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Goldener Windbeutel 2013: Wie Capri-Sonne Kinder ködert

Viel Zucker, nichts für Kinder: Foodwatch verleiht Capri-Sonne den "Goldenen Windbeutel" - für aggressives Marketing und dreiste Werbelügen. Die Abstimmung nahm durch ein satirisches Video Fahrt auf.

Von Daniel Bakir

Die Verbraucherorganisation Foodwatch und der Getränkehersteller Wild werden wohl keine Freunde mehr werden. Während Wild sein Tütchengetränk Capri-Sonne gerne mit positiv-jugendlichen Sommerbildern bewirbt, verpasst Foodwatch der strahlenden Marke ein paar hässliche Schatten: Capri-Sonne erhält in diesem Jahr den von Foodwatch ausgelobten Negativpreis "Goldener Windbeutel" für besonders perfide Werbelügen und Verbrauchertäuschung.

Bei der zugehörigen Online-Abstimmung mit rund 120.000 Teilnehmern trug das Capri-Sonne-Marketing den Sieg als "dreisteste Werbemasche für Kinderprodukte" davon. Vorausgegangen war ein PR-Scharmützel, das wohl nicht unerheblich dazu beigetragen hat, dass der Soft-Drink die meisten Anti-Stimmen der fünf Nominierten bekam.

Foodwatch wirft dem Unternehmen vor, sich mit seinem Marketing gezielt an Kinder zu wenden, obwohl das zuckerhaltige Getränk für diese ganz und gar nicht gesund ist. Das Getränk enthalte noch mehr Zucker als Fanta und sei ein Dickmacher ersten Ranges. "Capri-Sonne wirbt, damit Kinder immer mehr zuckrige Soft-Drinks trinken - aus gesundheitlichen Gründen wäre es jedoch dringend geboten, sie würden weniger davon trinken", sagt Oliver Huizinga von Foodwatch. Die Organisation kritisiert vor allem, dass Capri-Sonne gezielt die Nähe zu Schule und Sportveranstaltungen für Kinder sucht. Bis vor kurzem habe der Hersteller sogar werbliches Unterrichtsmaterial an Grundschullehrer verteilt.

Zu viel Zucker in Kinderlebensmitteln. Sollte man das verbieten?

Capri-Antwort sorgte für Spott-Video

Der Hersteller reagierte auf die Nominierung am 18. April umgehend mit einer empörten Pressemitteilung. Der Zuckergehalt liege nicht über dem von Fruchtsaft und sei korrekt deklariert, schrieb der Hersteller darin. Auch Unterrichtsmappen für Lehrer werden laut Wild schon lange nicht mehr vertrieben. Und überhaupt: "Es ist nicht richtig, dass Capri-Sonne an Kinder vermarktet wird."

Mit dieser offensiven Antwort liefen die Capri-Leute Foodwatch eine Steilvorlage. In einem ironisch-bösen Entschuldigungsvideo nahmen sie die Capri-Verteidigung auseinander. Es endete mit dem ironischen Aufruf: "Bitte wählt einen anderen Kandidaten". Das Video wurde auf Youtube mehr als 340.000 Mal geklickt und war auch auf der Goldener-Windbeutel-Homepage zur Abstimmung prominent platziert.

Foodwatch würdigt mit dem Goldenen Windbeutel seit 2009 die aus ihrer Sicht dreistesten Werbelügen. Frühere Negativpreisträger sind Hipp, Ferrero, Zott und Danone. In diesem Jahr ging es speziell um Werbemaschen bei Kindern. Die weiteren Kandidaten waren der Joghurt "Monsterbacke" von Ehrmann, der Pom-Bär-Snack von Funny-frisch, die Nestlé-Frühstücksflocken "Kosmostars und Dr. Oetkers Kuhflecken-Pudding "Paula". Foodwatch fordert ein grundsätzliches Verbot von Kinderwerbung für unausgewogene Produkte.

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