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Plastiklatschen: Crocs schließt Fabriken und Läden - so will sich der Kultschuh dennoch retten

Sie sind bunt, bequem - und wahnsinnig hässlich: Crocs, die knubbeligen Plastiklatschen, sind Kult. Dennoch steckte das Unternehmen lange in der Krise. Ein rigoroser Umbau zeigt nun Wirkung.

Crocs baut um

Crocs - bunt, bequem und leider ziemlich hässlich.

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Dass Gartenschuhe aus Plastik mal Kultstatus erlangen würden, hätte wohl auch keiner gedacht. Aber Crocs, die Kunststofflatschen mit dem Fersenbügel, haben genau das geschafft. Die Fans schwören auf die bequemen und leichten Schuhe, in die man einfach reinrutschen kann. Arztschwestern und Kinder, Gärtner und Marktverkäufer - und bestimmt auch der ein oder andere wirklich Modebewusste - lieben ihre neon-kreischenden Schuhe. Alle anderen fragen sich bis heute, wie Menschen, die bei Verstand sind, sich freiwillig mit solchen Tretern vor die Tür trauen können.

Fakt ist: Crocs haben die Füße der Welt im Sturm erobert. 2002 kommen drei Gründer aus Boulder im US-Staat Colorado bei einem Bootsausflug auf die Idee, wasser- und pilzresistente Pantoffel zu entwickeln. Eigentlich sollen es Bootslatschen werden. Doch Crocs werden schnell der Renner. 2006 geht das Unternehmen an die Börse, die Firma erlöst damit aus dem Stand 200 Millionen Dollar. Die Plastikschuhe legen eine ungeahnte Erfolgsgeschichte hin: Lag der Umsatz 2003 noch bei rund einer Million Dollar, sind es 2007 schon 847 Millionen Dollar. In dem Jahr notiert die Aktie von Crocs bei rund 75 Dollar.

Gut ein Jahr später sind es gerade noch 1,80 Dollar. Crocs hat es versäumt, die eigene Marke weiterzuentwickeln. Diejenigen, die Fans der Dinger geworden sind, hatten sich eingedeckt. Und alle anderen blieben bei der Meinung, die sie von Anfang an hatten: Hässliche, klobige Treter. Der Markt war gesättigt. Und das Crocs-Management ratlos.

Der Absturz von Crocs

Ende Oktober 2007 gibt Crocs bekannt, dass mit sinkenden Umsätzen zu rechnen ist. Die Aktie bricht um 40 Prozent ein. Im April 2008 folgt eine Gewinnwarnung.  

Im Jahr 2014 beginnt der radikale Umbau. Hunderte unprofitabler Läden werden dicht gemacht, das Sortiment eingedampft, Strukturen im Unternehmen verändert. All das kostet viel Geld. Crocs rutscht in die roten Zahlen. Und baut weiter um.

Anfang der Woche präsentierte Crocs die Zahlen für das zweite Quartal 2018 und kann einen Gewinnsprung vermelden. Zwischen April und Juni machte das Unternehmen einen Umsatz von 328 Millionen Dollar - das entspricht einem Plus von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung ist auch dem radikalen Umbau der Firma zu verdanken. 

Crocs baut um

So werden die beiden letzten Fabriken in Italien und Mexiko geschlossen. Die Schuhe sollen künftig in anderen Fabriken, die nicht mehr selbst betrieben werden, hergestellt werden. Wo genau sie sich befinden, sagte die Firma nicht. Außerdem machen weitere Geschäfte zu. Bislang wurden bereits 28 der 558 weltweiten Store dicht gemacht, bis Jahresende sollen 132 weitere dazukommen. Crocs wolle sich verstärkt auf den Online-Verkauf konzentrieren, so Andrew Rees, Chef der Firma. Er hat auch eine neue Finanzvorständin berufen. Anne Mehlman, bislang bei der Amazon-Schuhtochter Zappos.com, kehrt zurück zu Crocs. Bis 2016 hatte sie bereits für das Unternehmen gearbeitet. Die Aktionäre nahmen diese Nachrichten gut auf, die Aktie notierte nach diesen Neuigkeiten bei über 18 Dollar.  

Quietschenden Schuhen kann man ganz leicht den Kampf ansagen.
kg
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