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Discounter im Wandel: Aldi eröffnet erstes Bistro - das steckt hinter dem Plan

Aldi Süd geht neue Wege: In Köln eröffnet der Discounter Ende April ein Bistro. Dort bekommen Gäste Mittagsmenüs vorgesetzt, die ausschließlich aus Aldi-Produkten zubereitet werden. Aber was steckt hinter diesem Plan?

Das Aldi-Bistro soll Platz für 50 Gäste bieten

Das Aldi-Bistro soll Platz für 50 Gäste bieten

Dem umgebauten Schiffscontainer wurden große Glasfronten verpasst, die langen Tische und Hocker sind schlicht, auf den Tischen stehen Kräutertöpfe: Was in dem 3D-Entwurf an ein neues Franchise-Restaurant á la Vapiano erinnert, ist der neueste Streich des Discounters Aldi Süd. Denn der Billigheimer will Kunden locken - und eröffnet dafür in Köln ein Bistro, in dem ausschließlich Aldi-Produkte zubereitet werden. Hinter der Neueröffnung verbirgt sich ganz klar eine Strategie.

Deutschlands Discounter wandeln sich. Vorbei sind die Zeiten, in denen Kunden lediglich Grundnahrungsmittel von Europaletten einkauften. Aldi, Lidl und Co. müssen längst mehr bieten, um Kunden in die Filialen zu holen. So tüfteln die Günstig-Märkte an neuen Filialkonzepten mit luftigeren Gängen und Kaffee-Stationen, damit Kunden Lust bekommen, beim Discounter einzukaufen. Denn der Wettbewerb mit Edeka, Rewe und Co. ist gnadenlos. 

Aldi eröffnet Bistro in Köln

Aldi Süd will ab 26. April für drei Monate ein Bistro am Kölner Mediapark eröffnen. Danach soll das Bistro in anderen deutschen Städten aufgestellt werden. Täglich bekommen Kunden dort ein Drei-Gänge-Menü als Mittagstisch angeboten. "Für die Kreation der Menüs wird der TV- und Streetfood-Koch Robert Marx verantwortlich sein", so Aldi Süd in der Ankündigung. Gekocht wird mit Produkten aus den Aldi-Regalen. So gibt es beispielsweise vorweg eine beschwipste Tomaten-Basilikum-Suppe. Als Hauptgang können die Kunden wählen zwischen Gnocchi in Parmesansauce mit Hühnchen und Rucola, Fischpfanne Provencale mit Paprikagemüse, Spaghetti mit Rucolacreme und Cherrytomaten. Als Dessert gibt es Limetten-Basilikum Panna Cotta, so eine Aldi-Süd-Sprecherin zum stern. Das Drei-Gänge-Menü kostet 7,99 Euro. "Dazu bieten wir Softgetränke, Kaffee sowie je einen Rot- und Weißwein an." 50 Gäste finden in dem Bistro Platz. Aber warum macht der Discounter das?

Aldi Süd plant ein Bistro in Köln

So soll das Bistro von Aldi Süd aussehen


Aldis Kampf um jüngere Kunden

Schon seit dem vergangenen Jahr arbeitet Aldi Süd an einem neuen Image. Ein Blog im Netz soll Kunden einen Blick hinter die Kulissen des Discounters ermöglichen. Kürzlich eröffnete Aldi Süd einen Win-Pop-up-Store, in dem hauseigene Tröpfchen ausgeschenkt wurden. Nun kommt das Bistro. "Das ist eine richtig gute Idee von Aldi", findet Martin Fassnacht, Handelsexperte von der Wirtschaftshochschule WHU. "Das Bistro ist innenstadtnah und serviert Aldi-Produkte. So dringt der Discounter ins Bewusstsein der Menschen."


Der Discounter selbst will mit dem Bistro in zwei Bereichen punkten: Frische Lebensmittel und Qualität - natürlich zum Discounterpreis. Hier will Aldi Süd aufholen. Denn bislang spricht der Discounter eher ältere Kunden an. Aldi Süd hat Nachholbedarf: Jüngere Kunden sind kaufkräftig, erwarten aber auch viel. Nur billig allein reicht da nicht mehr. Dass diese Kundengruppe für Aldi besonders interessant ist, zeigte auch der gemeinsame Werbespot mit dem Bruderunternehmen Aldi Nord: Der Clip setzte thematisch auf Familien und Kinder, ausgestrahlt wurde er im Fernsehen - und wurde im Netz diskutiert. "Mit dem Aldi Bistro, welches einem Foodtruck-Konzept ähnelt, wird besonders die junge Zielgruppe angesprochen. Hier gibt es für Aldi noch Marktanteile zu gewinnen", so Fassnacht. Aldi Süd selbst bestätigt die Einschätzung des Experten. Man habe den Standort des Bistros so gewählt, da dieser "insbesondere die junge Zielgruppe anzieht", lässt Aldi Süd den stern wissen.

 

Pop-up-Bistro als Marketing-Instrument

Klar ist, dass Aldi nicht im großen Stil ins Gastronomie-Business einsteigt. Die temporären Läden sollen "die Loyalität der Kunden zur Marke Aldi stärken", wie die Aldi-Süd-Marketing-Direktorin Sandra Sibylle Schoof der "DPA" verrät. "Das Aldi Bistro ist Teil eines Pop-up-Konzepts, so dass wir nicht planen, dauerhaft Bistros in Deutschland zu etablieren", bestätigt Aldi Süd gegenüber dem stern. Martin Fassnacht kennt diese Strategie: "Das ist der älteste Trick im Marketing: 'Mach dich rar'. Deshalb ist ein Pop-up-Store auch eine gute Idee, weil er nicht dauerhaft ist."

Dennoch: Dass die Discounter mit temporären Läden den Supermarktketten gefährlich werden könnten, ist unwahrscheinlich. Zwar listen Aldi, Lidl und Co. zunehmend Markenprodukte und verbessern den Service. Doch an Rewe oder Edeka reichen sie doch nicht heran. "Discounter bleibt Discounter. Auch wenn die Läden schöner geworden sind und sich die Anforderungen der Kunden erhöht haben", meint Fassnacht. Supermärkte hätten ein deutlich größeres Sortiment und würden viel stärker auf Kundenservice setzen. Dafür seien Discounter eben einfacher und effizient - ganz so, wie das Bistro.

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