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Filialleiterin aus München: "Wir wollen Burger King nicht sterben sehen"

Carmen Winkler-Ilijic ist stellvertretende Filialleiterin und seit 23 Jahren bei Burger King. Nun bangt sie wie 3000 andere Mitarbeiter um ihren Job. Sie will weitermachen - unbedingt.

Von Daniel Bakir

Wie geht es weiter mit Yi-Ko und Burger King? Während hinter den Kulissen über die Zukunft der 89 geschlossenen Restaurants verhandelt wird, bangen 3000 Mitarbeiter um ihre Jobs. "Die Filialen sind zu und die Mitarbeiter stehen im Regen", sagt Carmen Winkler-Ilijic dem stern. Sie ist stellvertretende Filialleiterin des Restaurants am Münchner Hauptbahnhof. Wie es mit ihr und ihren 40 Mitarbeitern weitergeht, weiß sie nicht. "Es wurde per Mail kommuniziert, dass die Gehälter weiter gezahlt werden." Das war allerdings letzte Woche. Ob die Aussage heute noch etwas wert ist und das Geld am Monatsende tatsächlich kommt, bleibt abzuwarten.

Mit einigen Mitarbeitern steht Carmen Winkler-Ilijic privat in Kontakt. An die übrigen Kontaktdaten kommt sie derzeit nicht heran, weil die Filiale mit einer Stahlkette versperrt ist. Sie ist sauer auf Ergün Yildiz, den Geschäftsführer der Yi-Ko Holding, dessen skandalöse Methoden auch zur Schließung ihrer Filiale geführt haben. Die Burger-King-Uniform würde sie aber am liebsten schon morgen wieder anziehen. "Ich bin seit 23 Jahren hier angestellt, das will ich nicht wegwerfen", sagt die 41-jährige Mutter.

Yildiz kürzte Gehalt um 300 Euro

Winkler-Ilijic war schon lange vor dem Einstieg von Yi-Ko dabei - und sie würde gerne ohne Yi-Ko weitermachen. "Burger King ist nicht Yildiz. Die Fehler, die gemacht wurden, darf man nicht Herrn Bork vorwerfen", sagt sie. Herr Bork ist der Deutschlandchef von Burger King, der sich zuletzt nicht mehr anders zu helfen wusste, als die Verträge mit Yi-Ko fristlos zu kündigen. "Mit der Kündigung der Verträge hat Burger King richtig gehandelt, Yildiz war einfach untragbar", meint Winkler-Ilijic. Sie sagt aber auch: "Einem so verantwortungslosen Menschen hätte man nicht so viele Filialen anvertrauen dürfen."

Dass Yildiz nicht der richtige Mann für den Job ist, war ihr schnell klar. Nur einen Monat nachdem Yi-Ko ihre Filiale von Burger King übernommen hatte, kürzte man ihr das Gehalt um 300 Euro. Übertarifliche Bezahlung für langjährige Mitarbeiter mit Berufserfahrung? Nicht mit Yildiz. "Viele erfahrene Manager und Filialleiter wurden weggemobbt und unerfahrene Leute hereingeholt", sagt auch eine andere Filialleiterin, die lieber anonym bleiben will. Und wo gespart wird, passieren eben schneller Fehler.

Geht es weiter ohne Yildiz?

Was Winkler-Ilijic und viele ihrer Kollegen aber an der Debatte stört: Nicht nur Yi-Ko, sondern Burger King insgesamt wird durch die Debatte beschädigt. Laut einer stern-Umfrage verzichtet jeder dritte Burger-King-Kunde vorerst auf einen Besuch der Restaurants.

"Bei anderen Franchise-Filialen läuft es super. Die haben genug Personal und arbeiten seriös. Das darf jetzt nicht kaputt gehen", sagt Winkler-Ilijic. Sie wünscht sich, dass Burger King die Filialen selbst übernimmt oder sie einzeln an verschiedene Franchisenehmer weitergibt. Auf jeden Fall soll es weitergehen: "Wir leben für die Marke Burger King und wollen sie nicht sterben sehen."

Yildiz hat seine Anteile an Yi-Ko mittlerweile an seinen bisherigen Geschäftspartner Alexander Kolobov abgegeben. Der Russe verhandelt nun allein mit Burger King über eine Wiedereröffnung der Filialen. Ob die Filialen mit ihm eine Zukunft haben? Die Mitarbeiter sind unentschlossen, was sie davon halten sollen. "Kolobow ist der Geldgeber, sonst weiß man fast nichts über ihn", sagt eine Filialleiterin. Andererseits: "Wer die Filialen übernimmt, ist egal. Hauptsache, er behandelt die Leute fair und schikaniert sie nicht. Jeder ist besser als Yildiz."

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