HOME

Festival-Doku im NDR: 600 Tonnen Müll und eine Bier-Pipeline - Hinter den Kulissen des Wacken Open Air

Hitze, Staub und Schweiß - das war das Wacken Open Air 2018. Der NDR hat in einer Dokumentation hinter die Kulissen von Deutschlands größtem Metal-Festival geblickt. Ein Rundgang zwischen einer Bier-Pipeline und 600 Tonnen Müll.

Die Bühnen sind das Herz des Wacken Open Air. Der Aufbau dauert knapp eine Woche.

Die Bühnen sind das Herz des Wacken Open Air. Der Aufbau dauert knapp eine Woche.

Es war in diesem Jahr ein ungewohntes Bild auf Deutschlands wohl berühmtesten Acker: In den Vorjahren versank man bis zum Knöchel im Schlamm, in diesem Jahr herrschten dagegen dürreähnliche Zustände. Hitze, Staub und Schweiß - das war das Wacken Open Air 2018. Der NDR hat in der Doku "Wie geht das? Der Wacken-Wahnsinn" in diesem Jahr hinter die Kulissen des Mega-Festivals (75.000 Besucher) geblickt, das für eine Woche zur viertgrößten Stadt Schleswig-Holsteins wurde.

Die Wacken-Bühne misst 132 Meter

In der Doku konzentrieren sich die Macher nicht auf die üblichen Themen wie die Blaskapelle oder das Dorf, sondern auf die Menschen, die abseits des Trubels das Festival am Laufen halten. Und schnell wird klar: Der Aufwand für Logistiker und Sicherheitsleute, Bühnenbauer und Lichttechniker, Notambulanz und Catering ist riesengroß. 900 Sanitäter sind auf dem Wacken Open Air rund um die Uhr im Einsatz, dazu 300 Polizisten.

Allein der Aufbau der gigantischen Doppelbühne, quasi das Herz des Festivals, beschäftigt ein ganzes Team eine Woche lang. 1100 Tonnen Material werden dafür nach Wacken bewegt, am Ende misst die Bühnenkonstruktion 132 Meter in der Länge, 37 Meter in der Breite und 28 Meter in der Höhe. Die benötigte Stromleistung während des Festivals liegt der -Doku zufolge bei 12 Megawatt. Das entspricht dem Bedarf einer Kreisstadt mit 70.000 Einwohnern. Dafür wummern die Generatoren im Hintergrund rund um die Uhr.

Ein Festival mit knapp 100.000 Menschen stellt auch höchste Ansprüche an die Infrastruktur: Zehn Kilometer Wege werden aus Platten gelegt, 1050 mobile Toiletten aufgestellt. Bei Temperaturen bis zu 39 Grad ist der Andrang auf die 448 Duscheinheiten und 420 Waschplätze erwartbar groß.

Bier-Pipeline sorgt für volle Becher

Auch wenn man als Besucher nicht viel davon mitbekommt: Insgesamt arbeiten 5000 Menschen daran, dass das Mega-Event ohne Störungen stattfindet. 70 davon sorgen allein dafür, das im Biergarten (500 Plätze) in der Nähe der Hauptbühnen niemand auf dem Trockenen sitzt. Und das Wacken-Publikum ist traditionell durstig: Allein im Biergarten werden 5000 Liter am Tag ausgeschenkt - die anderen Verkaufsstände auf dem Festivalgelände sind hier noch gar nicht eingerechnet.

Im vergangenen Jahr verlegten die Organisatoren auf dem Gelände deshalb eine sogenannte Bier- . Dabei handelt es sich um sieben Kilometer Leerrohre mit einem Durchmesser von bis zu 35 Zentimeter. Von einem Tanker mit einem Volumen von 24.000 Liter wird das Bier über Schläuche direkt zu den Verkaufszelten gepumpt. In der Schnellzapfanlage am Biergarten können dann theoretisch bis zu 24 Bier in 30 Sekunden gezapft werden. Doch selbst mit so viel High-Tech bleiben die Schlangen lang.

Ein Acker voller Müll

Nach vier Tagen Dauer-Party reisen die Besucher wieder ab. Allerdings wird nicht alles wieder im Kofferraum verstaut, was auf das Gelände mitgeschleppt wurde: 600 Tonnen Müll bleiben am Ende auf der 330 Fußballfelder messenden Fläche zurück. Dabei handelt es sich nicht nur um stehen gelassene Pavillons und alte Schlafsäcke, sondern ganze Couchgarnituren und Sessel. Weil auf dem Acker anschließend wieder unbeschwert Kühe grasen sollen, muss ein Aufräumtrupp in mühevoller Handarbeit die ehemalige Zeltstadt vom Abfall befreien.

Die vollständige Dokumentation "Wie geht das? Der Wacken-Wahnsinn" läuft heute um 18.15 Uhr im NDR. Alternativ kann der Beitrag auch hier in der Mediathek des Senders angesehen werden.