Aktienmarkt Immobilienkrise erreicht Dax


Kein guter Tag an der Frankfurter Börser: Der deutsche Aktienindex Dax geriet in den Strudel der amerikanischen Immobilienkrise und gab um 2,1 Prozent nach. Auslöser waren schockierende Zahlen von Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate.

Die Hypo Real Estate hat mit dem Eingeständnis von Belastungen aus der Hypothekenkrise die Investoren am deutschen Aktienmarkt geschockt und die Finanzwerte auf Talfahrt geschickt. Das Münchener Institut teilte am Dienstag überraschend mit, es werde vermutlich sein Eigenkapitalziel für 2007 verfehlen. Die Aktie brach um mehr als 30 Prozent ein und zog anderen Bankenwerte mit in die Tiefe.

"Das ist eine Schockwelle, die sich durch alle Bankaktien durchzieht, das hatte man wirklich nicht auf der Agenda", sagte ein Händler. Zu Handelsschluss notierte die Aktie der Hypo Real Estate (HRE) bei 21,64 Euro und damit 35,2 Prozent unter dem Schluss vom Vortag. Die Commerzbank-Papiere sackten im Sog der HRE um 8,3 Prozent auf 23,17 Euro ab - obwohl die Bank bekräftigte, 2007 ihre Geschäftsziele erreicht zu haben. "Die Finanzwerte werden jetzt in Sippenhaft genommen", sagte ein Börsianer. "Jetzt glaubt keiner mehr irgendetwas".

Der Dax ging 2,1 Prozent tiefer bei 7566 Punkten aus dem Handel. "Das grenzt schon an Ausverkaufsstimmung", sagte ein Marktteilnehmer. "Es traut sich keiner mehr, dagegenzuhalten". Im Laufe des Tages seien auch technische Marken durchbrochen worden, die Anschlussverkäufe nach sich gezogen hätten. Für Druck hatten neben den schlechten Nachrichten aus der Finanzbranche auch Konjunkturdaten gesorgt: Unerwartet schwache Zahlen zum US-Einzelhandel ließen an Wall Street erneut Rezessionsängste aufkommen und schickten auch dort die Aktien auf Talfahrt.

All diese Nachrichten ließen Anleger zu defensiven Werten wie Eon und RWE greifen. Die beiden Aktien hielten sich hartnäckig im Plus und stützten damit den Markt etwas. Eon schloss 0,5 Prozent, RWE 0,4 Prozent höher.

"Ein absoluter Vertrauensbruch"

Die HRE schockte die Anleger mit der Nachricht, Risiken aus einem US-Wertpapierportfolio mit 390 Millionen Euro auffangen zu müssen. Die angepeilte Nettorendite von zwölf Prozent auf das Eigenkapital sei 2007 voraussichtlich nicht erreicht worden. Marktteilnehmer nahmen dem Unternehmen den Zeitpunkt dieser Mitteilung übel: "Gerade hat die Citigroup alle Karten auf den Tisch gelegt, und dann kommt eine Bank, die immer betont hat, keine Leichen im Keller zu haben, mit so einer Meldung. Es gab lange Zeit, den Markt auf so etwas vorzubereiten, das hat die Hypo Real Estate verpasst", sagte ein Händler. "Ein absoluter Vertrauensbruch", kommentierte Merck-Finck-Analyst Konrad Becker die Nachricht, die die HRE zwei Milliarden Euro Börsenwert kostete.

Kurz zuvor hatte die Citigroup für ein kurzes Aufatmen am Markt gesorgt. Die größte US-Bank hat im vierten Quartal wegen der Kreditkrise zwar über 18 Milliarden Dollar abgeschrieben. Börsianer hatten jedoch noch höhere Belastungen befürchtet. Zudem beruhigte die Experten, dass sich die Citigroup mit einer Privatplatzierung eine Kapitalspritze über 12,5 Milliarden Dollar besorgen konnte. Das zeige, dass es Investoren gebe, die der Bank vertrauen würden, sagten Händler. Schließlich setzte sich aber doch eine negative Interpretation der Citigroup-Zahlen durch, denn der Verlust pro Aktie fiel immerhin doppelt so hoch aus wie Experten zuvor prognostiziert hatten.

Geplanter Tui-Umbau drückt Aktie

Zu den größten Verlierern im Dax zählte auch die Aktie von Tui mit einem Abschlag von 6,1 Prozent auf 15,67 Euro. Die Meldung über die Anklage gegen den Tui-Finanzvorstand wegen der Pleite des Maschinen- und Anlagenbauers Babcock Borsig sei "ein alter Hut", sagte ein Börsianer. Vielmehr dürfte nach dem Umbau des Touristik- und Schifffahrtkonzerns eine Zerschlagung unwahrscheinlicher geworden sein, so dass sich nun derartige Spekulationen verflüchtigten.

Im MDax verloren Pfleiderer 12,7 Prozent, nachdem das Unternehmen die Trennung von Finanzvorstand Derrick Noe bekanntgegeben hatte. Doch nicht nur die Aktie des Holzverarbeiters verlor zweistellig: Auch Gildemeister, QSC und Adva verzeichneten Abschläge von über zehn Prozent. "Dafür brauchen wir jetzt keine Nachrichten mehr", sagte ein Händler. "Es gibt keine Käufer mehr im Markt."

Reuters/DPA DPA Reuters

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