Seat, Bentley, Lamborghini Winterkorn und die Baustellen des Volkswagen-Konzerns


Die Übernahme-Machtkämpfe mit Porsche und Suzuki sind geglückt, jetzt gilt es für Volkswagen-Vorstandchef Martin Winterkorn, den Riesenkonzern in der Spur zu halten.

Die Weichen bei Volkswagen sind gestellt. Nach dem Sieg im Übernahme-Machtkampf mit Porsche und der Allianz mit Suzuki rücken für die VW-Spitze um Vorstandschef Martin Winterkorn nun andere Aufgaben in den Mittelpunkt: Sie muss den Riesenkonzern mit seinen vielen Marken in der Spur halten und die Ertragskraft stärken. Dabei gibt es einige offene Baustellen - zum Beispiel die Krisenmarke Seat.

Die spanische Tochter rutschte im vergangenen Jahr noch tiefer in die roten Zahlen, vor allem wegen des Einbruchs im Kernmarkt Spanien. Winterkorn aber hält an Seat fest, neue Modelle sollen eine Wende einläuten. Auch in diesem Jahr aber werde Seat Verluste einfahren - wie auch die Luxusmarken Bentley und Lamborghini.

Die tschechische Tochter Skoda machte 2009 zwar Gewinne, das Ergebnis aber ging deutlich zurück. Und: In Wolfsburg wird es nicht gerne gesehen, dass Skoda immer mehr ins Gehege der Konzern-Kernmarke VW kommt und deren Modellen zunehmend Konkurrenz macht statt preiswerte Einstiegsmodelle anzubieten. Der Konzern müsse nun an der "Markenschärfe" arbeiten, heißt es hinter den Kulissen.

Die strategischen Entscheidungen fallen dabei zwar in Wolfsburg. Doch zugleich sollen die neun Konzernmarken eigenständig arbeiten und möglichst viele Freiheiten bekommen. Dabei muss die VW-Spitze aber die Kosten im Blick behalten.

Im vergangenen Jahr hatte VW zwar seinen Absatz trotz Branchenkrise leicht gesteigert. Doch die Abwrackprämie kurbelte vor allem den Verkauf von kleinen Wagen an - mit denen Volkswagen aber vergleichsweise wenig Geld verdient. Außerdem machte VW gute Geschäfte vor allem in Märkten wie China und Brasilien, doch dort sind die Margen ebenfalls vergleichsweise gering.

In Westeuropa dagegen sind die Märkte gesättigt. Winterkorn sprach deshalb am Donnerstag davon, 2010 werde kein einfaches Jahr. Das Absatzniveau auf den Weltmärkten vor Ausbruch der Branchenkrise werde frühestens 2012 wieder erreicht.

Die "Volumen- und Mixverschlechterungen", wie es im VW-Sprachgebrauch heißt, führten neben anderen Faktoren wie ungünstigen Wechselkursen dazu, dass der Konzerngewinn im vergangenen Jahr um fast 81 Prozent auf 911 Millionen Euro einbrach.

Ein Kostenproblem bei VW sieht Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Der Ertrag des Konzerns basiere nahezu ausschließlich auf Audi. Bei kleinen Fahrzeugen arbeite VW unrentabel. VW weist dies zurück, die Autos hätten eine ordentliche Rendite. Der Konzern aber habe finanziell noch andere Dinge zu stemmen gehabt wie die Übernahme des Lastwagenbauers Scania sowie die Einstiege bei Porsche und Suzuki, sagte Finanzchef Hans Dieter Pötsch.

Große Hoffnungen setzt VW auf eine neue Fertigungsweise, mit der neue Modelle kostengünstiger gebaut werden können. Das Zauberwort lautet "Modularer Querbaukasten" (MQB). Auf diesem technischen Fundament sollen in den nächsten zehn Jahren mehr als 30 Modelle basieren, sagte Winterkorn und sprach von einer "neuen Ära".

Gleiche Teile werden bei dem System dabei in viele unterschiedliche Modelle eingebaut. Die Zahl der Varianten sinke beträchtlich - bei den Klimaanlagen zum Beispiel um mehr als 70 Prozent. Bei Audi gibt es einen solchen Baukasten bereits, bei VW soll künftig zum Beispiel der neue Golf erstmals auf dem "MQB" basieren. Laut VW können die Stückkosten mit dem neuen System um 20 Prozent gesenkt werden. VW kann außerdem neue Modelle schneller entwickeln, bauen und auf den Markt bringen.

Denn Volkswagen hat ehrgeizige Pläne: Bis spätestens 2018 soll Toyota als weltgrößter Autobauer abgelöst werden. Trotz des Rückruf-Debakels, das Toyota schwer erschüttert hat - VW habe weiterhin viel Respekt vor den Japanern, heißt es in Wolfsburg. Toyota werde wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Dazu komme eine "neue, aggressive Konkurrenz - zum Beispiel aus China".

Andreas Hoenig und Anita Pöhlig, DPA DPA

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