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Allianz: Gewinne rauf, Mitarbeiter raus

Der Versicherungsriese Allianz erwartet einen neuen Rekordgewinn für dieses Jahr. Dennoch will das Unternehmen am geplanten Stellenabbau festhalten. Die Gewerkschaft fordert ein Eingreifen der Politik.

Deutschlands größter Versicherungskonzern Allianz rechnet im Jahr 2006 mit deutlich mehr Gewinn, hält aber am geplanten Stellenabbau fest. Der Überschuss werde auf den Rekordwert von 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro steigen, das operative Ergebnis auf über 9 Milliarden Euro, kündigte der Konzernvorstand am Freitag in München an und korrigierte damit die Jahresprognose nach oben.

Allianz-Chef Michael Diekmann sagte, die Projekte zum Konzernumbau würden "konsequent und systematisch abgearbeitet". Dabei fallen 7.500 Jobs in Deutschland weg. Bisher hatte die Allianz mit einem Jahresgewinn von 4,9 Milliarden Euro gerechnet. 2005 fuhr der Versicherungsriese einen Rekordgewinn von 4,4 Milliarden Euro ein und ein operatives Ergebnis von 7,7 Milliarden Euro.

In die Kritik geriet der Konzern, als er Mitte Juni ankündigte, 5.000 Stellen bei der Allianz und 2.500 bei der Tochter Dresdner Bank zu streichen, weil die bisher eigenständig arbeitenden Sach-, Lebens- und Krankenversicherungen gebündelt werden. "Unerträgliche soziale Verantwortungslosigkeit", warf Verdi-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong Allianz-Chef Diekmann nach der Erhöhung der Jahresprognose vor. Während die Gewinne der Allianz von Rekord zu Rekord eilten, sollten Tausenden von Menschen die Existenzgrundlage entzogen werden. Foullong kündigte weitere Streiks und Protestaktionen an.

Die Börse freut sich

Die Börse belohnte dagegen die überraschend guten Quartalszahlen und die höhere Prognose. Die Allianz-Aktie war der Gewinner im DAX und kletterte bis zum frühen Nachmittag um fast 3 Prozent auf über 126,80 Euro. Die Kosten für die Restrukturierung verrechnete der Konzern bereits im zweiten Quartal 2006. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Gewinn unterm Strich auf 2,3 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr summierte sich der Überschuss auf 4,1 Milliarden Euro, fast so viel wie im Gesamtjahr 2005.

Das operative Ergebnis kletterte von April bis Ende Juni um ein Fünftel auf 2,8 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg auf 24,1 Milliarden Euro. Zu den jüngsten Verbesserungen trugen den Angaben zufolge alle operativen Segmente bei. In der Schaden- und Unfallversicherung belief sich die Schaden-Kosten-Quote auf 91,9 Prozent, das heißt pro 100 Euro Prämieneinnahmen fielen Kosten von 91,90 Euro an. Der Bereich Lebensversicherung verzeichnete trotz eines leichten Umsatzrückgangs ein zweistelliges Wachstum beim operativen Ergebnis. Bei der Dresdner Bank entwickelten sich Umsatz und Ergebnis positiv.

Verdi fordert Eingreifen der Politik

Diekmann sagte, die gute Geschäftsentwicklung sei "Resultat eines tief greifenden Veränderungsprozesses". Die Neuordnung des Versicherungsgeschäfts verbessere Kundenservice, Produkt- und Beratungsqualität. Zum Stellenabbau sagte der Vorstandschef: "Durch unseren Verzicht auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen haben die Mitarbeiter bis Ende 2007, also anderthalb Jahre, Zeit, sich auf die Veränderungen einzustellen." Gewerkschafter Foullong forderte dagegen ein Eingreifen der Politik. "Angesichts des schamlosen Vorgehens der Allianz gegen die Arbeitnehmer ist ein gesetzliches Kündigungsverbot für Unternehmen mit hohen Gewinnen angebracht."

AP / AP