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Insolvente Airline: Air Berlin: Tausende werden arbeitslos, aber der Chef hat ausgesorgt

Die meisten Kunden der insolventen Air Berlin gehen leer aus. Ein großer Teil der 8000 Angestellten verliert den Job. Ganze Existenzen stehen auf dem Spiel. Doch Chef Thomas Winkelmann kassiert weiterhin sein üppiges Gehalt.

Demo Air Berlin

Vor der Air-Berlin-Zentrale: Beschäftigte der insolventen Fluggesellschaft protestieren bei einer von Verdi organisierten Demonstration am 16. Oktober am Saatwinkler Damm in Berlin.

Wie schlecht es um Air Berlin bestellt ist, war einem schon Anfang des Jahres klar, als er die Führung der angeschlagenen Fluggesellschaft übernahm: Thomas Winkelmann war innerhalb von nur sechseinhalb Jahren der fünfte Chef, der den Laden retten sollte. Ein pikantes Detail seines Einstellungsvertrages ging damals durch die Presse, dem aber kaum Beachtung geschenkt wurde.

Als Winkelmann am 1. Februar 2017 die Nachfolge des vom Hof gejagten Stefan Pichler übernahm, ging er auf Nummer sicher, mit üppigen Salär und großzügigen Boni. Er ließ sich sein Gehalt und die Prämienzahlungen durch eine Bankgarantie absichern.

Der kluge Mann baut vor

 Um für den Höllenjob bei Air Berlin Ende 2016 einen neuen Steuermann zu finden, musste der Vergütungsausschuss nach eigener Aussage "seinen Ermessensspielraum ausnutzen, um angesichts der außergewöhnlichen und unerwarteten Umstände für ihn ein angemessenes Vergütungspaket aufzusetzen“, zitiert das "Finance Magazin" aus dem Geschäftsbericht der Airline.

Sein Bruttogehalt soll 950.000 Euro betragen plus einer Einmalzahlung von "300.000 Euro für entgangene Pensionsansprüche" des ehemaligen Lufthanseaten, der zuletzt als Hub-Manager am Flughafen München tätig war, nachdem er zuvor den Billigflieger Germanwings von Lufthansa groß gemacht hatte.

Die letzte Air-Berlin-Maschine aus Miami bei ihrem Flugmanöver über dem Flughafen von Düsseldorf

Das ist noch nicht alles: On top kommen für das Jahr 2017 noch ein "Anspruch auf einen einmaligen Mindestbonus von 400.000 Euro, der im Januar 2018 gezahlt und auf alle anderen während der Beschäftigung zu zahlenden Jahresboni angerechnet wird", schreibt das "Finance Magazin ".

Geldgeber für Transfergesellschaft gesucht

Dagegen sieht die Zukunft der Air-Berlin-Mitarbeiter düster aus. Lufthansa übernimmt weniger Flugzeuge als zunächst angekündigt. Dem fliegenden Personal und den Mitarbeiter am Boden und in der Verwaltung fehlt eine Perspektive. Daher fordert die Gewerkschaft Verdi dringend die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Eine Jobmesse, die in der vergangenen Woche am Standort Berlin stattfand, tröstet darüber kaum hinweg.

Männer in schwarzen Anzügen: Der Sachwalter der Gläubiger, Lucas Flöther, Vorstandschef Thomas Winkel und  der Generalbevollmächtige Frank Kebekus (v.l.n.r.).

Männer in schwarzen Anzügen: Der Sachwalter der Gläubiger, Lucas Flöther, Vorstandschef Thomas Winkel und  der Generalbevollmächtige Frank Kebekus (v.l.n.r.).


"Die Unternehmen kaufen lukrative Anteile zum Schnäppchenpreis und kümmern sich nicht um die Menschen", kritisiert Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. "Die Bieter müssten Übernahmeregelungen schaffen." Air Berlin verhandelt weiterhin mit dem Billigflieger Easyjet, nachdem Lufthansa am Freitag letzter Woche den Vertrag zur Übernahme von 50 Flugzeugen von Air Berlin, Niki und der Luftfahrtgesellschaft Walter mit einem Teil der Mitarbeiter unterschrieben hatte.

Inzwischen haben sich Winkelmann, der Generalbevollmächtige Frank Kebekus und der Sachwalter der Gläubiger, Lucas Flöther, mit einer E-Mail des Unternehmens an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gewand. "Damit eine Transfergesellschaft möglich wird, bitten wir Sie, das Land Berlin, um eine finanzielle Beteiligung", zitiert die Nachrichtenagentur DPA das Schreiben. Eine solche Gesellschaft müsse bis Ende der Woche in die Wege geleitet werden.

Kunden von Air Berlin sehen Ihr Geld nicht wieder

Zur bitten Wahrheit der insolventen Airline gehört auch die Tatsache: Alle Kunden, die ein Ticket vor dem Stichtag am 15. August für Flüge nach dem 27. Oktober gebucht und bezahlt haben, erhalten keinen Cent für ihre wertlos gewordenen Flugscheine zurück.

Doch der Vorstandvorsitzende Winkelmann, der einen Vier-Jahres-Vertrag bis zum 31. Januar 2021 unterschieben haben soll, muss sich wegen der "unwiderrufliche Bankgarantie in Höhe von bis zu 4,5 Mio. Euro" in den nächsten Monaten und Jahren keine Sorgen machen, wie die "Bild"-Zeitung schreibt. "Selbst bei einer vorzeitigen ordentlichen Kündigung durch Air Berlin (6 Monate Kündigungsfrist, erstmals zum 31. Januar 2019) wird ihm laut Vertrag sein Grundgehalt über die gesamte Laufzeit ausgezahlt."

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