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Einkaufen: Warum das Geschäft mit Supermarkt-Lieferungen so schleppend läuft

Lange wurde auf den Start von Amazon Fresh in Deutschland gewartet. Der Startschuss sollte das Geschäft mit Lebensmittel-Lieferungen vorantreiben - auch bei der Konkurrenz. Doch nun zieht sich nach Lidl auch Kaufland zurück. Das Geschäftsmodell scheint kein Selbstläufer zu sein.

Einkauf liefern lassen

Amazon Fresh wird das Geschäft mit Supermarkt-Lieferungen revolutionieren, meinen Experten. Andere Händler tun sich damit schwerer.

Kaufland zieht beim Liefergeschäft den Stecker. Am Standort Berlin wurde rund ein Jahr mit Lieferungen von Supermarktprodukten herumexperimentiert. Nun wird der Bereich zum 23. Dezember eingestellt. 300 Mitarbeiter seien davon in der Hauptstadt betroffen, berichtet die "Lebensmittelzeitung". Zuvor hatte sich der Supermarkt, der wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, schon vor Ausbauplänen nach Hamburg verabschiedet.

Das Geschäft mit gelieferten Supermarkteinkäufen wird von Experten als der große Wurf im Handel betrachtet. Smarte Haushaltsgeräte bestellen selbstständig Produkte nach, Kunden füllen ihren virtuellen Einkaufskorb und lassen sich einfach alles direkt nach Hause liefern. Kein nerviges Anstehen mehr an der Kassenschlange - da geht der Trend hin.


Früh experimentierten deutsche Supermärkte mit dem Lieferangebot. Vorreiter war Rewe, aber auch Discounter wie Lidl oder direkte Wettbewerber wie Edeka schickten Online-Shops ins Rennen. Man erhoffte sich einen Vorsprung bei der Kundenakquise und bei der Logistik. Denn der lange angekündigte und vor rund einem Jahr gestartete Lieferservice Amazon Fresh würde die Spielregeln verschärfen - da waren sich Marktteilnehmer und Experten einig. Auf 11 Millionen Euro Umsatz soll es Amazons Lieferangebot in Deutschland in diesem Jahr bringen, hat die "Lebensmittelzeitung" kalkuliert. Im kommenden Jahr sollen es bereits 46 Millionen Euro sein. Klar ist: Das Wachstumsfeld ist enorm. Allerdings ist es auch mit hohen Investitionen und sehr kleinen Margen verbunden. 

Lieferung statt Supermarkt ist nicht wirtschaftlich

Das ist auch der Grund, warum Kaufland nun das Online-Geschäft einstampft. "Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit, die Preis- und die Marktentwicklung sehen wir allerdings, dass sich ein Lieferservice im Lebensmittelbereich auf Sicht nicht kostendeckend betreiben lässt", so Kaufland-Vorstandsvorsitzender Patrick Kaudewitz zur "LZ". "Auch im Internet sollen sich die Kunden auf unser Preisversprechen verlassen können. Höhere Preise bei der Lieferung von Lebensmitteln sind für uns keine Option." Genauso günstig wie in den Geschäft und eine geringe Liefergebühr zwischen 2,75 und 4,75 Euro - offenbar konnte Kaufland so nicht kostendeckend arbeiten. Auch Rewe verlangt Gebühren für den gelieferten Einkaufskorb: Zwischen 2,90 und 4,90 Euro werden pro Lieferung fällig. Amazon geht einen anderen Weg. Dort ist das Fresh-Angebot nur mit Primemitgliedschaft möglich. Die kostet 69 Euro pro Jahr - wer Fresh nutzen will, zahlt darüber hinaus 9,99 Euro pro Monat. Und: Erst Bestellungen über 40 Euro Warenwert werden ohne zusätzliche Gebühren geliefert. 

Haushaltsgeräte statt frischer Lebensmittel

Kaum eines dieser Modell kann wirklich kostendeckend sein. Denn der Versand von frischen Lebensmitteln wie Wurst oder Milchprodukten ist aufwendig und somit teuer. Auch das ist ein Grund, warum andere Discounter und Supermärkten diesen Schritt scheuen. Zwar betreiben alle größeren Händler auch Online-Shops - doch Kunden bekommen dort nur Haushaltsgeräte, Wein und Spirituosen. Das ist auch ganz nett, doch für den Durchbruch beim Einkaufsverhalten ist es zu wenig.

Rewe, Amazon Fresh und Co.

Auch die bisherige Verbreitung der Angebote ist noch überschaubar. Vor allem in Berlin testen die Händler den neuen Service. Lediglich Rewe geht in die Breite und beliefert derzeit rund 75 Städte. Amazon Fresh hält sich zurück. Nach Berlin folgte Hamburg. Das nächste Liefergebiet soll München werden. Laut der "Süddeutschen Zeitung" blieben die Umsätze bei Amazon zwar noch überschaubar, doch offenbar ist der US-Handelsriese mit seinem Deutschlandstart von Fresh zufrieden. 

Dass nach Lidl nun auch Kaufland das Online-Geschäft mit frischen Lebensmitteln an den Nagel hängt, ist bei dem schwierigen Markt und den Mini-Margen wenig überraschend, Und auch Amazon - immerhin in den USA schon seit zehn Jahren mit dem Fresh-Angebot unterwegs - musste in seiner Heimat jüngst einige Liefergebiete canceln. Offiziell wurden die Gründe zwar nicht kommuniziert, doch es scheint klar, dass sich Vororte und dünner besiedelte Gebiete für das kostenintensive Angebot kaum rechnen. Hier macht Amazon kurzen Prozess mit dem eigenen Geschäft.

Zehn Fakten zum Unternehmen: Wie viel kostet eigentlich das komplette Sortiment von Amazon?