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Airbus: Der Staat soll raus

Wenn es nach dem Management ginge, dann würde sich die Politik künftig von Airbus fernhalten. Doch nach einem Rückzug der beteiligten Staaten Deutschland und Frankreich sieht es zurzeit nicht aus. Im Gegenteil.

Mit dem Sanierungsprogramm "Power8" ist beim Flugzeugbauer Airbus ein erbitterter Kampf um Macht und Einfluss der Regierungen entbrannt. Auch die deutsch-französische Doppelspitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS wird in Frage gestellt. Während die Bundesländer gerade bei EADS einsteigen und acht französische Regionen es ihnen nachmachen wollen, fordert das Top-Management in seltener deutsch-französischer Eintracht: Die Staaten sollen sich raushalten.

"Ich würde mir ein Unternehmen ohne staatliche Beteiligung wünschen", sagt der deutsche Co-Chef von EADS, Thomas Enders, frei heraus. Und der französische Airbus-Chef Louis Gallois erklärt das nationale Machtgerangel im Konzern zum "echten Gift". Airbus müsse "ein normales Unternehmen werden". Beide machen auch gerne deutlich, dass sie lieber alleine den Konzern führen würden, als sich die Macht zu teilen, wie es im Pakt der Gründungsaktionäre festgelegt ist.

Geld und Aufträge, aber keine Einmischung

Am liebsten hätten die Manager, wenn die Politik ihnen Geld und Aufträge gäbe und sie gewähren ließe. "Wir wünschen die Unterstützung der örtlichen Behörden und des Staates, doch man darf Management und Politik nicht vermischen", sagt Airbus-Geschäftsführer Fabrice Bregier. Die Politik dürfe Airbus nicht "zur Geisel nehmen".

Die Politiker sehen das anders. Die Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten, Segolene Royal, will sogar die ganze Airbus-Sanierung auf Eis legen, bis Berlin und Paris eine gemeinsame Industriestrategie für den Konzern entworfen haben. Am Dienstag will Royal Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Vorstellungen gewinnen. Zudem will sie, dass Frankreich und seine Regionen EADS-Aktien kaufen, um ihren Einfluss zu erhöhen.

Kein Staat will Airbus sich selbst überlassen

Keine Regierung kann sich vorstellen, Airbus und EADS sich selbst zu überlassen. Schließlich haben die Staaten bei der Gründung Pate gestanden, massiv in Infrastruktur und Forschung investiert und die Airbusse mit Milliardenkrediten flügge gemacht. Außerdem ist EADS als Produzent der französischen Atomraketen, von Weltraumraketen und Eurofighter ein "strategisches" Unternehmen, an dem direkt und indirekt mehr als 100.000 Arbeitsplätze hängen. Als "Power8" ausgearbeitet wurde, mischten sich Bund und Landesregierungen, Frankreich, Spanien und Großbritannien massiv ein.

Über die Frage, ob und wie die Staaten am Kapital beteiligt sein sollen und ob die deutsch-französische Doppelspitze abgeschafft gehört, gehen die Meinungen allerdings durcheinander. Während Berlin draußen vor bleiben will und externe Kapitalgeber sucht, übernehmen mehrere Bundesländer EADS-Anteile in homöopathischen Dosen und zudem ohne Stimmrecht. Frankreich spricht von einer "Kapitalerhöhung um mehrere Milliarden Euro", doch ist in Paris umstritten, ob sich die Regionen daran beteiligen sollen. Die Frage dürfte schon im Mai akut werden: Dann dürfte die EADS-Hauptversammlung - inmitten der französischen Wahlen - über eine Kapitalerhöhung entscheiden.

Weil die Großaktionäre Lagardère und Daimler-Chrysler sich auf ihre Kerngeschäfte Medien und Auto konzentrieren wollen, stünde dann der Aktionärspakt zur Disposition, der aktuell 57,9 Prozent des Kapitals bündelt. Daimler-Chrysler stellt 22,47 Prozent, von denen 7,5 Prozent ohne Stimmrecht an Bundesländer und Banken abgegeben werden. Spanien stellt 5,48 Prozent und die Franzosen 29,95 Prozent, wovon Lagardere 7,5 Prozent über Wandelanleihen auf Termin abgetreten hat und weitere 7,5 Prozent abgeben will. Der Pakt schreibt vor, dass die Regierungen sich aus der Unternehmensführung heraushalten, selbst wenn sie - wie Frankreich und Spanien - Großaktionäre sind.

"Der Staat hat nicht genug Macht"

Konfrontiert mit dem Vorwurf der Untätigkeit fordert der Pariser Wirtschaftsminister Thierry Breton eine Regeländerung. Das Konstrukt gebe "dem Staat nicht genug Macht". Doch abschaffen will er den Pakt nicht: "Dank des Paktes kann heute niemand Airbus übernehmen."

Enders und Gallois werden Experten zufolge zunächst weiter mit politischer Einflussnahme rechnen müssen. Die Airbus-Reform mache den Aufbau eines neuen stabilen Aktionärskreises notwendig, sagt Joseph Carles vom Institut für politische Studien (IEP) in Toulouse. Der Staat müsse die Übergangsphase sichern, in der der Konzern neues Kapital beschaffe und Partnerschaften in China, Russland und den Emiraten aufbaue.

Hans-Hermann Nikolei/DPA/DPA