Außerordentliche Hauptversammlung VW gibt bei Porsche-Übernahme Gas


Voraussichtlich schon nächste Woche will Volkswagen 49,9 Prozent an Porsche übernehmen. VW-Chef Martin Winterkorn wirbt daher auf der Hauptversammlung des Konzerns um frisches Geld der Aktionäre - und erntet von einigen heftige Kritik am hohen Kaufpreis.

Europas größter Autokonzern Volkswagen macht den nächsten Schritt bei der Übernahme des Sportwagenbauers Porsche. Voraussichtlich bereits in der kommenden Woche wolle sich VW mit 49,9 Prozent am Sportwagengeschäft von Porsche beteiligen, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn vor den Aktionären auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag in Hamburg. Es formiere sich ein Automobilkonzern, der weltweit einzigartig sei und mehr denn je das Zeug zur Nummer eins habe.

Als Preis für knapp die Hälfte an der Porsche AG hatte VW eine Summe von fast vier Milliarden Euro genannt. Kleinaktionäre äußerten harsche Kritik an der Summe. Volkswagen hätte Porsche zum "Schnäppchenpreis" haben können, wenn VW den Sportwagenbauer nach dessen gescheitertem Übernahmeversuch hätte Pleite gehen lassen, sagte beispielsweise Martin Weimann von der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger. Viele Investoren kritisierten auch die geplante milliardenschwere Kapitalerhöhung und die Absicherung der starken Stellung des Landes Niedersachsen in der Satzung. Zudem sei unklar, ob und welche finanziellen Risiken es bei Porsche noch gebe.

VW hatte den monatelangen erbitterten Übernahme-Machtkampf mit Porsche für sich entschieden. Porsche soll bis 2011 als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden. "Wir schlagen jetzt das nächste Kapitel in der Geschichte von Volkswagen und Porsche auf. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir gemeinsam eine Wachstumsgeschichte schreiben können, wie es in der Automobilwelt bisher wenige gab", sagte Winterkorn. Der VW-Konzern will bis 2018 Toyota als führenden Autobauer weltweit ablösen.

"Eine einmalige, historische Chance"

Porsche werde als eigenständige Marke alle Vorteile eines großen, schlagkräftigen Konzerns nutzen, sagte Winterkorn. Zugleich werde der Konzern von der Leistungskraft der Marke Porsche profitieren. "Mit der Schaffung des integrierten Automobilkonzerns nutzen wir eine einmalige, historische Chance", sagte Winterkorn. Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von VW massiv verhoben und einen riesigen Schuldenberg angehäuft.

Um die Übernahme von Porsche zu finanzieren, will VW sich von den Aktionären die Erlaubnis einholen, innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 135 Millionen neue Vorzugsaktien auszugeben. Dies wären nach aktuellem Aktienkurs rund acht Milliarden Euro. Eine Kapitalerhöhung soll im ersten Halbjahr 2010 über die Bühne gehen. Die Zustimmung bei dem Aktionärstreffen gilt wegen der Aktionärsstruktur als sicher.

Im laufenden Jahr hatte sich VW besser geschlagen als die Konkurrenz und erzielte bislang ein leichtes Absatzplus. Vor allem in Deutschland hatte VW massiv von der Abwrackprämie für Altautos profitiert. 2010 rechnet VW aber früheren Angaben zufolge mit einer Stagnation.

DPA/AP AP DPA

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