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Ärger für Stromkunden Ohne Vorwarnung – Energiediscounter Stromio liefert ab sofort nicht mehr

Strom wird teurer
Kunden von Stromio haben jetzt Ärger
© adventtr / Getty Images
Der Stromanbieter Stromio stoppt ohne Vorwarnung die Belieferung seiner Kunden. Die fallen nun in die Grundversorgung. Zuvor hatten die Netzbetreiber dem Energiediscounter, zu dem auch Skandalanbieter gas.de gehört, den Saft abgedreht. 

Auf der Homepage von Stromio ist die Welt noch in Ordnung: "Sicherer Wechsel zu Stromio – dem Stromhändler Ihres Vertrauens", heißt es da, verbunden mit dem Versprechen: "Darauf können Sie sich verlassen." Tatsächlich können sich die Kunden von Stromio auf nichts mehr verlassen: Der Stromanbieter hat mit sofortiger Wirkung die Belieferung seiner Kunden eingestellt.

Bereits ab dem heutigen Mittwoch erhalten die Kunden ihre Elektrizität nicht mehr von Stromio, sondern vom örtlichen Grundversorger. Das heißt: Sie sitzen zwar nicht im Dunkeln, weil eine lückenlose Versorgung in Deutschland gewährleistet wird. Sie müssen aber deutlich mehr bezahlen, weil die Grundversorgung teuer ist. Betroffen sind vermutlich einige Hunderttausend Kunden. 

Netzbetreiber schmeißen Stromio raus

Der Grund für den sofortigen Lieferstopp: Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, TransNetBW und Tennet haben ihre Verträge mit Stromio kurzfristig gekündigt. "Stromio konnte seinen Bilanzkreisverpflichtungen nach eigenen Angaben nicht mehr nachkommen", sagte ein Sprecher von 50Hertz der DPA. Stromio selbst hat sich bislang nicht geäußert, auch eine stern-Anfrage blieb zunächst unbeantwortet.

Der Lieferstopp spielt vor dem Hintergrund rasant gestiegener Energiepreise. Bereits Anfang Dezember hatte das Stromio-Schwesterunternehmen gas.de ohne Vorwarnung die Belieferung von Haushalten mit Gas eingestellt. Das Unternehmen aus Kaarst, das auch unter der Marke Grünwelt agiert, versteht sich als "Energiediscounter" und warb jahrelang mit niedrigen Neukundenpreisen. Das ist angesichts der hohen Einkaufspreise für Energie offenbar nicht mehr wirtschaftlich, sodass das Unternehmen trotz bestehender Verträge Kunden loswerden will. Insolvenz haben Stromio und gas.de bislang aber nicht angemeldet. 

Was Kunden tun sollten

Betroffenen Kunden empfiehlt das Portal Verbraucherhilfe Stromanbieter, die Einzugsermächtigung zu widerrufen oder den Dauerauftrag zu kündigen, damit keine weiteren Abschlagszahlungen für nicht erbrachte Leistungen vom Konto abgehen. Zudem sollten sich Stromio-Kunden, die nicht die teure Grundversorgung des örtlichen Anbieters zahlen wollen, zeitnah um einen neuen Anbieter kümmern. Dabei helfen klassische Vergleichsportale wie Verivox und Check24 oder alternative Wechselhelfer, sogenannte Tarifaufpasser.

Stromio gehört zu den Billigenergieanbietern, die in den vergangenen Jahren immer wieder unangenehm aufgefallen sind. Denn auf günstige Neukundenpreise folgt nicht selten Kundenärger über intransparente Preiserhöhungen, nicht akzeptierte Kündigungen oder verschleppte Bonuszahlungen. Schon 2017 haben wir hier ausführlich über die Geschäftsmethoden der schwarzen Schafe unter den Stromanbietern berichtet. Der unangekündigte Lieferstopp fügt sich in dieses Bild nahtlos ein.

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