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Bahn-Tarifkonflikt: Lokführer verzichten Freitag auf Streiks

Bei der Bahn soll es am Freitag nach Aussage der Lokführergewerkschaft GDL keinen Streik geben. Auch das Wochenende bleibt streikfrei. Ob das auch für den Montag gilt, behält die GDL allerdings noch für sich.

Die Lokführergewerkschaft GDL wird an diesem Freitag nicht streiken. Das gab die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Donnerstag in Frankfurt bekannt. Auch am Wochenende werde es keine Streiks geben. Der dritte Lokführerstreik innerhalb von zwei Wochen führte am Donnerstag zu einem Verkehrschaos auf den Straßen der Ballungszentren. Auf den Bahnhöfen war es dagegen relativ ruhig. Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher forderte die Bahn erneut auf, ein verhandelbares Angebot vorzulegen.

Ostdeutschland besonders betroffen

Die GDL hatte bis zum Vormittag den Regionalverkehr und die S- Bahnen bundesweit bestreikt und eine positive Bilanz der Aktion gezogen. Im Osten Deutschlands seien rund 85 Prozent der Züge ausgefallen. Im Westen habe dieses Ergebnis durch den Einsatz von Beamten nicht erreicht werden können. «Dennoch stand die überwiegende Mehrheit der Züge still.» Auch im Fernverkehr sei es teilweise zu Beeinträchtigungen gekommen.

Die Deutsche Bahn bezweifelte den Erfolg des Streiks. Weniger als 40 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen seien während des neunstündigen Streiks ausgefallen. Eine Wiederaufnahme von Gesprächen zwischen GDL und Bahn zeichnete sich auch am Donnerstag nicht ab.

GDL dürfte an die 8000 Lokführer vertreten

Die Deutsche Bahn hat rund 20 000 Lokführer. Etwa 8000 von ihnen sind Beamte und fallen deshalb nicht unter die Tarifverträge. Sie wurden noch vor Umwandlung des Staatskonzerns in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1994 eingestellt. Nach Angaben der Gewerkschaft GDL, die für einen eigenständigen Tarifvertrag kämpft, sind bei ihr rund zwei Drittel der Lokführer organisiert, die übrigen bei Transnet und GDBA. Eine präzise Mitgliederzahl der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) liegt nicht vor, auch nicht, wieviele von ihnen Beamte sind.

Verbeamtete und angestellte Lokführer machen zwar die gleiche Arbeit, arbeiten beide 40 Stunden pro Woche - bekommen dafür aber unterschiedlich viel Geld. Die meisten angestellten Lokführer bei der Bahn verdienen nach Unternehmensangaben rund 33.000 Euro brutto. In den ersten vier Berufsjahren liegt das Gehalt darunter, bei rund 31.000 Euro. Wegen des zuletzt stark gestiegenen Güterverkehrs sucht die Bahn derzeit in bundesweiten Stellenanzeigen nach weiteren Lokführern.

Einstiegsgehalt derzeit unter 2000 Euro brutto

Ohne Zulagen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen Lokführer laut Bahn in den ersten vier Jahren 1935 Euro brutto monatlich, danach sind es 2100 Euro. Gezahlt werden 13 Monatsgehälter. Das Nettogehalt liegt - abhängig von Steuerklasse und Familienstand - inklusive Zulagen laut Konzernangaben anfangs zwischen 1703 und 1972 Euro monatlich. Nach vier Berufsjahren sind es dann 1792 und 2076 Euro. GDL-Chef Manfred Schell sprach wiederholt von 1500 Euro Nettogehalt. Netto bleibt Beamten in der Regel mehr übrig als Angestellten.

Die GDL bekräftigte noch einmal ihre Forderung nach Verbesserungen beim Entgelt und den Arbeitszeiten sowie nach einem eigenständigen Tarifvertrag für das fahrende Personal. Allerdings zeigte sie sich zu Kompromissen bereit: Bei einem eigenen Tarifvertrag "wäre die 31-Prozent-Forderung" sofort vom Tisch.

DPA / DPA