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Kleinere Verkaufsfläche: Aldi gibt es jetzt auch als Mini-Filiale

Aldis Filialen sehen vom Bodensee bis Flensburg recht ähnlich aus. In Frankfurt gibt es aber einen Laden, der ganz anders funktioniert. Als Strategieschwenk will man dies bei Aldi aber nicht verstanden wissen.

Aldi schrumpft Filiale

Aldi gibt es auch als kleine Filiale.

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Aldi-Filialen funktionieren in Deutschland sehr ähnlich. Die Regalreihen, die Brotecke, die Gemüse-und Obstabteilung - die einzelnen Elemente des Discounters haben ihren festen Ort. Das ermöglicht es den Kunden, sich schnell auch in fremden Filialen zurechtzufinden. Und das ist verkaufsfördernd. Das galt bislang auch für die innerstädtischen Lagen.

Doch in Frankfurt-Bockenheim präsentiert sich nun eine Aldi-Süd-Filiale, die ganz anders funktioniert. Denn hier ist der Verkaufsraum nur 500 Quadratmeter groß. Laut Aldi Süd ist die durchschnittliche Filiale fast doppelt so groß. Die kleinere Fläche ist der Lage geschuldet. Denn in dicht besiedelten Vierteln kann Aldi schlecht die üblichen Läden - eingeschossig mit großem Parkplatz - bieten. Bislang war das für den Discounter undenkbar. "Jeder Standort ist anders, wir stellen uns darauf ein und suchen die jeweils beste Lösung," sagt Stefan Kimmel, Geschäftsführer der Region Butzbach, zur "Lebensmittelzeitung". "Es gilt nicht mehr: ganz oder gar nicht. Um in Großstädten Kunden zu erreichen, sind wir zu Kompromissen bereit."

Aldi: Kleinere Filiale oder Schließung

Nein, neu erfinden wolle Aldi die eigenen Geschäfte nicht. Doch auch der Discounter muss umdenken. Denn die Alternative in Frankfurt hätte Schließung bedeutet. Am Standort gibt es seit 45 Jahren eine Aldi-Filiale. Doch der Laden war inzwischen zu klein. Ein anderer Standort konnte nicht gefunden werden - und die Anwohner hatten sogar eine Petition gestartet, um ihren Aldi zu behalten. Also war der Discounter gezwungen, das eigene Konzept zu überdenken.

Seit Mitte Juni wurde die Filiale kernsaniert. Optisch entspricht sie den neuen Geschäften. Nur beim Angebot müssen die Kunden Abstriche in Kauf nehmen. Das Sortiment ist um 20 Prozent geschrumpft. Die Backwelt, die vergleichsweise viel Platz braucht, wurde weggelassen. Auch die Kühltruhen, die frei stehen. Darüber hinaus wurde das Sortiment abgespeckt, beispielsweise Bio-Fairtrade-Kaffee oder die dritte Sorte Toilettenpapier, berichtet die "Lebensmittelzeitung". Auch auf einige Markenprodukte müssen die Kunden verzichten. So verschwinden Produkte wie Somat-Tabs für die Geschirrspülmaschine oder Nivea-Duschgel aus den Regalen. 

Die Kunden scheint das geschrumpfte Sortiment nicht zu stören. Seit dem 12. Februar ist der Markt wieder geöffnet und die Anwohner, die sich im vergangenen Jahr bei den Mitarbeitern mit angeschriebenen Briefen verabschiedet hatten, scheinen glücklich, "ihren" Aldi zurück zu haben.

Neuer Aufbau der Aldi-Filiale

Doch die verkleinerte Fläche verändert auch den Aufbau der Filiale. Die Regale sind enger befüllt und die Produkte stehen nicht dort, wo man sie erwartet."Wir haben hier gezaubert, um möglichst viel unterzubekommen und jeden Quadratmeter effektiv zu nutzen", sagt Kimmel der "Lebensmittelzeitung". Die Notlösung in Bockenheim will Aldi zwar nicht als Strategieschwenk verstanden wissen. Doch das Konzept könnte Schule machen. "Wenn Immobilienentwickler mit kleineren Flächen auf uns zukommen, verschließen wir uns dem nicht grundsätzlich. Wir sehen bei uns in der Region Potenzial für den ein oder anderen Standort in dieser Machart", sagt Kimmel der "Lebensmittelzeitung". "Mit dieser Filiale haben wir unsere Möglichkeiten erweitert."

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kg