HOME

Bankenkrise: BayernLB-Chef Schmidt tritt zurück

Die Krise der BayernLB hat Konsequenzen auf höchster Ebene: Vorstandschef Werner Schmidt wird sein Amt Anfang März aufgeben. Die Bank muss aufgrund der Immobilienkrise in den USA knapp zwei Milliarden Euro an zusätzlichen Belastungen verkraften.

BayernLB-Chef Werner Schmidt hat nach heftigen Querelen wegen der Milliardenbelastungen aus der Kreditkrise seinen Rücktritt erklärt. Der 64-Jährige lege sein Amt zum 1. März nieder, teilte die BayernLB nach einer Verwaltungsratssitzung in München mit. Zum Nachfolger wurde Vorstandsmitglied Michael Kemmer (51) berufen, der vor anderthalb Jahren von der HypoVereinsbank zur BayernLB gewechselt war.

Schmidt hat den Machtkampf mit Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) verloren, der stellvertretender Vorsitzender des BayernLB-Verwaltungsrats ist. Damit haben milliardenschwere Fehlspekulationen eine weitere Landesbank in Deutschland in die Krise gestürzt.

Schmidt hatte in der vergangenen Woche die Belastungen der Bank aus dem Engagement bei zweitklassigen US-Immobilienkrediten auf 1,9 Milliarden Euro beziffert.

Die Größenordnung kam zwar nicht überraschend, allerdings hatte Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) unmittelbar zuvor vor dem Haushaltsausschuss des Landtags als Verwaltungsrats-Vize die bis dahin offizielle Linie der Bank verteidigt und erklärt, die BayernLB könne ihre Belastungen aus der Kreditkrise nicht beziffern. Er hatte keine Vorwarnung von Schmidt über den Wechsel der Informationsstrategie erhalten. Die Opposition bezichtigt CSU-Chef Huber seither, die Unwahrheit gesagt zu haben, und fordert seinen Rücktritt. Weiterhin sagte Huber, dies sei kein Bauernopfer, sondern eine "respektable Entscheidung des Herrn Schmidt". Der Rücktritt sei "mit Respekt und Anerkennung" zur Kenntnis genommen worden. Seine Beweggründe müsse Schmidt aber selbst darlegen.

Rücktrittsforderungen "plumpes Wahlmanöver"

Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat einen Rücktritt von Finanzminister Huber jedoch ausgeschlossen. Die Rücktrittsforderungen der Opposition seien ein "plumpes Wahlkampfmanöver", sagte Beckstein am Rande der CSU- Fraktionssitzung im Landtag. "Jeder weiß, das es nicht der Finanzminister ist, der hier die Verantwortung trägt." Die BayernLB sei in die internationale Kreditkrise nicht so tief involviert wie andere Landesbanken.

Zum Rücktritt des Bayern-LB-Chefs Werner Schmidt sagte Beckstein: "Dass das Klima nicht mehr gestimmt hat, das hat jeder gesehen, auch wenn er dreiviertel blind ist." Neuerliche Spekulationen über eine Fusion von BayernLB und Landesbank Baden-Württemberg bezeichnete Beckstein als abwegig. "Das hat keinerlei Realitätsgehalt."

Huber: "Vorstand ist für Geschäfte zuständig"

Auch Huber selbst hat einen Rücktritt ausgeschlossen. Dafür gebe es nicht den geringsten Grund, sagte Huber. Er habe seine Aufgaben als Minister und als Vize-Verwaltungsratschef bei der BayernLB "mit bestem Wissen und Gewissen" wahrgenommen.

Rücktrittsforderungen der Opposition nannte Huber Wahlkampfmanöver im Hinblick auf die bayerischen Kommunalwahlen in knapp zwei Wochen. "Für die Geschäfte der Bank ist der Vorstand zuständig", sagte Huber wegen der Milliardenbelastungen der BayernLB. Es werde allerdings niemand bestreiten, dass es seitens der Bank eine "Informationspanne" gegeben habe.

DPA / DPA