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Angriff auf Dawanda: Jetzt schluckt Amazon auch noch das Geschäft für handgemachte Waren

Traditionalisten müssen jetzt stark sein: Amazon startet seine "Handmade"-Plattform in Deutschland und vier anderen europäischen Ländern. Mehr als 30.000 handgefertigte Produkte gibt es seit heute beim Onlineriesen zu kaufen. Das Kunsthandwerk wird amazonisiert.

Amazon Handmade

Screenshot der deutschen Amazon-Handmade-Seite

Das Onlinekaufhaus Amazon gilt vielen Verbrauchern als der Inbegriff des seelenlosen Kommerzes. Hier bekommt man Massenware mit wenigen Klicks, ohne auch nur ein Wort mit einem anderen Menschen wechseln zu müssen. Liebhaber handgemachter Waren stöbern lieber durch kleine, schnuckelige Läden, in denen mit Liebe gefertigte Produkte verkauft werden, als von der Couch aus kartonweise Amazon-Ware zu ordern.

Nun aber macht sich Amazon daran, auch die Welt des liebevoll Handgemachten für sich zu vereinnahmen. In Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien startete am Donnerstag Amazons neue Abteilung "Handmade", in der mehr als 1000 Kunsthandwerker zum Start rund 30.000 Produkte anbieten.

Vom Ohrring bis zum Kissen 

Das Angebot reicht von exotischen Ohrringen über handbestickte Kissen bis hin zu Federmäppchen und Handtaschen. Die Produkte stammen laut Amazon aus mehr als 40 Ländern. Auf viele kann man sich sogar seinen Wunschnamen eingravieren oder nähen lassen.

"Kunsthandwerker können ab sofort von Millionen Amazon-Kunden entdeckt werden und ihr Geschäft im Internet ausbauen. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, sich auf das zu konzentrieren, was sie am besten können – einzigartige und handgefertigte Produkte entwickeln", sagt Markus Schöberl, bei Amazon verantwortlich für die deutsche Handmade-Sektion. In den USA ist Handmade schon im vergangenen Herbst erfolgreich gestartet.

Amazon greift Dawanda und Etsy an

Der Start von "Handmade at Amazon" in Europa ist nicht nur ein schwerer Schlag für alle Traditionalisten, die lieber über Kunsthandwerkermärkte ziehen als online einzukaufen. Es ist vor allem ein Frontalangriff auf Portale wie Dawanda und Etsy, die bisher den Onlinehandel mit Selbstgemachtem in Deutschland dominieren. Etsy wurde 2005 in den USA gegründet und hat nach eigenen Angaben weltweit 25 Millionen Mitglieder. 2010 kam das Angebot nach Deutschland, Marktführer ist hier aber der deutsche Etsy-Klon Dawanda.

Um die Fans von Handgemachten von der Konkurrenz herüberzulocken, animiert Amazon seine Handmade-Anbieter sich mit einem persönlichen Profil auf der Amazon-Seite zu präsentieren. Die Kunsthandwerker können etwas über ihre Arbeit und den Herstellungsprozess schreiben. Manche laden Bilder von Nähecken, Lederwerkstätten oder Fotoateliers hoch.

Für die Kunsthandwerker ist Amazon Handmade eine Chance, ihre Produkte einem riesigen Publikum zu präsentieren. Im Gegenzug hält der Onlineriese, wie beim Amazon Marketplace erfolgreich erprobt, die Hand auf. Zwölf Prozent Verkaufsprovision müssen die Kunsthandwerker pro Artikel abdrücken - und damit deutlich mehr als bei der Konkurrenz: Bei Etsy sind es nur 3,5 Prozent und bei Dawanda rund 5 Prozent.

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