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Bangladesch: Textil-Export boomt - Künast will Gütesiegel

Trotz schlechter Arbeitsbedigungen, niedrigem Lohn und maroden Fabriken exportiert Bangladesch so viel Kleidung wie nie. Jetzt werden Rufe nach einem Gütesiegel für fair produzierte Kleidung lauter.

Bangladesch exportiert trotz des Einsturzes einer Textilfabrik mit mehr als 1100 Todesopfern und mehreren Bränden in anderen Textilfabriken mehr Bekleidung. Die Ausfuhren stiegen im Geschäftsjahr bis Ende Juni um 13 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar, wie die Außenhandelsvereinigung des Landes am Dienstag mitteilte. Kleider und Schuhe sind die mit Abstand wichtigsten Handelsgüter des asiatischen Landes. Die gesamten Ausfuhren legten um elf Prozent auf mehr als 27 Milliarden Dollar zu.

Niedrige Löhne und ein zollfreier Zugang zu westlichen Märkten haben Bangladesch zum zweitwichtigsten Hersteller von Bekleidung nach China werden lassen. 60 Prozent der Bekleidung gehen nach Europa. Nach dem Einsturz einer Fabrik in der Hauptstadt Dhaka, bei dem 1132 Menschen ums Leben gekommen waren, ist der Druck auf Regierung, Unternehmer und Modekonzerne gewachsen, die Arbeitsbedingungen für die vier Millionen Textilarbeiter zu verbessern. So wird derzeit an einem Gesetz gearbeitet, das es den Arbeitern erleichtert, Gewerkschaften zu gründen - bisher war dafür die Zustimmung des Fabrikinhabers nötig.

Forderungen nach internationalem Gütesiegel

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, unterstützt Forderungen nach einem internationalen Gütesiegel für fair produzierte Bekleidung. "Ja, wir brauchen das", sagte sie in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur. Künast hält sich derzeit zu Gesprächen in Bangladesch auf. Das Land ist bekannt für schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne.

Ende April war nahe der Hauptstadt Dhaka eine Textilfabrik wegen baulicher Mängel eingestürzt, mehr als 1100 Arbeiter starben. Das Gütesiegel-Konzept nach dem Vorbild für fair gehandelten Kaffee hatte der Chef der schwedischen Textilkette H&M, Karl-Johan Persson, ins Gespräch gebracht.

Das neue Abkommen von internationalen Konzernen zum Schutz von Textilarbeitern in Bangladesch nannte Künast "mehr als überfällig". Unterzeichnet worden sei es von 70 Firmen. "Es gibt aber mehr als 5000 Textilunternehmen." Wichtig seien die Kontrollen vor Ort. "Dafür müssen auch die Einkäufer der internationalen Mode-Labels Sorge tragen."

"Wir sind daran nicht ganz unschuldig"

Künast plädiert generell für mehr Transparenz: "Es muss eine Offenlegungspflicht für Unternehmen geben: Über die Produktionsorte, über die Sozialstandards, über die Kontrollen, die sie selber durchführen."

Um die Arbeitsbedingungen in Bangladesch und anderen asiatischen Niedriglohnländern zu verbessern, komme es auch auf Deutschland an. "Das Ganze hat System, und wir sind daran nicht ganz unschuldig", so Künast. Im globalen Wettbewerb gehe es "um immer schnellere Moden zu immer niedrigeren Preisen".

Die Grünen-Politikerin stellte sich hinter Forderungen, den Lohn für die Näherinnen in den Textilfabriken zu verdoppeln. "Das bringt den Betroffenen am Ende gerade mal 30 Euro im Monat mehr", verteuere T-Shirts und Hosen aber nur unwesentlich.

jat/DPA/Reuters / DPA / Reuters