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Essen beim Discounter: Satt für 7,99 Euro - ein Besuch im Aldi-Bistro

In Köln hat Aldi-Süd das erste Bistro eröffnet. stern-Reporter Rolf-Herbert Peters, bekennender Aldi-Stammkunde, hat probiert, wie die Discounter-Produkte schmecken, wenn ein Szenekoch sie zusammenrührt. 

Aldi Süd hat in Köln ein Bistro eröffnet

Aldi Süd hat in Köln ein Bistro eröffnet

Auf ein Kind der Generation Aldi wirkt das Restaurant, als würde man einen Sündenpfuhl betreten. Diese feine Lage, mitten im Kölner Hipster-Viertel Mediapark, mit Blick auf den See! Die Tische in Holzoptik, geschmückt mit verschwenderischen Bouquets aus Petersilie, Schnittlauch und Basilikum! An der Wand ein edler Kühlschrank aus gebürstetem Edelstahl. Und überall fließt kostenlos Champagner aus eigenem Haus, Veuve Monsigny, 12,99 Euro die Flasche. An diesem 28. April eröffnet Aldi-Süd feierlich sein weltweit erstes Bistro.. Die Presse ist gekommen, Geschäftskunden, Promis. So viel Emotion, so viel Aufwand, so viele Gäste, so hohe Kosten: Man kann spüren, wie Karl Albrecht, der sparwütige Aldi-Süd-Urvater, aus den dicken Wolken über der Domstadt seine Zornesblitze abfeuert.

Aldi verliert Kultcharakter

Aldi will sich neu erfinden. Muss sich neu erfinden. Es verliert allmählich seinen Kultcharakter. Die jungen Leute unter 40 Jahren, die nicht mehr mit Aldis Pichelsteiner Eintopf sozialisiert wurden, gehen lieber in die schicken Rewe- und Edeka-Supermärkte als zu dem Paletten-Discounter. Deshalb sollen sie sich im Bistro neu in die Marke Aldi verlieben. Hier gibt es täglich das "Menü des Tages" für 7,99 Euro. Komponiert hat es Szenekoch Robert Marx, der das "Roberts" in Wuppertal führt. Marx, 54, sieht aus wie ein vollbärtiger Alt-Rocker mit anrasiertem Haupthaar, den man in einen edlen Anzug mit weißem Hemd und blauer Fliege gezwängt hat. Als Zutaten verwendet er ausschließlich Produkte aus dem Haussortiment, Ehrensache. Als Vorspeise gibt es "Beschwipste Tomatensuppe". Als Hauptspeise wird wahlweise eine "Fischpanne Provencale mit Paprikagemüse" serviert, "Gnocchi in Parmesancreme mit Hühnchen und Rucola" oder vegetarisch – Spaghetti mit Rucolareme und Cherrytomaten". Und zum Nachtisch: "Limetten-Basilikum Pannacotta". Und dazu wird gleich ein Rezeptbuch für die Gerichte ausgehändigt: "Einfach selber kochen" heißt es. Die Botschaft: Ab in den nächsten Aldi.


Da das 90-Quadratmeter-Bistro für die Eröffnungssause zu klein ist, haben die Aldi-Süd-Manager ein Zelt angebaut und lassen Fingerfood servieren. Uniformierte Kellerinnen tragen Teller und hippe Einkochgläser herum, gefüllt mit Häppchen aus der Aldi-Küche. Ab und zu werden auch prall gefüllte Pommes-Tüten verteilt, Kim Tomaten-Ketchup und Kim Mayonnaise obenauf. Ob Rösti oder die Garnelen der Aldi-Eigenmarke "Bio" auf Nudelberg: Alles schmeckt lecker, bodenständig, sättigend. Und irgendwie bekannt, wenn man privat oft mit Aldi-Produkten kocht. Ab und zu meldet sich allerdings ein Gewürz auf der Zunge, dass es bei Aldi nicht oder selten zu kaufen gibt: zum Beispiel Koriander.


Aldi Süd plant kein dauerhaftes Bistro

Vor dem Bistro wird nicht nur Expressi-Kaffee ausgeschenkt, es gibt auch Crepes aus Bio-Weizenmehl. Wahlweise bekommt man sie mit Grandessa-Marmelade oder Nutoka-Schokocreme – nein, es ist doch Nutella, wie man bei genauem Hinsehen und vor allem beim Schmecken feststellt. Aber auch das Original hat ja Aldi mittlerweile im Sortiment.
Drei Monate, dann soll das Kölner Aldi-Bistro, das aus Schiffscontainern besteht, in die nächste Stadt weiterziehen. In welche, verrät Marketing-Chefin Sandra-Sibylle Schoofs nicht. Wird es dauerhaft Aldi-Bistros geben? "Aktuell", sagt sie, sei es nicht das Ziel. Also heißt bald wieder: selbermachen. Schließlich gibt es ja die Webseite www.aldi-sued.de/de/rezepte/.

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