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Beteiligungen: Teure Ladenhüter

Der Handelsriese Metro hat Kaufhäuser und Schuhgeschäfte in eine ominöse Tochterfirma verschoben. Zum Schaden der Aktionäre?

Am liebsten mag Hans-Joachim Körber Situationen, in denen er nichts sagen muss und einfach nur lächeln kann. So wie kürzlich bei der Eröffnung eines Supermarkts, wo der Metro-Chef mit Claudia Schiffer posierte. Oder nach Pressekonferenzen des weltweit fünftgrößten Handelskonzerns (Kaufhof, Media Markt, Real), wenn Körber sich vor ein überdimensioniertes Firmenlogo stellt und minutenlang den rechten Daumen in die Höhe streckt. Weitaus weniger schätzt Körber Fragen zum Geschäft. Vor allem, wenn sie seinem Optimismus partout nicht folgen wollen. Dann blinzelt er genervt. Am Donnerstag dieser Woche, bei der Hauptversammlung der Metro in Düsseldorf, sind solche unbequemen Momente für Körber programmiert - nicht nur wegen des schwächelnden Aktienkurses.

Steht Sonderprüfung ins Haus?

Ärger droht wegen versteckter Finanzbeteiligungen. Per Post hat ein ungeliebter Bekannter, Ex-Metro-Manager Hannjörg Hereth, seinen Auftritt angesagt. Der einstige Chefjustiziar des Konzerns misstraut den Bilanzen und will eine Sonderprüfung durchsetzen. Hereth, heute Metro-Kleinaktionär, fährt schweres Geschütz auf: Der Konzern habe die "Aktionäre unzutreffend und unzureichend" über seine Geschäfte unterrichtet, schrieb er schon im Vorfeld an den Aufsichtsrat des Handelsriesen. Der muss sich nun mit angeblichen Ungereimtheiten bei Metro-Beteiligungen und versteckten Geschäftsrisiken beschäftigen. Hereth will den Jahresabschluss 2002 vor Gericht anfechten. Droht ein Skandal, der das größte deutsche Handelsimperium in Schieflage bringen kann?

Divaco übernahm die ungeliebten Töchter

Der Zoff entfacht sich vor allem an einer undurchsichtigen Firmengruppe namens Divaco. In die hat die Metro Ende 1998 ihre ungeliebten Töchter und Beteiligungen abgeschoben. Und davon gab es reichlich: Adler Modemärkte, die Handelsketten Kaufhalle und Massa, Reno-Schuhgeschäfte, Computerhändler Vobis und viele mehr. Umsätze von mehr als zehn Milliarden Mark im Jahr wurden so verlagert; Firmenwerte sowie noch ausstehende Kreditforderungen von gut 2,9 Milliarden Mark - so ist den vertraulichen Kauf- und Einbringungsverträgen zu entnehmen, die dem stern vorliegen - landeten in der Divaco. Mehr als bislang bekannt: Die Metro hatte "Buchwerte von rund zwei Milliarden Mark" genannt.

Aus dem Blickfeld der Aktionäre verschwunden

Alle diese Unternehmen verschwanden auf einen Schlag aus dem Blick der Metro-Aktionäre. Denn Divaco, an der auch die Deutsche Bank und der Versicherungskonzern Gerling beteiligt sind, gehört der Metro nur noch zu 49 Prozent und taucht in den Bilanzen nicht auf. "Weil es kein verbundenes Unternehmen der Metro ist, besteht grundsätzlich keine Auskunftspflicht", erklärte Konzernchef Körber gewohnt wortkarg.

Hier sollten die Firmenbeteiligungen verkauft werden

Die Divaco wurde gegründet, um die dort geparkten Firmenbeteiligungen meistbietend loszuschlagen. Doch was seitdem mit den Milliardenwerten geschah, bleibt im Dunkeln. So hielt die Metro einst zehn Prozent an der Telefonfirma Debitel, verschob die Beteiligung jedoch kurz vor deren Börsengang in die ominöse Divaco - zum Wert von lächerlichen 9,1 Millionen Euro. Später übernahm die Swisscom den größten Teil dieses Aktienpakets. Allein dafür müsste die Divaco an Stelle der Metro mindestens 220 Millionen Euro kassiert haben. Wo blieb das Geld?

Abgerechnet wird am Ende

"Der Veräußerungserlös ging an die Divaco", teilte die Metro auf Anfrage mit. Doch erst nach "Abschluss der Verwertung" aller Besitztümer werde "eine Abrechnung zwischen den Gesellschaftern" vorgenommen: "Ein Kapitalrückfluss aus der Divaco hat entsprechend bislang nicht stattgefunden", so Metro-Sprecher Jürgen Homeyer. Im Gegenteil: Plötzlich wurden 180 Millionen Euro zur Sanierung der Divaco-Reste fällig. Obwohl Metro-Chef Körber stets betonte, dem Konzern entstünden aus dem Verschiebebahnhof keine Risiken - "Etwaige Verluste auf der Wegstrecke hat die Gesellschaft selber zu tragen" -, zahlte Metro nun die Zeche. Und nicht nur das: Deutsche Bank und Gerling hielten sich schadlos. Die Metro zahlte allein.

Johannes Röhrig / print