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Ausverkauf bei Drogeriemarkt-Kette: Schlecker verspricht Kunden bis zu 50 Prozent Rabatt

2010 Schlecker-Filialen müssen schließen. Doch zuerst muss die Ware aus den Lagern: Für Kunden winken satte Preisnachlässe.

Der Ausverkauf bei Schlecker hat begonnen. In den rund 2010 von rund 5400 Filialen, die schon am Samstag, 24. März, geschlossen werden sollen, werden die Waren ab sofort mit hohem Rabatt verkauft.

Welche Produkte sind reduziert?

Laut Insolvenzverwalter sind alle Artikel um mindestens 30 Prozent reduziert, einige auch um 50 Prozent. Einzige Ausnahme sind preisgebundene Bücher und Zeitschriften.

In welchen Filialen sind die Artikel jetzt billiger?

Die Artikel sind in den Läden vergünstigt, die geschlossen werden. Der Insolvenzverwalter hat eine Liste der Filialen veröffentlicht - geordnet nach Bundesländern, dann die Städte nach Alphabet, mit Angabe der Adresse. Es handelt sich um eine vorläufige Aufzählung, bei der sich noch Änderungen ergeben könnten. Die Schließung der Märkte auf der Liste gilt aber als sicher. - Liste der betroffenen Filialen als PDF-Download

Kann ich verbilligte Waren von Schlecker wieder umtauschen?

Bei Reklamationen wird Schlecker sich "selbstverständlich" kulant verhalten, wie ein Sprecher des Unternehmens sagte. Kunden können mangelhafte Waren demnach auch nach Schließung der Filiale, in der sie eingekauft haben, in einer anderen Filiale reklamieren. Ein Umtausch von Produkten, die keine Mängel haben, ist freiwillig.

Wie geht es jetzt bei Schlecker weiter?

Die Filialschließungen sind auf dem Weg - nun folgen die Schlecker-Lagerstandorte. Schlecker gibt in Folge der Schließung von rund 2010 Filialen bis August auch fast zwei Drittel der Warenlager auf. Wie das Unternehmen mitteilte, wird es künftig nur noch fünf statt bisher 13 Standorte geben. Die acht Distributionsstandorte in Schwarmstedt (Niedersachsen), Luckau (Brandenburg), Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen), Herda (Thüringen), Kürnach (Bayern), Alzey (Rheinland-Pfalz), Empfingen (Baden-Württemberg) und Nittendorf (Bayern) fallen weg.

Wie viele Mitarbeiter werden arbeitslos?

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kündigte an, dass rund 12.000 Beschäftigten ihre Arbeitsplätze verlieren. Dazu gehören die 840 Jobs, die durch die Schließung der Lagerstandorte wegfallen. Verdi wollte mit Aktionen in ganz Deutschland für Solidarität mit den Schlecker-Beschäftigten demonstrieren.

Wie reagiert die Politik auf Schleckers Insolvenzantrag?

Der Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), hat einer Hilfe des Bundes für die Mitarbeiter der insolventen Drogeriekette Schlecker eine klare Absage erteilt. "Es ist keine Aufgabe des Bundes, Unternehmen zu retten", sagte der Vertreter des Wirtschaftsflügels der Union im ARD-"Morgenmagazin". Hilfen für die Beschäftigten könnten allenfalls von der Bundesagentur für Arbeit kommen - falls dies überhaupt nötig sei, denn in vielen Regionen herrsche Vollbeschäftigung. "Die chancen für die guten, qualifizierten Mitarbeiterinnen von Schlecker sind gut." Die Vorsitzender der Linken, Gesine Lötzsch, reagierte auf die Position der Union in der Schlecker-Frage mit Unverständnis: "Die Weigerung der Bundesregierung den Schlecker-Beschäftigten zu helfen, ist an Ignoranz und sozialer Kälte kaum zu überbieten", sagte Lötzsch. "Es geht um eine der größten Unternehmenspleiten in der Geschichte der Bundesrepublik und Tausende - zumeist weibliche Beschäftigte - verlieren ihre Arbeit." Möglich ist nach Meinung der Linken-Vorsitzenden eine kurzfristige Gesetzesinitiative, um die Insolvenzgeldzahlungen zu verlängern. Damit wäre Zeit gewonnen, um den Beschäftigten und beteiligten Akteuren sowie den Kommunen die Prüfung eines Alternativkonzepts zu ermöglichen. Der Bankenrettungsschirm sei innerhalb einer Woche im Bundestag beschlossen worden.

Welche Orte sind am stärksten betroffen?

Allein im eher strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern gehen bereits übernächsten Samstag in fast jeder dritten Filiale die Rollläden für immer herunter. Etwa 45 von 150 Märkten schließen dort. Am stärksten ist die Kleinstadt Neubrandenburg betroffen, wo fünf Schleckerläden aufgegeben werden sollen. Während mancherorts damit das letzte Einzelhandelsgeschäft verschwindet, dürften in großen Städten wie Berlin oder Hamburg die Lücken gar nicht so auffallen. Vor allem in abgelegenen ländlichen Gegenden werden ältere Kunden den Schlecker sicher schmerzlich vermissen. Gerade in sehr kleinen Gemeinden in der Eifel oder im Nordosten Deutschlands hat die Drogerie quasi Tante-Emma-Funktion. "Ein Einzelhandelsgeschäft hat immer eine soziale Funktion, auch wenn es noch so trist ist und nur wenige Beschäftigte hat", betont Michael Gerling vom Einzelhandelsinstitut EHI. Durch den Wegfall der Schleckerläden werde es aber nicht zu "physischen Versorgungsproblemen" kommen und schon gar nicht in den Ballungszentren. "Auch wenn es erstmal dramatisch erscheint, wenn ein so großes Unternehmen mit so vielen Standorten wegbricht, die Lücken werden sicher bald geschlossen." Gerade in Deutschland sei die Versorgung der Bevölkerung ausgesprochen gut. "Hier gibt es fast doppelt so viel Verkaufsflächen wie beispielsweise in Großbritannien", erläutert EHI-Geschäftsführer Gerling.

jar/AFP/DPA / DPA