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Billiges Pfund: Auf nach London

Das schwache britische Pfund macht einen Urlaub in Großbritannien gerade richtig attraktiv: Durch den günstigen Wechselkurs können Urlauber aus der Eurozone auf der Insel regelrecht auf Schnäppchenjagd gehen. Die Briten hingegen denken langsam über die Einführung des Euro nach.

Die Bushaltestelle am berühmten Londoner Kaufhaus "Harrods": Nie zuvor war es dermaßen preiswert, zum Shopping nach Großbritannien zu reisen

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Ließe sich der Nationalstolz der Briten an einem Wechselkurs-Diagramm ablesen, dann wäre er nach dem zuletzt steilen Sturzflug völlig im Keller. Denn ihre geliebte britische Währung, das Pfund, rauschte auf immer neue Tiefstände. Arm dran sind alle Briten, die dieses Jahr ihren Skiurlaub im Euro-Land verbringen möchten. König dagegen ist, wer jetzt mit Euro in der Tasche auf die Insel reist. Ein Ausflug zu Weihnachten ins Luxuskaufhaus Harrods kann da fast schon zur Schnäppchentour werden.

Euro-Skeptiker geraten ins Wanken

Diese Woche näherte sich das Pfund sogar dem Wechselkurs von 1:1 zum Euro. Ein Schock für die Briten, die wegen der Finanzkrise sowieso schon arg gebeutelt sind. Nach den Worten von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sind die Euroskeptiker von der Insel nun so nahe an der Einführung des Euros wie noch nie.

Das mag vielleicht etwas übertrieben klingen. Aber der Verfall des Pfundes ist dramatisch, und die Frage, ob Großbritannien unter dem Schirm des ungeliebten Euros in der Finanzkrise nicht besser dran wäre, haben sich wohl schon viele Politiker heimlich gestellt. Bekam der Reisende diese Woche am Eurostar-Bahnhof in London für 100 Pfund nur noch 103 Euro, waren es vor acht Jahren noch 65 Euro mehr, rechneten Zeitungen den verunsicherten Briten vor. Von einer "Katastrophe" und einem "Debakel" war die Rede. Am Donnerstag sank das Pfund offiziell auf 1,127 Euro - einem Tiefststand seit der Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999.

Langfristig doch Beitritt?

Penibel achtet Premierminister Gordon Brown nun darauf, nicht vorschnell in eine Euro-Debatte gezogen zu werden. Das sei derzeit kein Thema, wischte der Premier die Bemerkungen von Barroso kürzlich zur Seite. Sein Wirtschaftsminister Peter Mandelson dagegen lieferte neuen Gesprächsstoff. Auf lange Sicht sei der Beitritt zur Euro-Zone angepeilt, sagte er. Nur jetzt, da wolle noch niemand etwas vom Euro wissen. Doch das Thema ist auf dem Tisch: "Man kann die Menschen nicht vom Denken abhalten", sagte der Ökonom Will Hutton. Der Euro lauert sozusagen im Vorzimmer der Downing Street.

Denn die Aussichten sind weiter trüb. Die Englische Notenbank senkte die Zinsen zuletzt auf zwei Prozent - so tief wie seit 57 Jahren nicht. Und niedrige Zinsen machen es für Investoren weniger attraktiv, Pfund zu halten. Auch wird erwartet, dass das Vereinigte Königreich im kommenden Jahr in die Rezession rutscht. Da ist auch die Aussicht, dass mit einem schwachen Pfund britische Exporte gefragter sind, nicht tröstlich. Denn Großbritannien lebt nicht von der Industrie sondern hauptsächlich vom Dienstleistungssektor.

Nur die Tourismus-Branche freut sich

Neben den Euro-Verdienern (den "glücklichsten Menschen der Welt", formulierte es ein Moderator der BBC) freut sich die Tourismusindustrie im Lande über den Verfall der Währung. "Das sind in gewisser Weise gute Nachrichten für uns", sagte PR-Manager Elliott Frisby vom Fremdenverkehrsamt Visit Britain, "wir werden die Leute in Deutschland oder Frankreich nun darauf hinweisen, dass es super Angebote für Großbritannien gibt."

DPA / DPA