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Metal-Festival Uwe Trede ist tot: Der Mann, der dem Wacken Open Air seine Heimat gab

Bauer Uwe Trede, der jahrelang sein Gelände für das Wacken Open Air Festival vermiete, im August 2009.
Bauer Uwe Trede, der jahrelang sein Gelände für das Wacken Open Air Festival vermiete, im August 2009.
© Friso Gentsch/ / Picture Alliance
Uwe Trede war Bauer im schleswig-holsteinischen Dorf Wacken. Er vermietete 1990 seinen Acker an die Festivalgründer und prägte so eine deutsche Erfolgsgeschichte. Nun ist er gestorben.

Wenn Uwe Trede auf seinem Traktor durch die Hauptstraße in Wacken knatterte, johlte die Menge am Straßenrand. Die Menschen blickten ihn freudestrahlend an, wie es sonst wohl nur noch den Royals vergönnt ist. Gewissermaßen war er auch ein König, jedenfalls für wenige Tage im Jahr: Drei Jahrzehnte lang verpachtete Uwe Trede sein Land an die Veranstalter des Wacken Open Air. Auf seinem Acker stand die Hauptbühne des weltberühmten Festivals, hier spielten Iron Maiden, Deep Purple, Rammstein, Ozzy Osbourne. Nun ist Bauer Uwe, wie er von der Metalszene liebevoll genannt wurde, mit 80 Jahren gestorben.

Vom Dorffest zum Mekka des Metals

Die Geschichte des Wacken Open Air beginnt 1990 als harmlose Gartenparty. Der Jugend im gleichnamigen Dorf in der Nähe des Nord-Ostsee-Kanals wurde es zu langweilig, und weil nichts passierte, nahmen sie die Dinge selbst in die Hand. Thomas Jensen organisiert gemeinsam mit seinem DJ-Freund Holger Hübner ein Open-Air-Festival. Am 24. und 25. August 1990 spielen sechs Bands - darunter "Skyline", in der Jensen selbst Bassist war - vor rund 800 Zuschauern auf einer Kuhwiese in Wacken. Es ist der Beginn eines deutschen Mythos, der international bekannt werden sollte.

Bauer Uwe Trede stellt die Fläche in den Anfangsjahren kostenlos zur Verfügung. "Ich hatte die Fläche, und die Jungs haben beim Heumachen geholfen. Also hab ich nichts dafür genommen", sagte er später im Rückblick dem "Agrarmagazin". Das Festival wurde schnell größer. Ein Jahr später waren es schon 1300 Gäste. "Die Koppel wurde zu klein. Da hab ich gesagt: Ich steig mit ein, ich besorge euch mehr Fläche." Seine Motivation war nicht das Geld, doch ab dem Jahr 1993 verpachtet Uwe Trede seinen Acker. "Wenn man sieht, dass es eine Möglichkeit gibt, Geld zu verdienen, muss man dabei sein. Geld regiert die Welt", sagte er pragmatisch in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

Geschäftstüchtig war er schon immer. Trede, geboren 1940, übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters und erkannte schnell, dass er nicht dem Strom hinterherschwimmen, sondern eigene Nischen besetzen musste, um erfolgreich zu sein. Er setzte früh den Schwerpunkt auf Milchkühe und bewies mit dem Festival den richtigen Riecher. "Man muss immer der Erste sein", sagte er einmal gegenüber dem Sender Arte, als er über eine neue Biogasanlage sprach, die sein Sohn Sönke Trede nach der Hofübernahme bauen ließ. "Man muss dem Geld nicht hinterherlaufen, sondern ihm entgegenlaufen.

Er liebte Skat und das Rauchen

Uwe Trede verpachtete nicht nur den Acker, sondern war auch Chef der eigenen Biertheke "Bei uns Uwe", einem beliebten Festivaltreffpunkt. Dass er zum heimlichen Star des Wacken Open Air wurde, verdankt er auch dem Dokumentarfilm "Full Metal Village" der koreanischen Regisseurin Cho Sung-hyung, welcher 2005 und 2006 gedreht wurde. Im Mittelpunkt des Films stehen nicht die Festivalbesucher, sondern die Einwohner des kleinen Ortes, der jährlich zum Mekka der Metal-Szene wird.

Trede ist eine der Hauptfiguren des Films, in tiefstem Plattdeutsch spricht er darin über das Dorfleben und philosophiert humorvoll über die Liebe. Auf die Frage, wie es so sei, so lange wie er verheiratet zu sein, entgegnete er trocken: "Na, wie soll das sein? Ist immer noch gut. Man muss natürlich 'ne Freundin nebenbei haben, wenn man so lange verheiratet ist, nech? Ein, oder zwei, nech." Dazu rauchte er in gefühlt jeder Szene eine Zigarette. Drei Schachteln am Tag sollen es mit 70 Jahren gewesen sein, sagte er einmal. In dem Alter könne man sich nicht mehr totrauchen, sagte er, "da stirbt man sowieso irgendwann."

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Der Film wurde ein Hit, und Bauer Uwe von allen erkannt. Fortan musste er ständig Autogramme geben, auch schonmal direkt mit Filzstift aufs Damendekolletee. Aber er genoss die Aufmerksamkeit, zog die Blicke etwa mit einem Trabbi Cabriolet, Baujahr 1975, auf sich, mit dem er über die Koppeln und das Festivalgelände düste. Abseits des Festivals engagierte er sich jahrzehntelang in der örtlichen Feuerwehr, zudem liebte er das Skatspielen."

Das Vermächtnis des Bauer Uwe

Obwohl er ein Urgestein des Festivals war und nur wenige Hundert Meter von der Bühne entlang lebte, konnte er mit der Musik, die dort gespielt wurde, wenig anfangen. 2010 sagte er in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau": "Ich kann mir die ganzen Bandnamen nicht merken, außer Iron Maiden vielleicht. Ich erkenne nicht, wer da gerade spielt, oder welche Band besser oder schlechter ist. Ich bin Bauer. Ich habe mit Musik nichts zu tun."

Erster "Wacken Metal Academy"-Jahrgang startet

Nun ist Uwe Trede gestorben. "In tiefer Trauer nehme ich Abschied von einem besonderen Menschen…. Uwe, der Wacken Bauer, unser Freund ist friedlich für immer eingeschlafen“, schreibt Festival-Gründer Thomas Jensen auf Facebook. "Uwe, niemals wirst du ganz gehen – in unseren Herzen wirst du immer einen Platz haben und dadurch weiterleben. Während unserer jahrzehntelangen, engen Zusammenarbeit warst du immer ein unersetzlicher und treuer Freund und Ratgeber."

Das vergangene Jahr dürfte zu Tredes ruhigsten gehört haben, denn das Wacken Open Air fiel aufgrund der Corona-Pandemie aus. Ob es dieses Jahr stattfindet, ist unklar. Doch wenn es wieder soweit ist, bleibt Trede ein Teil des Festivals. Die Straßen des Campgrounds sind nach berühmten Ikonen des Metals benannt. Es gibt die Grave Digger Gasse, die Sodom Street, den Stairway to Heaven und die Onkel Tom Lane. Doch jeden Tag werden Tausende Menschen über Bauer Uwes Heimweg laufen. Er führt, vorbei am gelben Duschcamp, direkt zu den Bühnen.

Quellen:Frankfurter Rundschau, Agrarzeitung, Arte

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