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Tipps vom Profi: Personalchef verrät, warum er Bewerbungen selten liest

Wie wichtig ist das Arbeitszeugnis? Und verträgt eine Bewerbung auch Humor? Worauf achten Personaler wirklich? Auf Reddit beantwortet ein Personalchef diese Fragen - und seine Antworten sind eine ziemliche Ernüchterung für Bewerber.

Bewerbung: Personalchef gibt Tipps

Bewerbung: Personalchef gibt Tipps.

Bewerbungen schreiben ätzt: Der Lebenslauf muss aufgehübscht werden, das Anschreiben soll höflich, aber nicht lahm klingen, ein ordentliches Foto muss auch noch dazu. Und viele Firmen erwarten auch noch ein Motivationsschreiben, in dem man darlegt, warum man zwingend den Job haben will. Danach hat der Bewerber fast das Gefühl, dass er bei all dem Aufwand den Job schlichtweg verdient hat. Doch offenbar kommt von der ganzen Mühe gar nicht viel bei den Personalchefs an.

"Ich lese nicht jedes Motivationsschreiben"

Auf der Plattform Reddit stellt sich ein Personalchef eines "mittelgroßen Unternehmens und verantwortlich für Einstellung und Gehalt" den Fragen der User. Dabei ist für die Fragenden vor allem die Wichtigkeit des Bewerbungsschreibens interessant. Muss man bei der Bewerbung Vollgas geben? Die Antwort ist ernüchternd: "Bei Ausbildungsstellen oder Initiativbewerbungen muss man zwingend sofort hervorstechen, wenn 100 Azubi-Bewerbungen auf meinem Schreibtisch liegen, lese ich mir nicht jedes Motivationsschreiben durch - auch auf die Gefahr hin, dadurch wichtige Aspekte aus dem Lebenslauf nicht verstehen zu können", so der Personaler. "Bei Ingenieuren ist die Bewerberquote deutlich geringer. Hier bekommt jeder Bewerber automatisch mehr Aufmerksamkeit."

Ein User fragt nach: "Liest sich wirklich jemand dieses ganze Geschleime im Anschreiben durch? Ich meine, da steht doch letztendlich immer das Gleiche." Der Personalchef gibt ihm recht. "Der erste Blick geht auf den Lebenslauf und die Zeugnisse. Das sind schnell zu erfassende Fakten. Wenn danach eine Einstellung noch möglich ist (das ist der deutlich geringere Anteil) lese ich den Rest", berichtet der Personaler. "Wenn dort die typischen Formulierungen aus (überflüssigen) Ratgebern stehen" lese er bereits mit wenig Konzentration weiter. "Ich schaue nur, ob zwischen den Absätzen noch wichtige Informationen stehen."

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Mehr Gehalt verhandeln

Und gibt es Tricks, wie man deutlich mehr Gehalt raushandeln kann? "Deutlich nicht, aber etwas schon", erklärt der Personalchef. Er würde von den Vorgesetzten vor einem Gespräch mit einem Mitarbeiter nur grobe Infos über dessen Arbeit bekommen. Hier kann der Mitarbeiter punkten. "Es hilft also, seine Aufgaben und seine Arbeit gut zu verkaufen und als besonders wertvoll darzustellen", so der Personaler. Aber er rät auch zur Vorsicht: Man sollte nicht direkt vor oder nach der Tariferhöhung über eine zusätzliche Gehaltserhöhung verhandeln, das wäre zeitlich ungeschickt. Und: Immer freundlich bleiben. "Allzu fordernde Kandidaten erwecken eher eine Gegenreaktion."

Bewerbung: Niemals über Ex-Arbeitgeber lästern

Der Personaler empfiehlt Bewerbern, auch mal mutig zu sein. Ist das Unternehmen aber  konservativ, ist es für Bewerber eher hinderlich, wenn sie ein allzu humorvolles Anschreiben und einen privaten Schnappschuss einsenden. Und sein absolutes No-Go? "Ganz wichtig: NIE NIE NIE über den alten Arbeitgeber lästern. Das ist für mich auch ein Ausschlusskriterium."

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kg
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