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Apple-Mitgründer Ron Wayne über Steve Jobs: "Jobs war fokussiert wie ein Laser"

Ronald Wayne war vor 35 Jahren dabei, als Apple geboren wurde. Seine Anteile verkaufte er wenig später für lächerliche 800 Dollar. Im FTD-Interview spricht er über die stürmische Anfangszeit des Weltkonzerns - und seinen alten Freund Steve Jobs.

Mister Wayne, wie haben Sie den Tod von Steve Jobs aufgenommen?
Er hat mich sehr berührt. Wir hatten zwar lange Zeit keinen Kontakt mehr, aber wir standen uns früher sehr nahe. Die Branche wird künftig einen ihrer herausragenden Köpfe vermissen. Aber ich war damals ja nicht wegen seiner Fähigkeiten mit ihm befreundet, sondern weil er als Mensch war, wie er war.

Ihr altes Appartement soll 1976 einen entscheidenden Beitrag bei der Gründung des Unternehmens Apple gespielt haben. Wie das?
Jobs und ich haben damals beide für Atari gearbeitet - er als Spieleentwickler, ich als Chefkonstrukteur, und wir haben uns ziemlich gut verstanden. Jobs und Steve Wozniak kannten sich schon seit Jahren, sie waren damals im gleichen Hobbycomputerklub. Irgendwann hatte wohl Wozniak gesagt: Warum sollen wir hier weiter mit Müll rumspielen, lass uns die Geräte selber und besser zusammensetzen. Dann hat ein eher philosophisches Problem die Beziehung zwischen Jobs und Wozniak belastet, und Jobs war der Meinung, dass ich ein guter Schlichter sei.

Worum ging es bei dem Streit?
Jobs sah diesen Computer, den Wozniak entwickelt hatte, als den Kern einer Firma. Wozniak dagegen hatte eine sehr väterliche Beziehung zu seiner Konstruktion und wollte das Recht behalten, sie auch für andere Anwendungen zu nutzen. Ich war damals schon Mitte 40, die beiden noch Kinder in ihren 20ern. Wir haben uns eine Stunde zu dritt in meinem Appartement unterhalten, und ich habe Wozniak grob erklärt, wie ein Unternehmen funktioniert. Am Ende waren alle Schwierigkeiten aus der Welt. Jobs schlug vor, dass er und Wozniak jeweils 45 Prozent ihrer Firma bekommen sollten. Die restlichen zehn Prozent gingen an mich, um notfalls wieder als Schlichter auftreten zu können.

Wie muss man sich die frühen Apple-Tage vorstellen? Pizza, Cola und lange Nächte in der legendären Garage von Steve Jobs?
Ich war nie selbst in der Garage, das war der Bereich von Jobs und Wozniak. Aber wir haben nur noch gearbeitet, wir hatten ja alle noch eine Arbeit nebenher. Jobs ist gleich losgelaufen und hat 100 Computer an einen Zwischenhändler namens The Byte Shop verkauft. Gleichzeitig hatte er unsere Firma mit einem Kredit über 15.000 Dollar belastet, um das Material dafür zu besorgen. Das war seine Aufgabe, aber mir haben Details nicht gefallen - ein Grund, warum ich nach zwölf Tagen wieder ausgestiegen bin.

Eine Entscheidung, die Sie sicher bedauern. Ihre zehn Prozent wären heute über 30 Mrd. Dollar wert.
Ich kann nicht erkennen, wieso ich etwas vermissen sollte, was ich letztlich nie gehabt habe.

Was hat Ihnen denn an Jobs Vorgehen nicht gepasst?
Der Byte-Shop hatte den Ruf, nicht zu bezahlen. Wenn der Deal geplatzt wäre, hätten wir mit 15.000 Dollar Schulden dagestanden. Ich hatte das Gefühl, dass ich zu alt für so was war. Die beiden waren wie Wirbelstürme, es war, als würde man einen Tiger am Schwanz spazieren führen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Leute vom Byte-Shop geschockt waren, als Jobs 100 Platinen und Schaltkreise lieferte, ohne Gehäuse. Die Besitzer des Ladens hatten mit fertigen Computern gerechnet. Bezahlt haben sie trotzdem.

In diesen zwölf Tagen wurde IT-Geschichte geschrieben.
Das kann man sagen, aber ich habe das in diesem Moment nicht so empfunden. Ich wusste zwar, dass Apple eine erfolgreiche Firma werden konnte. Was bis heute daraus geworden ist, hat niemand absehen können. Dass es so gekommen ist, liegt vor allem an der Dynamik von Steve Jobs.

Was war er damals für ein Typ?
Jobs hatte schräge Seiten, aber er war fokussiert wie ein Laser. Er war ein angesehener Spieleentwickler. Ich kann mich an eine Situation erinnern, in der es Schwierigkeiten mit Konsolen für das Spiel "Pong" in Europa gab. Atari-Chef Nolan Bushnell suchte jemanden, der Problem lösen konnte - und kam auf Jobs. Er sagte: Ich zahle dir einen Erste-Klasse-Flug, das beste Hotel und einen Bonus, wenn du die Sache regelst. Jobs hat dann eine Wahnsinnsarbeit abgeliefert.

Er kam wieder und war der Star der Firma?
Er kam erst mal nicht wieder.

Wie bitte?
Er hatte von einer rituellen Zeremonie in Nordindien gehört. Er ließ sich sein Rückflugticket ausbezahlen und war für drei Monate verschwunden. Dann tauchte er abgemagert wieder auf. Sein Kommentar war, er habe jetzt wohl alle bekannten Krankheiten gehabt - und dass es die tollste Reise seines Leben gewesen sei.

Wann haben Sie ihn zum letzten Mal gesehen?
Das war 2000 in San Francisco. Er spendierte mir ein Flugticket und ein tolles Hotel. Ich durfte mir eine Rede von ihm anschauen. Später haben wir uns in der Apple-Kantine getroffen - Jobs, Wozniak und ich.

Worum ging es da?
Ehrlich gesagt hatten wir uns nur seichten Small Talk zu erzählen.

Was bleibt von Steve Jobs?
Es gibt nur wenige Personen in der jüngeren Geschichte, die die Welt so sehr beeinflusst haben wie er. Er hat vor allen anderen erkannt, was die Leute in Zukunft brauchen werden. Diese Fähigkeit ist sehr selten.

Von Eike Radszuhn / FTD
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