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Drohendes Grenzchaos Angst vor No-Deal-Brexit: Britische Importeure horten schon mal Alkohol für Weihnachten

Damit auch bei einem No-Deal-Brexit die Gläser voll bleiben, füllen britische Alkohol-Importeure vorzeitig ihre Lager
"Wohlsein": Damit auch im Falle eines ungeregelten Brexits die Gläser voll bleiben, füllen britische Alkohol-Importeure vorzeitig ihre Lager
© Peter Byrne / DPA
Ein No-Deal-Brexit könnte den Warenverkehr Großbritanniens mit der EU stark beeinträchtigen. Britische Alkohol-Importeure beeilen sich deshalb, ihre Lager zu füllen, damit an Weihnachten niemand "dursten" muss.

Am 31. Oktober wird Großbritannien die Europäische Union verlassen - zumindest, wenn es nach Boris Johnson geht. Ob es bis dahin ein Abkommen mit der EU gibt oder nicht, macht für die Austrittsabsichten des Premierministers keinen Unterschied. Er würde auch einen No-Deal-Brexit in Kauf nehmen. Britische Unternehmen sind da nicht ganz so entspannt. Importeure im ganzen Land hätten damit begonnen, Bier, Wein und Spirituosen zu lagern, weil sie befürchteten, dass ein ungeregelter Brexit die Alkohol-Versorgung während der Weihnachtsfeiertage und an Silvester beeinträchtigen könnte, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet.

Brexit-Deadline kollidiert mit Weihnachtsgeschäft

"Während sie sich beeilen, ihre Einfuhren vorzuziehen, warnen Firmen davor, dass die Brexit-Deadline am 31. Oktober mit der Vorweihnachtszeit kollidiert, wenn das Importvolumen steigt, Zeitarbeitskräfte eingestellt werden und die Lagerflächen knapp werden", schreibt das Blatt. Laut einer Umfrage des Chartered Institute of Procurement and Supply (Cips) habe mehr als ein Fünftel der Unternehmen Maßnahmen ergriffen, um Lagerbestände früher als üblich aufzufüllen und dadurch Lieferproblemen im Falle eines No-Deal-Brexits vorzubeugen.

"Es betrifft vor allem Wein aus der EU", zitiert der "Guardian" den Cips-Ökonomen John Glen. "Die Unternehmen haben in diesem Jahr lange vor Weihnachten eingekauft, weil es in den Häfen zu Störungen kommen könnte, und um eine Abwertung des Pfund Sterling gegenüber dem Euro zu vermeiden."

Auf ihren geliebten Champagner müssen die Briten daher während der Festtage wohl nicht verzichten. Produzenten des edlen französischen Schaumweins versicherten der Nachrichtenagentur Reuters, "die britische Vorliebe fürs Perlen" werde nicht unter möglichen Brexit-Störungen leiden, da die meisten Hersteller ihre Lieferungen nach Großbritannien bereits seit dem letzten Jahr gesteigert hätten. Großbritannien ist mit 26,8 Millionen Flaschen jährlich der größte Exportmarkt für Champagner.

Ökonom warnt vor "katastrophalen Folgen"

Ein internes Papier über mögliche Folgen eines ungeregelten EU-Austritts, das die britische Regierung vergangene Woche auf Druck des Parlaments veröffentlichen musste, warnt vor tagelangen Wartezeiten für Lastwagen am Ärmelkanal und daraus resultierenden Lieferengpässen bei Importwaren. Der Lkw-Durchlauf an der Grenze könnte demnach innerhalb eines Tages um 40 bis 60 Prozent gegenüber dem derzeitigen Niveau sinken, da bis zu 85 Prozent der Lastwagen nicht auf Zollkontrollen vorbereitet seien und sich in den Häfen auf beiden Seiten des Kanals stauen würden.

Unternehmen sorgten sich um ihre Fähigkeit, die Weihnachtszeit zu überstehen, sagte Cips-Ökonom Glen dem "Guardian". "Massenhafte Störungen an der Grenze während dieser Zeit könnten katastrophale Folgen haben." Die Betriebe müssten deshalb mit so viel Details und Unterstützung wie möglich versorgt werden, "damit sie die Festtage überleben können."

Quellen: "The Guardian"Reuters

mad

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