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Bonnie Brown: Mit Massagen zur Multi-Millionärin

Als die Masseurin Bonnie Brown 1999 mit ihrem neuen Arbeitgeber um ihr Gehalt verhandelte, verlangte sie eher im Scherz Aktienoptionen. Sie bekam den Job, die Aktienoptionen und hörte wenig später als reiche Frau wieder bei Google auf.

Von Ulrike von Bülow, New York

Wenn Bonnie Brown ihre zauberhafte Geschichte erzählt, kichert sie manchmal so verschämt wie ein Mädchen, das sagt, es habe gerade eine Fee getroffen und nun einen Wunsch frei. Das Mädchen weiß, dass keiner die Geschichte glaubt, aber es weiß auch, sie ist wahr. Ich eine Multi-Millionärin? Hihi!

Bonnie Brown, 52, die mit ihren schulterlangen, blonden Haaren und ihrem schmalen Gesicht der Harry Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling ziemlich ähnlich sieht, hat ihre Autobiografie geschrieben: "Giigle - How I Got Lucky Massaging Google", wie ich damit glücklich wurde, Google zu massieren. Sie liest sich wie ein modernes Dotcom-Märchen.

"Emotionales Koma"

Brown ist mit Google-Aktien reich geworden. Dass sie vor acht Jahren bei der Firma im Silicon Valley landete, damals noch ein Firmchen, war reiner Zufall. Sie hatte keine Ahnung, was da passierte, sie konnte nicht mal einen Computer bedienen. Und glücklich war sie auch nicht. Bonnie Brown befand sich in einem "emotionalen Koma", wie sie es nennt. Sie wurde nach 25 Jahren Ehe von ihrem Mann geschieden, löste den Haushalt auf, in dem sie die zwei Töchter groß gezogen hatte, kündigte ihren Job als Englisch-Lehrerin und fuhr in ihrem ollen Honda Accord zu ihrer Schwester Chris nach Los Gatos im Silicon Valley. "Ich wollte bei ihr bleiben, bis mir klar war, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen sollte", sagt Brown.

Sie schrieb sich an einer Schule ein, in der Masseure ausgebildet werden, genau das Richtige für sie: "Es war sehr entspannend, andere zu massieren und selbst massiert zu werden." Eines Tages rief eine Bekannte an und sagte, sie habe in der Zeitung eine Anzeige gelesen: eine Start-Up-Firma namens Google suche eine "In-house Masseuse". "Google?", fragte belustigt Brown. "So heißt doch keine Firma!" Google, 1998 von Larry Page und Sergei Brin gegründet, hatte keine 40 Angestellte, als Brown ihre Bewerbung dorthin faxte - und prompt einen Anruf erhielt: "Hi, Bonnie, hier ist Leesa von Google, ich lese gerade deine Bewerbung und sehe, wir haben die selbe Adresse. Ich glaube, du wohnst über mir!"

"Ich nehme noch ein paar Aktienoptionen dazu"

Die Nachbarin lud sie ein, und Brown fuhr in die Google-Zentrale in Mountain View. Sie musste Sergei Brin probemassieren; Brin wirkte ziemlich abwesend, sie hatte nicht das Gefühl, dass er ihr den Job geben würde, aber dann hieß es: Wir zahlen dir 45 Dollar pro Stunde, du arbeitest zehn Stunden die Woche. Okay, sagte Brown, "aber dann nehme ich noch ein paar Aktienoptionen dazu." Hihi. Sie kichert, wenn sie das erzählt. "Alle im Silicon Valley redeten ja von solchen Sachen, ich dachte, ich sollte das einfach auch mal versuchen."

Sie bekam, was sie wollte, das war damals so üblich; Brown ist nicht die einzige Google-Mitarbeiterin, die reich wurde, aber sie hat die beste Geschichte. Sie beschreibt, wie sich eine planlose Masseuse in dieser Computer-gesteuerten Welt zurechtfindet. Einmal saß sie ratlos vor ihrem schwarzen Monitor - nichts ging mehr - und bat zwei junge Männer um Hilfe. "Die guckten kurz, lachten sich kaputt, schrieben ein Wort auf einen Zettel und gingen." Auf dem Zettel stand: "Strom".

Bonnie Brown sagt nicht, wie viele Aktien sie verkauft hat und wieviele sie noch besitzt, aber Google ging 2004 an die Börse und Brown ein Jahr später in den Ruhestand; anfangs war eine Aktie 85 Dollar wert, heute kostet sie fast 700 Dollar.

Browns Buch wurde bislang weder veröffentlicht, noch gibt es einen Verlag dafür, aber man kann es im Internet lesen (www.giiglebook.com). Die "New York Times" hat darüber berichtet, einen Tag später saß Brown im amerikanischen Frühstücksfernsehen. Sie hat eine Wohltätigkeitsorganisation gegründet, und wenn sie nicht um die Welt reist, um armen Menschen zu helfen, lebt sie auf einem großzügigen Anwesen in Nevada. Sie hat einen privaten Pilates-Trainer und einmal die Woche kommt ein Masseur vorbei.