Air Berlin Endlich am Parkett gelandet


Die Billigfluggesellschaft Air Berlin hat nach heftigen Turbulenzen im zweiten Anlauf den Sprung auf das Börsenparkett geschafft. Mit dem frischen Kapital sollen 50 bereits bestellte Flugzeuge bezahlt werden.

Der Billigflieger Air Berlin hat im zweiten Anlauf den Börsengang geschafft: Die Aktien starteten am Donnerstag mit 12,65 Euro in den Handel und lagen damit gut fünf Prozent über dem Zuteilungspreis von zwölf Euro. Allerdings fiel der Kurs in den ersten Minuten nach der Erstnotiz bereits wieder bis auf 12,16 Euro. "Ich bin sehr zufrieden. Jetzt können wir in die Zukunft gucken und wachsen", kommentierte Vorstandschef Joachim Hunold das Börsendebüt. Trotz der geringeren Einnahmen aus dem Börsengang sei er zuversichtlich, die damit verbundenen Ziele zu erreichen. Jürgen Pieper, Analyst vom Bankhaus Metzler, sagte, der verringerte Preis sei vernünftig gewesen. "Viel Luft ist in der Aktie aber nicht drin."

Weniger Geld als erhofft

Mit einem Platzierungsvolumen von bis zu 510 Millionen Euro ist Air Berlin bislang die zweitgrößte Neuemission in diesem Jahr. Ursprünglich hatte der defizitäre Billigflieger bis zu 870 Millionen Euro an der Börse einsammeln wollen.

Der Börsengang von Deutschlands zweitgrößter Airline stand trotz einer umfangreichen Werbekampagne mit Fernsehmoderator Johannes B. Kerner unter keinem guten Stern und lockte nur zögerlich Investoren an. Wegen der schleppenden Nachfrage musste Air Berlin dann in die Warteschleife, die Erstnotiz wurde um mehrere Tage verschoben. Zudem wurde die Preisspanne auf 11,50 bis 14,50 Euro von 15 bis 17,50 Euro gesenkt und das Angebot an Aktien verknappt. Die Emission war trotz dieser Schritte nur zweifach überzeichnet.

Nur ein Zehntel ging an Privatanleger

Bei Wacker Chemie, dem bisher größten Börsengang in Deutschland in diesem Jahr, hatte die Nachfrage das Angebot um mehr als das 18fache übertroffen. Kritiker hatten Air Berlin vorgeworfen, dass Risiken wie steigende Treibstoffpreise und der harte Wettbewerb im europäischen Billigflugsektor in der ursprünglichen Angebotsspanne nicht genügend berücksichtigt worden seien. Nur ein Zehntel der Aktien gingen an Privatanleger, der Rest wurde von institutionellen Investoren gezeichnet.

Air Berlin selbst fließen mit dem Börsengang 235 Millionen Euro zu. Abzüglich der Kosten für das IPO bleiben noch etwa 195 Millionen Euro übrig. Hunold hatte sich ursprünglich Hoffnungen auf rund 400 Millionen Euro machen können. Mit dem frischen Kapital will er vor allem die bereits bestellten 50 neuen Flugzeuge bezahlen. Außerdem sollen neue Strecken nach Skandinavien und Osteuropa aufgebaut werden.

Kandidat für den MDax

Bei vollständiger Ausübung der Platzierungsreserve befänden sich nach dem Börsengang rund 71 Prozent der Unternehmensanteile im Streubesitz. Air Berlin gilt trotz des niedriger als erwartet ausgefallenen Börsenwerts als Kandidat für eine Mitgliedschaft im Nebenwerteindex MDax.

AP/Reuters AP Reuters

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