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Söhne beklagen "Präsidentenmobbing": Trump-Hotels werden zum Rohrkrepierer - wie die Präsidentschaft Trumps Firmen schadet

Donald Trumps Söhne stoppen den Bau neuer Hotels in den USA. Als Grund nennen sie das feindliche Klima gegenüber ihrem Vater. Wie sehr schadet Trumps Präsidentschaft seinen Firmen?

Trump-Hotel Scion

Das Vier-Sterne-Hotel in Cleveland, Mississippi, sollte das erste der neuen "Scion"-Kette der Trump-Organisation werden

Getty Images

Als Donald Trump Präsident wurde, argwöhnten viele, der Mann werde sein Amt vor allem missbrauchen, um seine Firmen zu pampern. Trump musste die Leitung seiner Unternehmen an seine Söhne übergeben, doch Kritiker blieben skeptisch. So ist das Trump International Hotel in Washington wohl nicht nur wegen seiner günstigen geografischen Lage zur ersten Adresse unter Lobbyisten aufgestiegen. Auch die überaus regelmäßigen Übernachtungen von Würdenträgern aus Saudi-Arabien in diversen Trump-Hotels sorgen für Kritik. Und die massiven Steuererleichterungen für Konzerne, die Trump durchsetzte, nutzen natürlich auch seinen eigenen Firmen.

Doch offensichtlich bringt Trumps Präsidentschaft nicht nur Vorteile für die Trump-Organisation. Ein mit großen Worten angekündigtes Hotelprojekt im Mississippi Delta müssen Trumps Söhne nun kläglich begraben. Insgesamt vier Hotels, teilweise bereits mitten im Bau, werden nicht fertiggestellt. Als Grund nennen die Trump-Söhne ausdrücklich die Trump-feindliche Stimmung in der amerikanischen Öffentlichkeit.

Hotelketten werden zum Rohrkrepierer

Dabei hatten Eric und Donald Junior kurz nach dem Wechsel des Vaters ins Weiße Haus das Vorhaben noch zum Prestigeprojekt der Trump-Organisation erhoben. Die Vier- und Drei-Sterne-Hotels im Mississippi-Delta sollten die ersten Häuser zweier komplett neuer Hotelketten werden. Unter den Markennamen "Scion" und "American Idea" sollten neue Hotels in Dutzenden von amerikanischen Städten entstehen. Vor zwei Jahren seien laut Trump Organisation noch 30 potentielle Deals angedacht gewesen, schreibt die "New York Times".

Davon ist nun keine Rede mehr. "Wir leben in einem Klima, in dem alles gegen uns verwendet wird, sei es von den 'Fake News' oder den Demokraten, die nur an Präsidenten-Mobbing interessiert sind und unser aller Zeit verschwenden, indem sie uns mit Nonsens-Briefen bombardieren", erklärte Eric Trump vergangene Woche zum Ende der Hotelpläne. "Wir haben bereits die großartigsten Immobilien der Welt und wenn wir im Moment etwas langsamer wachsen müssen, werden wir das liebend gerne tun."

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Alles ist politisch

Es scheint, als ob nicht nur der Präsident - angesichts von Russland-Ermittlungen und einem demokratisch dominierten Repräsentantenhaus - in die Defensive geraten ist, sondern auch sein Familienimperium. Bereits seit einiger Zeit warnen führende Manager der Trump-Organisation, eine Expansion des Hotel-Business können dem Ansehen des Präsidenten schaden, schreibt die "New York Times".

Auch Trump selbst betont, die Präsidentschaft sei für ihn ein finanzielles Verlustgeschäft. "Ich habe durch diesen Job riesige Mengen Geld verloren", sagte Trump kürzlich der "New York Times". Eine Expansion im Ausland ist für die Trump-Firmen schwierig, ohne unter Verdacht zu geraten, außenpolitische und wirtschaftliche Interessen zu vermischen. Die Hotelpläne im eigenen Land seien daher die einzige Möglichkeit für signifikantes Wachstum der Trump-Organisation gewesen, schreibt die US-Nachrichtenagentur Bloomberg.

Doch auch im eigenen Land stehen Trumps Unternehmungen wegen politischer Verflechtungen unter Druck. So laufen derzeit zwei Gerichtsverfahren, in denen Trump vorgeworfen wird, die Verfassung zu verletzen, die es verbietet, Geld von ausländischen Regierungen anzunehmen. Die Demokraten bereiten laut "Washington Post" ebenfalls Untersuchungen vor, die Geschäfte von Trump-Firmen mit ausländischen Regierungsmitarbeitern und Lobbyisten beleuchten sollen, vor allem was die Übernachtungen in seinem Washingtoner Hotel angeht

Das "Scion"-Hotel in Cleveland war als Teil eines größeren Immobilienprojekts geplant. Nun bauen die Partner der Trump-Organisation alleine weiter.

Das "Scion"-Hotel in Cleveland war als Teil eines größeren Immobilienprojekts geplant. Nun bauen die Partner der Trump-Organisation alleine weiter.

Getty Images

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Marke Trump unter Druck

Zudem werden Trump-Hotels auch immer wieder Ziel politischen Protests, was potenzielle Partner verprellt. Das Hotel-Projekt im Missisippi-Delta sollte in Kooperation mit den Brüdern Dinesh und Suresh Chawla - zwei lokalen Hotelleriegrößen - realisiert werden. Nun treiben die Chawlas das Immobilienprojekt, zu dem nicht nur die Trump-Hotels gehören, alleine weiter. Wenn die Zeit reif sei, werde man hoffentlich mit den Trumps wieder ins Geschäft kommen, erklärten die Chawlas.

Dass sich unter der Marke Trump nicht mehr alles verkaufen lässt, musste auch Tochter Ivanka vergangenes Jahr erfahren. Die Präsidententochter machte ihr eigenes Modelabel 2018 dicht - offiziell, weil sie sich auf die Politik konzentrieren wolle - doch wirtschaftliche Probleme des Labels waren offenkundig. Und Trumps Sohn Donald Junior scheint das Ende der Präsidentschaft fast schon herbeizusehnen. Die "Washington Post" zitiert ihn mit den Worten: "Wenn die Zeit der Politik vorbei ist, werden wir weitermachen mit dem, was wir am besten können, nämlich die besten und luxuriösesten Immobilien der Welt zu bauen - das Interesse an der Marke Trump war nie stärker."

Quellen: "New York Times" / "Washington Post" / Bloomberg 

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