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Studie Warum es nicht reicht, neue Bäume zu pflanzen, um den Klimawandel aufzuhalten

Alte Wälder haben eine enorme Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel
Alte Wälder haben eine enorme Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel
© Getty Images
Um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern, setzen viele Politiker auf das Pflanzen von Bäumen – darunter auch US-Präsident Donald Trump. Neuere Studien legen jedoch nahe, dass dies der Umwelt vor Ort schaden kann.

Bäume nehmen klimaschädliches Kohlendioxid auf, speichern es und geben Sauerstoff wieder ab. Diesen komplizierten Vorgang lernt jedes Kind vereinfacht schon in der Grundschule. Da liegt es nahe, das Pflanzen von Bäumen als eine der Hauptwaffen gegen den Klimawandel einzusetzen. Keine schlechte Idee, aber an der Umsetzung des Plans hapert es.

Wie neue Studien nahe legen, könnte die Politik mit Baumpflanzungsinitiativen, wie der "One Trillion Trees Campaign", die Donald Trump mit unterstützt, einen großen Fehler machen. Forscher aus Stanford und anderen Forschungseinrichtungen belegten anhand des chilenischen Gesetzesdekrets 701, was bei den Initiativen nicht bedacht wird. Das Gesetz war von 1974 bis 2012 in Kraft und ließ die Regierung die Aufforstung in Chile mit bis zu 75 Prozent der Anschaffungs- und laufenden Kosten unterstützen.

Hierbei wurden jedoch nur diejenigen Projekte unterstützt, die neue Bäume pflanzten, nicht jedoch diejenigen, die sich um den Erhalt alter Waldflächen bemühten. Dadurch wurde der Ersatz diverser Wälder durch profitablere Baumplantagen vorangetrieben und subventioniert. 

Lebensbedingungen für Tiere ändern sich

Die Forscher beobachteten, dass die von Bäumen bedeckte Fläche zwar wuchs, jedoch die Waldfläche sank. Zusätzlich stellten sie fest, dass in den Plantagen weniger Kohlenstoffdioxid gespeichert werden kann als in den herkömmlichen Wäldern. Mit der Reduktion der alten Waldfläche sank also das Speichervolumen an COsowie die Biodiversität der Natur in den Wäldern. Die Lebensbedingungen für viele Tiere änderten sich rapide. Wo Rehe vorher im Unterholz verschwanden und Igel durch Blätterhaufen wühlten, andere Kleintiere Schutz vor ihren Feinden suchten und wildes Gestrüpp zum Ökosystem "Wald" beitrug, erstreckten sich nun stumpfe Baumreihen von Plantagen. Natürlich litten auch die kleinen Pflanzen darunter, ihnen fehlte der Schutz vor zu viel Sonne und das empfindliche Zusammenspiel mit anderen Pflanzen des natürlichen Systems wurde gestört.

Eine andere Forschungsgruppe aus China, den USA und Spanien testete Böden in China in Zusammenhang mit der Aufforstung und sammelte Daten über den Kohlenstoffgehalt des Bodens. Sie stellten fest, dass die Aufforstung zwar den Kohlenstoffgehalt des Bodens, der vorher weniger enthielt, erhöhte, jedoch andersherum den Gehalt in kohlenstoffreichen Böden senkte – vor allem in tieferen Erdschichten. Im Gesamtkontext belegten die Forscher die Überschätzung der Aufnahme von COdurch Wälder.

Beide Studien wurden in der Zeitschrift "Nature Sustainability" veröffentlicht und legen nahe, dass das Pflanzen von Bäumen – beziehungsweise das bloße Anlegen von Baumplantagen mit zusätzlichem wirtschaftlichem Nutzen – nicht die Wunderwaffe gegen den Klimawandel ist. Vielmehr sollten sich die Menschen den vorhandenen Wäldern und ihrem Erhalt widmen, sie vergrößern und pflegen. 

Gegenüberstellung von grüner Wiese und einer verdorrten Wiese

Wälder schützen statt Bäume pflanzen

Naturschutzorganisationen wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) plädieren schon länger für eine naturnahe Lösung, um nicht nur das Klima, sondern auch die Artenvielfalt zu schützen. In Nordrhein-Westfalen, wo vor einigen Jahren ein Orkan weite Teile der Wälder verwüstete, wurden aus vielen der Flächen Weihnachtsbaumplantagen. Mehrere 1000 Hektar wurden laut Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW, einfach nicht wiederhergestellt. 

Bäume und vor allem Wälder können ihren Beitrag zur Verbesserung des Klimawandels leisten. Das Pflanzen von Bäumen ist sicher besser, als nichts zu tun, jedoch sollte die Pflege von Wäldern und ihre Erweiterung deutlich größer geschrieben werden, als das kommerziell beliebte Baumpflanzen auf Plantagen. Die Verlockung, schnellwachsende Baumarten komplizierten Ökosystemen wie Wäldern vorzuziehen, ist groß. Trotzdem erinnert auch der NABU daran, dass der Erhalt von Wäldern das langfristige Ziel sein sollte. Arten schützen und den Klimawandel verlangsamen kann nicht nur mit Baumplantagen geschafft werden.

Quellen: Naturschutzbund Deutschland e.V. / BBC / Nature Sustainability


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