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Unprofitable Produkte: Warum Amazon Artikel aus dem Sortiment schmeißt - und Hersteller unter Druck setzt

Amazon räumt unprofitable Produkte aus den Regalen. Das trifft auch die Hersteller, die ihre Produkte gerne weiterhin über den Onlinehändler verkaufen wollen. Dahinter steckt ein klarer Plan von Amazon.

Amazon Lager in Texas, USA

Ein Amazon-Center in Texas, USA. Der Onlineriese nimmt unrentable Produkte aus den Regalen.

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Im Grunde bekommt man alles bei Amazon, entweder direkt bei dem Onlineriesen selbst oder bei einem Händler über die Plattform. Sperrige Möbel, frisches Obst, Spielzeug, Spirituosen, Zahnbürstenköpfe - das Sortiment wurde immer weiter ausgeweitet. Doch nicht alle Dinge lassen sich gleich gut verkaufen. Im Heimatland von Amazon haben diese Produkte einen eigenen Begriff: "CRaP", kurz für "Can't realize a Profit", also "Kann keinen Gewinn erzielen". Also nichts anderes als Ladenhüter. Laut dem "Wall Street Journal" handelt es sich um Ware, die meist nicht mehr als 15 Dollar (oder sogar weniger) kostet und direkt von Amazon versendet wird - oder um Produkte, die groß und sperrig sind und somit teuer und aufwendig beim Versand. Das Ergebnis: Es bleibt wenig Geld bei Amazon hängen. Genau das will der Handelskonzern ändern.

So konnten US-Kunden lange per Dash-Button (ein kleiner, mechanischer Knopf, über den Kunden Verbrauchsgüter wie Waschmittel bei Amazon nachordern konnten) Wasser von Coca Cola im Sechser-Pack kaufen. 6,99 Dollar kostet das. Doch offenbar war dieses kleine Gebinde nicht wirklich profitabel. Seit August bekommen Kunden diese Lieferung nur noch im 24-Flaschen-Pack für 37,20 Dollar. Damit zahlen Kunden statt 1,17 Dollar nun 1,55 Dollar pro Flasche - und die Lieferung stammt nun von Coca Cola direkt. Und nicht mehr aus einem Amazon Lager.

Händler müssen teure Logistik übernehmen

Ein cleverer Schachzug des Onlineriesen: Das Produkt bleibt im Handel, die Marge wird erhöht und Coca Cola kann sich künftig mit der Lieferung abmühen. Coca Cola wolle gemeinsam mit den Partner-Unternehmen lernen und das Angebot ständig weiter ausbauen, zitiert das "Wall Street Journal" das Unternehmen. Was nach einem Lernprozess klingt, ist zunächst nur eines: Ein teurer Schritt für Coca Cola. 

Denn Amazon wälzt die teure Lieferung an die Hersteller ab. Die sind wiederum abhängig von Amazon, schließlich ist die Plattform zu groß und zu wichtig, um nicht dabei zu sein, sagen Berater, die mit den Firmen an Online-Strategien arbeiten, zum "WSJ". 

Für Amazon hat diese Taktik gleich mehrere Vorteile: Zum einen spart sich der Konzern die teure Lagerhaltung für diese Produkte und somit die Logistikkosten. Amazon bekommt für diese Verkäufe eine satte Provision, ohne die aufwendigen Prozesse selbst abspulen zu müssen. Auf der anderen Seite bleiben die virtuellen Regale prall gefüllt - und locken somit Kunden.

Amazon ist auf Gewinn-Kurs

Seit Jahren bastelt Amazon an höheren Margen und somit an höheren Gewinnen. Die radikale Wachstumsstrategie zulasten des Gewinns ist vorbei. Die Gewinne steigen, der Aktiekurs klettert in den vergangenen Jahren stetig - auch zulasten anderer Händler, die nun mit kleineren Margen leben müssen.

Doch von Herstellern und Händlern kommen nicht nur kritische Stimmen. Einige glauben, dass diese veränderte Verkaufsstrategie beiden Seiten helfen kann. Eine dieser Firmen ist Unilever, die nach Gesprächen mit Amazon ihre Produktgrößen und Verpackungen angepasst haben. "Wir wollen sicherstellen, dass das, was wir verkaufen, Profit abwirft, und wir nicht nur die Taschen von Amazon voll machen", sagt Joey Bergstein, Chef der Unilever-Haushaltssparte Seventh Generation. Sein Unternehmen hat reagiert: Statt einem Dreierpack an Geschirrspülmittel zu verkaufen, gibt es jetzt einen Sechser-Pack. Und die Babyfeuchttücher werden in größeren Verpackungen geliefert. Statt schweres Waschmittel anzubieten, setzt der Konzern auf Waschkapseln. Und Papierhandtücher wurden völlig aus dem auf Amazon angebotenen Sortiment gestrichen. 

Der Trend aus den USA lässt sich aber nicht uneingeschränkt auf Deutschland übertragen. Wie die "Lebensmittelzeitung" berichtet, haben einige Händler dem US-Riesen bereits den Rücken gekehrt. Mit Rossmann wird 2019 ein weiterer Handelsriese die Kooperation mit Amazon auslaufen lassen. Die Kritik: Die Verkaufszahlen via Amazon seien zu niedrig. Zeitgleich müssten die Händler mehr Personal stellen. Und: Die Gebühr, die Amazon auf jede Bestellung erhebt, würde empfindlich auf die eh schon niedrige Marge drücken. 

Ralf Kleber, Deutschlandchef von Amazon, im Gespräch
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