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Alternative für Landwirte: Wald statt Acker

Der "Holzweg" wird für Deutschlands Bauern verstärkt eine Alternative, um Geld zu verdienen. Statt Weizen und Raps bauen viele Landwirte jetzt Bäume auf ihren Ackern an. In Zeiten steigender Ölpreise heißt das Zauberwort "Energiewald".

Statt Weizen und Raps haben bei Deutschlands Bauern jetzt Bäume Konjunktur. Damit wird der "Holzweg" für viele Landwirte immer mehr zu einer Alternative, um Geld zu verdienen. "Energiewald" heißt das Zauberwort auch im waldarmen Schleswig- Holstein. "Hier werden in diesem Frühjahr erstmals 150 Hektar Weiden und Felder mit Forstpflanzen bestellt", weiß der Sprecher der Landwirtschaftskammer in Kiel, Manfred Christiansen. Wälder gehören weltweit neben der Wasserkraft zu den am längsten genutzten Energielieferanten. Erst im 19 Jahrhundert liefen die Steinkohle und andere fossile Brennstoffe dem Holz den Rang ab. Seit Öl- und Gaspreise in Schwindel erregende Höhen gestiegen sind, setzten Experten auch wieder auf Holz. So genannte Energiewälder sollen den Rohstoff in ausreichender Menge liefern. Der Wald ist ein nachwachsender Primärenergieträger und gilt weltweit als ein völlig neues Energiesystem, das unter anderem von der Europäischen Union gefördert wird. Experten gehen davon aus, dass rund zehn Prozent des Strombedarfs in ländlichen Gebieten auf diese Weise gedeckt werden könnten.

Holzschnitzel statt Heizöl

Landwirt Dirk Albrecht aus Reußenköge (Kreis Nordfriesland) ist schon seit neun Jahren Energie-Bauer. Gemeinsam mit fünf seiner Nachbarn pflanzt er seit 1996 auf seinen Äckern Bäume. Mit einem modifizierten Maishäcksler erntet er drei Jahre später die bis zu fünf Meter hohen Pflanzen. Rund 300 Kubikmeter Holzschnitzel fährt er pro Hektar ein. Zunächst hatte es Albrecht mit Pappeln versucht. "Die lassen sich viel schwerer ernten und wachsen nicht so gleichmäßig wie Weiden." Seitdem baut er gemeinsam mit seinen Nachbarn auf sechs Hektar nur noch Weidenschößlinge an.

Die Ergebnisse seiner Feldversuche stehen allerdings im Gegensatz zu Untersuchungen der Technischen Universität Cottbus: "Ideal ist nicht die Monokultur, sondern eine Mischung aus Pappeln, Robinien und Weiden, die in Reihen angepflanzt werden. Dazwischen, in Streifen von 18 Metern Breite, werden Luzerne, Roggen und Hanf angebaut. Diese Pflanzen reichern den Boden mit Nährstoffen an", hieß es von Forstwissenschaftlern aus Cottbus.

Billiger Brennstoff

Nach der Ernte werden die Stämme zerhäckselt und getrocknet. Die Holzschnitzel liefern dann ähnlich viel Energie wie Braunkohle und können direkt in kleinen Heizkraftwerken verbrannt werden. Oder sie werden zu so genannten Pellets gepresst: Das sind zylindrische Stäbchen mit einem Durchmesser von 6 und einer Länge von 10 bis 25 Millimetern. Mit ihrer glatten Oberfläche "fließen" sie wie Öl vom Lagerraum automatisch in die spezielle Holz-Zentralheizung eines Einfamilienhauses. Zwei Kilogramm Pellets haben dabei den Heizwert von etwa einem Liter Öl, sind jedoch entschieden preiswerter als die fossilen Brennstoffe: Nach Angaben der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein kosten Holzpellets ungefähr 3,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh), Heizöl und Ergas sind mit 4 und 5 Cent je kWh teurer.

Wolfgang Runge/DPA/DPA
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