Börse US-Rettungsplan befeuert den Dax


Hochstimmung an den Börsen: Nach Bekanntwerden eines Rettungsplans, mit dem Finanzminister Henry Paulson das US-Finanzsystem stabilisieren will, reagierten die Aktienmärkte mit einem Kursfeuerwerk. In Deutschland machte der Dax einen gewaltigen Sprung.

Nach einer turbulenten Börsenwoche hat der deutsche Aktienmarkt mit einem Kursfeuerwerk auf den Rettungsplan der US-Regierung für die amerikanische Finanzbranche reagiert. Der Dax schloss am Freitag mit einem Plus von 5,56 Prozent auf 6189,53 Punkte. Damit konnten die dramatischen Verluste im Laufe der Woche fast ausgeglichen werden, im Wochenvergleich stand damit nur noch ein Minus von 0,72 Prozent zu Buche. Der MDax gewann 5,38 Prozent auf 7819,17 Zähler. Der TecDax stand 5,05 Prozent höher bei 747,99 Punkten.

Nach der Zuspitzung der Finanzmarktkrise in den vergangenen Tagen arbeitet US-Finanzminister Henry Paulson zusammen mit der Notenbank an einer weitreichenden Lösung. In einem ersten Schritt richtete der Staat eine Einlagensicherung für Geldmarktfonds ein. "Es kehrt ein Stück Vertrauen in die Märkte zurück", sagte Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Finanzwerte in ganz Europa schnellten mit zweistelligen Gewinnraten in die Höhe. Commerzbank-Aktien stiegen mit plus 20,05 Prozent auf 15,87 Euro an die Dax-Spitze. Deutsche-Bank-Papiere gewannen 14,36 Prozent auf 57,50 Euro. Die Aktien der Allianz legten um 12,43 Prozent auf 100,51 Euro zu.

Teilweise verlief der Handel extrem nervös. Aktien der Deutschen Börse rutschten am Nachmittag ohne fundamentale Neuigkeiten ins Minus, um dann nur noch mit einem Plus von 0,41 Prozent auf 63,75 Euro zu schließen. Aktien von Volkswagen gaben einen Teil ihrer kräftigen Wochengewinne ab und fielen mit minus 13,82 Prozent auf 262,00 Euro ans Dax-Ende. In den vergangenen vier Handelstagen stand dennoch ein Plus von 26 Prozent zu Buche. Analysten und Händler zeigten sich etwas ratlos: "Fundamental ist die Kursbewegung der Stammaktien nicht zu erklären", sagte Robert Heberger von Merck Finck.

In Europa fielen die Kursgewinne noch stärker aus. Der EuroStoxx 50 stieg um 8,40 Prozent auf 3252,93 Zähler. Die Börsen in London und Paris verbuchten ebenfalls ein Plus von rund 9 Prozent. Der Dow-Jones-Index stand zu Börsenschluss in Europa rund 3,5 Prozent im Plus.

Risiken des Finanzsystems auf dem Prüfstand

"Wir beschäftigen uns mit einem Ansatz, die systemischen Risiken in den Kapitalmärkten anzugehen", hatte Paulson in Washington gesagt. Es gehe um eine umfassende Herangehensweise, die per Gesetz das Problem der nicht-liquiden Vermögenswerte in den Bilanzen bewältigen soll.

Die Lösung wäre ähnlich wie beim Vorgehen in der schweren Krise von amerikanischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den späten 1980er Jahren, berichtete der Sender CNBC. In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und "faule Kredite" gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten.

Eine solche Lösung würde nach Ansicht ihrer Befürworter die Bilanzen der Banken von Lasten befreien und ihnen einen normalen Geschäftsbetrieb ermöglichen. Auch müssten nicht mehr wie bisher Rettungsaktionen für einzelne Geldhäuser gestartet werden. In der Folge wären Banken eher bereit, Geld zu verleihen.

Rettungsplan könnte auch Morgan Stanley helfen

Der Rettungsplan könnte auch der um ihre Zukunft ringenden US-Investmentbank Morgan Stanley helfen. Das Traditionshaus verhandelt derzeit laut Medien einerseits mit dem viertgrößten US-Finanzkonzern Wachovia über eine Fusion. Parallel versuche die Bank aber weiter, ihre Unabhängigkeit zu retten - womöglich mit Kapital von Chinas Staatsfonds CIC. Dieser könnte seine Beteiligung von bereits zehn auf bis zu knapp 50 Prozent aufstocken.

Die US-Justiz geht unterdessen wegen der Börsenturbulenzen verschärft gegen Spekulanten vor. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte umfassende Ermittlungen zu böswillig gestreuten Gerüchten und illegalen Praktiken bei Börsenwetten auf fallende Kurse an. Heftige Kursstürze hatten zuletzt Investmentbanken und den US-Versicherer AIG an den Rande des Abgrunds getrieben oder wie im Fall von Lehman Brothers sogar in die Insolvenz gestürzt.

DPA DPA

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