Trinkbeutel-Hersteller
Capri-Sun gibt im Kampf um Plastikstrohhalme nicht auf

Trinkbeutel der Marke Capri-Sun
Eine Petition von Capri-Sun für die Rückkehr zum Plastikhalm floppte – trotzdem verhandelt der Hersteller weiter mit der EU
© Frank Hoermann/SVEN SIMON / Imago Images

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Der Papierstrohhalm der Capri-Sun lasse sich schlecht in den Trinkbeutel stechen, sagen Verbraucher. Capri-Sun will deshalb zurück zu Plastik – zum Ärger von Umweltschützern.

Glänzender Trinkbeutel, oranges Plastikhälmchen – so kennen viele das Fruchtsaftgetränk Capri-Sun, früher noch unter dem Namen Capri-Sonne. Doch seit 2021 ist der Plastikhalm Geschichte, dank eines EU-Verbots für Einwegplastik. Seitdem steckt ein Papierhalm im Fruchtsaftgetränk.  

Die Umstellung sorgt für Kritik: Der Papierhalm lasse sich schwerer in den Beutel einstecken, werde weich und hinterlasse einen Papiergeschmack, bemängelten Verbraucher. Capri-Sun hat den Halm nach eigenen Angaben bereits mehrfach verbessert.

Das reicht dem Trinkbeutel-Hersteller nicht. Mit einer Online-Petition wollte man eine Million Unterschriften sammeln, um den Plastikhalm zurückzubringen – mit der entsprechenden Zulassung der EU.

Eineinhalb Jahre nach dem Start der Aktion zeigt sich allerdings: Das Interesse fällt mau aus. Weniger als 169.000 Unterschriften registrierte die Plattform Change.org, wie kürzlich auch der SWR berichtete. „Die Petition wird aktuell nicht weiter aktiv durch uns beworben“, teilte das Unternehmen mit. Doch Capri-Sun verfolgt sein Ziel weiter – sehr zum Ärger von Umwelt- und Verbraucherschützern.

Capri-Sun will Trinkhalme aus Polypropylen

Es bestehe ein „konstruktiver Austausch“ mit der Europäischen Kommission, teilte das Unternehmen nun mit. Während die EU 2019 Einwegplastikprodukte wie Trinkhalme verboten habe, wolle sie mit der neuen EU-Verpackungsverordnung die Recyclingfähigkeit von Verpackungen erhöhen, kritisiert Capri-Sun. Das Unternehmen will demnach den Strohhalm aus dem gleichen Material herstellen wie den Trinkbeutel: dem Kunststoff Polypropylen. Damit könne das ganze Produkt besser recycelt werden, argumentiert Capri-Sun.

Einen eindeutig auf den Papierstrohhalm zurückzuführenden Absatzrückgang beim 200-Milliliter-Trinkbeutel konnte Capri-Sun nach eigenen Angaben allerdings nicht feststellen. Capri-Sun produziert in Eppelheim bei Heidelberg. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Zug in der Schweiz – wo das EU-Verbot von Einwegkunststoffprodukten nicht gilt.

Umwelthilfe spricht von „Armutszeugnis“

Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren die Pläne von Capri-Sun. „Der anhaltende Kampf von Capri Sun für Einweg-Plastikstrohhalme ist aus Umweltsicht nicht nachvollziehbar und ein Armutszeugnis“, sagte Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe. „Die kleinen Trinkbeutel sind vor allem für den Konsum unterwegs konzipiert und landen entsprechend oft in der Umwelt.“ Jedes zusätzliche Plastikelement verbleibe viele Jahre in der Umwelt und zersetze sich allmählich zu Mikroplastik, welches sich in Nahrungsketten und Organismen anreichere, sagte Wohlgemuth.

Auch die Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg sieht die „erhebliche Gefahr“, dass solche Trinkbeutel nicht vollständig im Gelben Sack landen. „Im Hinblick auf Ressourcenschonung und Umweltschutz halten wir diese Verpackungsgestaltung für nicht mehr zeitgemäß“, teilte eine Referentin mit. „Stattdessen sollte Capri-Sun mit gutem Beispiel vorangehen und auf nachhaltige Mehrweglösungen umsteigen – ganz ohne Trinkhalm.“

EU verweist auf die Vermüllung durch Einwegplastik

Die EU-Kommission bestätigte den Austausch mit Vertretern von Capri-Sun und verwies auf eine Überprüfung des Verbots bis zum kommenden Jahr. Allerdings betonte eine Pressesprecherin, die EU-Kommission habe sich vor Einführung des Verbots von Einwegplastikprodukten intensiv mit verschiedenen Interessengruppen beraten. Dabei habe sich eine grundlegende Anerkennung der „Plastikverschmutzungskrise“ gezeigt sowie Unterstützung dafür, das Thema Vermüllung durch Einwegplastik anzugehen.

DPA
rw/Stefanie Järkel