalchef aus: "Der Beschäftigungssicherungsvertrag gilt und endet im Jahr 2011. Wir halten uns daran." Daimler hatte 2004 mit dem Betriebsrat einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vereinbart. Zuletzt waren bei der Pkw-Sparte Mercedes-Benz im Jahr 2005 rund 8500 Stellen gestrichen worden. Daimler hatte die Beschäftigten mit teuren Abfindungen zum Ausscheiden bewogen.

Daimler bekommt die Krise auf dem Automarkt in Europa und den USA derzeit voll zu spüren. Nach einem Gewinneinbruch und einem Absatzrückgang bei Mercedes im dritten Quartal hatte der Konzern zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose gesenkt. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte die Mitarbeiter am Donnerstag auf eine längere Durststrecke eingestimmt.

BMW-Bänder in Leipzig stehen still

Auch Konkurrent BMW reagiert mit einem Produktionsstopp auf die Absatzmisere: Seit Montag stehen im Leipziger Werk die Bänder für vier Tage still. Nach Unternehmensangaben werden damit 2800 Autos weniger montiert. Für die 2600 Leipziger Beschäftigten sollen keine Einbußen entstehen. Die Zeit wird auf Arbeitszeitkonten verrechnet. In Leipzig werden vier Modelle - die 3er Limousine und drei 1er Varianten - gebaut. Im September war der Absatz bei den drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um 14,6 Prozent zurückgegangen. In den USA lag er um ein Viertel unter dem Vorjahreswert.

Gleiches Bild bei Bosch: Wegen der Krise in der Branche hat der Autozulieferer die Produktion in Reutlingen-Rommelsbach in dieser Woche stillgelegt und 400 Mitarbeiter nach Hause geschickt. Über die Werksschließung sei kurzfristig entschieden worden. Die Mitarbeiter hätten durch die Schließtage keine finanziellen Nachteile, da sie zuletzt viele Überstunden angesammelt hätten. In dem Werk in Reutlingen-Rommelsbach werden Einspritzpumpen für Dieselmotoren hergestellt.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker