Boykott Stell Dir vor, es ist Krieg - und keiner kauft Coca-Cola


Die Gegner des Irak-Kriegs wollen die USA jetzt dort treffen, wo es am meisten wehtut: In der Wirtschaft. Rund um den Globus rufen sie zum Boykott amerikanischer Produkte auf.

Der Krieg im Irak wird auch für billiges Öl und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten geführt. Viele Kriegsgegner sehen in den ökonomischen Interessen gar das wichtigste Motiv der Supermacht. Für viele Menschen ist der Waffengang nur der sichtbarste Beweis für den amerikanischen Versuch, die Welt zu dominieren. Auf kaum einem anderen Feld, die militärische Schlagkraft ausgenommen, ist die Dominanz der USA so deutlich wie in der globalen Welt der Marken. Was liegt also näher, als die Amerikaner genau dort zu treffen?

McDonald's-Filiale in Lyon besetzt

Wenn keiner mehr zu McDonald's ginge, niemand mehr Coca-Cola tränke oder Exxon-Benzin tanke, so das Kalkül der Kriegsgegner, würden das die USA vielleicht zum Umdenken bewegen. Auf Demonstrationen rufen Aktivisten deshalb verstärkt zum Boykott von US-Produkten auf - in Sprechchören in Bern, auf Flugblättern in Paris. In Lyon besetzten mehrere Hundert Demonstranten aus Protest gegen den "Kolonialkrieg" im Irak eine Stunde lang ein McDonald's-Restaurant.

Das italienische Kommittee "Fermiamo la guerra", eine Dachorganisation der Kriegsgegner Italiens, die am 15. Februar drei Millionen Demonstranten zu einem Marsch versammelte, hat zum Boykott aller US-Firmen aufgerufen, deren Geschäftsinteressen direkt mit dem Irak-Krieg verbandelt sind - besonders die großen Ölfirmen Exxon, Texaco, Amoco und Chevron. Schon kam es zu Demonstrationen und kurzen Blockaden italienischer Tankstellen.

Boykott-Liste enthält das Who is Who der globalen Markenaristokratie

Selbst im fernen Island verteilen Aktivisten Flugblätter, die zum Boykott von US-Waren aufrufen. Zwar sei der Boykott-Effekt bei lediglich 280.000 Isländern wohl gering, so die Initiatoren einsichtig, doch sei die Aktion ein "wichtiges Symbol". Die wichtigsten Namen auf der schwarzen Liste lesen sich wie das Who is who der internationalen Marken-Aristokratie: Pepsi, Ford, Wal-Mart, Gap, Motorola, Disney, IBM, Time Warner/AOL, BP Amoco. Auf einer Liste englischer Grüner finden sich mehr als 330 Namen.

Noch sind es vor allem Einzelaktionen, die für Aufsehen sorgen, auch in Deutschland: Restaurants verteilen kein Heinz-Ketchup mehr, in Bars ist Coca Cola tabu, selbst Hollywood-Filme finden sich plötzlich im Abseits. Vor allem französische Restaurants wittern die Chance für eine Retourkutsche für die Weigerung der Amerikaner, französischen Wein und Käse zu kaufen. Die Bewegung wächst -vor allem über SMS, Mailing-Listen, Chat-Foren und Internet-Sites wie www.boycottwar-net oder boycottusa.org.

Mit Zam Zam Cola gegen die Supermacht

In der arabischen Welt ist die Idee nicht neu: Seit zwei Jahren schon boykottieren dort viele Menschen US-Waren - vor allem wegen der US-Unterstützung der harten Linie von Israels Premier Ariel Scharon im Nahost-Konflikt. Im Februar 2001 zündeten Demonstranten eine Filiale von Kentucky Fried Chicken im pakistanischen Karatschi an. Von sechs jordanischen McDonald's-Filialen gingen vergangenes Jahr zwei pleite.

Der Boykott funktioniert besonders gut, wenn die Ausweichmöglichkeiten attraktiv sind. So gibt es etwa für Coca Cola und Pepsi inzwischen diverse arabische Surrogate: Star Cola etwa oder Zam Zam Cola. Beide werden der Nachfrage nur mit großer Mühe Herr - kaum einer, so scheint es, möchte noch die braune Brause des vom verhassten Uncle Sam trinken.


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