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Auto Union zur NS-Zeit Audi-Vorgänger beutete Tausende Zwangsarbeiter aus


Audi hat seine NS-Vergangenheit von Historikern prüfen lassen. Mit erschreckendem Ergebnis: Die Vorgängerfirma Auto Union ließ Zehntausende Zwangsarbeiter für sich schuften.

Das Audi-Vorgängerunternehmen Auto Union hat zur Zeit des Nationalsozialismus Tausende Zwangsarbeiter ausgebeutet. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Audi selbst in Auftrag gegebene Untersuchung zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die der "Wirtschaftwoche" vorliegt. Ein Audi-Sprecher bestätigte den Bericht am Sonntag. Die Studie kommt dem Bericht zufolge zu dem Schluss, dass sich das Audi-Vorgängerunternehmen "aus kriegswirtschaftlichen Interessen heraus in einem skandalösen Maße in den KZ-Komplex einbinden" ließ, allen voran der damalige Auto-Union-Chef Richard Bruhn. Nach dem Zusammenschluss mit dem NSU-Motorenwerk wurde die Auto Union 1985 in Audi umbenannt.

Audi hat nach der Vorlage der Studie etliche Darstellungen angepasst. So seien etwa Texte im Unternehmensmuseum und im Internet verändert worden, sagte ein Sprecher der VW-Tochter am Montag in Ingolstadt.

Sieben KZ-Außenlager für Auto Union

In sieben Konzentrationsaußenlagern, die von der SS für Auto Union eingerichtet worden seien, wurden demnach mehr als 3700 KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ausgebeutet. Weitere 16.500 Zwangsarbeiter, die nicht in Konzentrationslagern interniert waren, hätten ebenfalls für Auto Union in den sächsischen Standorten Zwickau und Chemnitz gearbeitet. Rund ein Viertel der Häftlinge seien Juden gewesen.

Im Lager Leitmeritz, einem Außenlager des bayerischen Konzentrationslagers Flossenbürg im oberpfälzischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab, seien weitere Tausende KZ-Häftlinge beim Bau einer Untertagefabrik eingesetzt worden. Laut Studie "steht die moralische Verantwortung" des Auto-Union-Managements "für die Zustände in Leitmeritz, wo 18.000 KZ-Häftlinge eingesetzt wurden, von denen 4500 den Tod fanden, außer Frage".

Kein Zugriff auf Unterlagen in DDR-Archiven

Audi will dem Bericht zufolge auf noch lebende Zwangsarbeiter zugehen. Vor gut einer Woche habe der Konzern entschieden, auf die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zuzugehen. "Wir setzen auf Aufklärung", betonte Audi-Chef Rupert Stadler in der "Wirtschaftswoche".

Ein Sprecher des Ingolstädter Autoherstellers sagte, Audi habe mit der Auto Union eine besonders komplizierte Geschichte. Denn die Auto Union habe ihren Sitz in Sachsen gehabt. Das Unternehmen sei nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetzone demontiert worden, auf die Archive in der späteren DDR mit Unterlagen zur Firmengeschichte habe man vom Westen aus bis 1990 keinen Zugriff gehabt. Nachdem eine geplante Habilitation zur Audi-Geschichte in den 1990er Jahren nicht zustande gekommen sei, habe man die eigene Studie in Auftrag gegeben.

Gemessen an der Zahl von insgesamt 50.000 Konzern-Mitarbeitern sei der Anteil der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge bei der Auto Union vergleichsweise hoch gewesen, heißt es weiter in dem Bericht. "Nur das nahe Kriegsende verhinderte einen noch umfänglicheren KZ-Häftlings-Einsatz. Entsprechende Planungen lagen bereits vor."

"Besser spät als nie"

Audi-Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch äußerte sich "sehr betroffen über das Ausmaß der Verstrickungen der damaligen Auto-Union-Führung in das System der Zwangsarbeit und Sklavenarbeit". Dieses Ausmaß sei ihm nicht bewusst gewesen, sagte Mosch der "Wirtschaftswoche".

Der Berliner Historiker Wolfgang Benz, Experte für die NS-Zeit und die Geschichte der Konzentrationslager, begrüßte die Aufarbeitung, auch wenn sie spät komme. "Besser spät als nie", sagte Benz am Samstagabend. Manchmal brauche es eben einen Generationenabstand für den Mut, solche Dinge in Angriff zu nehmen.

Dem Bericht zufolge kommt die Studie mit dem Titel "Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg" an diesem Montag in den Buchhandel. Verfasst wurde sie von dem Audi-Historiker Martin Kukowski und dem Chemnitzer Geschichtsprofessor Rudolf Boch.

awö/DPA DPA

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