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Apotheken: "Der Markt wird sich komplett verändern"

Deutsche Apotheker machen gegen eine Marktöffnung Front und haben vor dem Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. stern.de sprach mit dem Chef des Discounters Easy-Apotheke, Oliver Blume, über die Zukunft des deutschen Marktes und die Chancen ausländischer Anbieter.

Herr Blume, vor dem Europäischen Gerichtshof wird nichts Geringeres als die zukünftige Aufteilung des knapp 40 Milliarden Euro schweren deutschen Apothekenmarktes verhandelt. Nicht nur Pharmazeuten könnten dann eine Apotheke betreiben, sondern auch Kapitalgesellschaften. Was wird passieren?

Eine Apotheke ohne Profil wird meiner Meinung nach zu den Verlierern zählen. Auffallen werden nur noch Marken oder Ketten mit einem klaren Profil. Durch deren einheitliche Werbung werden sie die meisten Kunden anziehen.

Wer steht in den Startlöchern?

Pharmagroßhändler, das sind jene, die derzeit im Ausland die meisten Apotheken besitzen. Daneben haben Einzelhandelsketten und Pharmafirmen sicherlich auch Pläne. Es geht schließlich um den drittgrößten Pharmamarkt der Welt mit 40 Milliarden Euro Umsatz.

Wie schätzen Sie den deutschen Markt der Apotheken zurzeit ein?

Der Markt wird sich komplett verändern. Die Apotheken werden sich entweder zu größeren Kooperationen oder Franchiseunternehmen zusammenschließen mit einem einheitlichen Markenauftritt - oder sie werden sicherlich gekauft werden. Den Markt werden sehr schnell ausländische Ketten dominieren.

Was macht denn aus Ihrer Sicht der normale deutsche Apotheker falsch?

Bis jetzt hatte der keinen Wettbewerb, allenfalls zu den regionalen Kollegen - die aber die komplett gleiche Dienstleistung angeboten haben. Er musste nur durch besseren Service auffallen. Heute können andere Handelsformen mit Marketing und Markenauftritten sein Geschäft komplett kaputtmachen. Auf einmal muss er wie ein großer Markenartikler agieren - das hat er nicht gelernt.

Sie wollen mit Ihren Apotheken in die Randlagen von Städten. Wie soll das aussehen?

Wir wollen in Fachmarktzentren mit viel Betrieb. Dort wo Discounter, Drogerien und Biomärkte sind.

Warum? In Innenstädten ist doch viel mehr Laufkundschaft.

In diesen Lagen gab es aber bislang keine Apotheken. Wir haben festgestellt, dass man dort die höchsten Kundenzahlen und Umsätze hat.

Inwiefern unterscheidet sich das Angebot von dem einer klassischen Apotheke?

In einer normalen stationären Apotheke liegt der Anteil am Umsatz, der mit rezeptpflichtigen Arzneien erzielt, bei rund 70 bis 80 Prozent. Bei uns sind das nur 20 Prozent.

Wie viel setzt eine Apotheke bei Ihnen um?

Zwischen 1,5 und 3 Millionen Euro im Jahr. Wir stehen aber erst am Anfang. Jetzt erweitern wir und versuchen bei den Eröffnungen an die Schlagzahlen von Drogerien wie Rossmann oder DM zu kommen: rund 100 neue Apotheken pro Jahr. Im Schnitt kommen zwischen 300-800 Kunden pro Tag in eine Filiale. In der durchschnittlichen Apotheke sind es im Schnitt 150 Kunden.

Wie ist der Stand in ihrem Unternehmen zurzeit?

Jetzt haben wir 21 Apotheken, zum Jahresende zwischen 40 und 50. Allein neun Expansionsleiter suchen zurzeit Mietflächen.

Interview: Axel Hildebrand

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