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Arbeitsmarkt in Deutschland: Entlassungswelle bleibt aus

Die Wirtschaftskrise macht sich auf dem Arbeitsmarkt stärker bemerkbar: Der Industriekonzern Siemens will 2000 Stellen abbauen. Trotzdem glauben Experten nicht, dass sich die Deutschen jetzt vor Massenentlassungen fürchten müssen.

Roman Heflik

Es ist kein glücklicher Tag für die Mitarbeiter des Siemens-Konzerns: Trotz einem Rekordergebnis im vergangenen Jahr will sich ihr Unternehmen in Deutschland von rund 2000 Beschäftigten trennen. Als Begründung gab der Konzern unter anderem den Absatzeinbruch im Maschinenbau an. Bereits am Mittwoch hatte der Mobilfunk-Konzern Vodafone einen Arbeitsplatzabbau in Deutschland angedeutet, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Auch von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg kommen keine frohen Nachrichten: Die Zahl der registrierten Erwerbslosen ist im Januar auf 3,617 Millionen gestiegen, das sind 342.000 mehr als im Dezember und 129.000 mehr als vor einem Jahr.

Bereits vor Monaten hatten Konjunkturexperten davor gewarnt, dass der Krise an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft noch ein Einbruch auf dem Arbeitsmarkt folgen werde. Doch trotz der geplanten Stellenstreichungen geben die Wirtschaftsforscher nun vorsichtig Entwarnung: Massenentlassungen wie bei Siemens seien keine Vorboten der befürchteten Kündigungswelle.

"Überhaupt keine Signalwirkung"

Sabine Klinger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagt: "Auch wenn Siemens ein bedeutendes Unternehmen in Deutschland ist: Die 2000 Stellen, die abgebaut werden sollen, sind kein Symbol für besondere Veränderungen." Weder hätten überdurchschnittlich viele Unternehmen Massenentlassungen angekündigt, noch sei die Zahl derer gestiegen, die sich innerhalb ihrer Kündigungsfrist bei der Arbeitsagentur melden müssen. Klinger beruhigt:"Wir können nicht erkennen, dass eine große Entlassungswelle auf uns zurollt."

Diese Einschätzung teilt auch Roland Döhrn, Konjunkturexperte am Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. "Ich sehe bei den Siemens-Entlassungen überhaupt keine Signalwirkungen." Zwar seien in der Krise rund 300.000 Jobs in der Industrie verloren gegangen, gleichzeitig seien aber in Bereichen wie dem Handel und dem Dienstleistungssektor über 200.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Die Experten hatten mir mehr Arbeitslosen gerechnet

Auch Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sieht keine Anzeichen für einen abrupten Einbruch der Beschäftigtenzahlen. Er räumt ein: "Die Arbeitsmarktssituation wird sich wegen des Einbruchs verschlechtern." Für 2010 rechnet sein Institut mit durchschnittlich 3,8 Millionen Arbeitslosen, das sind etwa 400.000 mehr als im vergangenen Jahr. Doch noch im vergangenen Jahr hatten die Wirtschaftsexperten 4,1 Millionen Arbeitslosen befürchtet.

"Der Absturz ist nicht so hart, weil die Unternehmen unter anderem viel über Kurzarbeit abfedern konnten und weil sie in 2009 von sinkenden Ölpreisen profitieren konnten", sagt Dreger. Außerdem hätten die Firmenchefs beim letzten Aufschwung unter dem Fachkräftemangel gelitten, berichtet Dreger: "Deswegen binden viele ihre Arbeitskräfte länger ans Unternehmen und entlassen sie nicht mehr so schnell."

Roman Heflik