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Dax-Konzerne: Krise lässt Gewinne schmelzen

Ob Autozulieferer, Software oder Chemie: So gut wie jeder Wirtschaftszweig ist mittlerweile von der Rezession betroffen, wie die Quartalszahlen von Bayer, SAP, Continental, VW und der Allianz deutlich belegen. Lediglich Siemens hat verhindert, dass der Dax abstürzt - obwohl auch die Münchner schlechte Nachrichten hatten.

Die Quartalszahlen von Bayer, SAP, Continental, VW, Allianz und Siemens sprechen eine deutliche, aber traurige Sprache: Die Wirtschaftskrise hat den meisten Konzernen einen schwachen Jahresstart beschert und zwingt sie zu Sparprogrammen und Stellenabbau. Zwar hat sich der deutsche Aktienmarkt zur Eröffnung am Mittwoch etwas erholt, aber das verdankte der Dax nur Siemens, dessen Zahlen nicht ganz so schlecht waren wie erwartet.

Bayer

Dem Pharma- und Chemieunternehmen Bayer haben vor allem die Verluste im Geschäft mit Kunststoffen zugesetzt. Während die Pflanzenschutz- und Pharma-Sparte des Konzerns zulegen konnten, brach der Umsatz im Kunststoffbereich um fast 35 Prozent ein. Mit 425 Millionen Euro verzeichnete Bayer unter dem Strich gut 44 Prozent weniger Gewinn.

Für das Gesamtjahr ist Konzernchef Werner Wenning nun pessimistischer als noch im März. Das Ziel, den Rückgang des operativen Gewinns auf etwa fünf Prozent zu begrenzen, sei "zunehmend ambitioniert", sagte er. Ein Anknüpfen an den Vorjahreswert oder sogar eine leichte Verbesserung sei nicht mehr zu erreichen. Bayer rechnet 2009 mit rund 32 Milliarden Euro Umsatz nach 32,92 Milliarden Euro 2008. Die Börse quittierte die Zahlen mit einem Wertverlust der Bayer-Titel von 1,8 Prozent.

Conti

Noch härter trifft es den Autozulieferer Continental. Angesichts der schweren Krise in der Autoindustrie verzeichnete das Unternehmen im ersten Quartal ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von minus 165 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das operative Ergebnis noch bei knapp 457 Millionen Euro gelegen.

Trotzdem rechnet das Unternehmen für das zweite Quartal mit einer Belebung der Umsätze. Das operative Ergebnis sei im ersten Quartal trotz des größten Kostensenkungsprogramms der Unternehmensgeschichte in die roten Zahlen gerutscht. Conti habe die "enormen Markterschütterungen" nicht kompensieren können, sagte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann. Die mit den Kredit gebenden Banken vereinbarten Finanzkennzahlen seien aber eingehalten worden. Zudem bekräftigte Neumann, in spätestens 100 Tagen ein gemeinsames Zukunftskonzept zur künftigen Zusammenarbeit zwischen dem ebenfalls angeschlagenen Großaktionär Schaeffler und Conti vorzulegen.

VW fährt Verluste ein

Nicht nur Autozulieferer, auch die Autobauer selbst haben unter der Krise zu leiden. Die Kernmarke VW von Europas größtem Autohersteller Volkswagen ist zu Jahresanfang tief in die roten Zahlen gefahren. Im Auftaktquartal sei ein operativer Verlust von 279 Millionen Euro angefallen, teilte der Wolfsburger Konzern mit. Vor einem Jahr hatte VW noch einen Betriebsgewinn von fast einer halben Milliarde Euro eingefahren. Für das Minus machte das Unternehmen den weltweiten Absatzrückgang verantwortlich. Zudem fielen durch Kurzarbeit hohe Kosten an. Im Gesamtjahr strebt der Konzern weiter einen Gewinn an. Der Umsatz werde wegen der rückläufigen Verkaufszahlen unter dem des Vorjahres liegen, bekräftigte Vorstandchef Martin Winterkorn.

SAP

Auch bei SAP hat die Investitionszurückhaltung der Industrie Spuren hinterlassen. Der Überschuss des größten Softwarekonzerns Europas sank um 16 Prozent auf 204 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte bereits ein massives Sparprogramm angekündigt und will weltweit 3000 Stellen streichen. Im ersten Quartal ist Deutschland von den Streichungen aber weitgehend verschont geblieben, bis März fielen 62 Arbeitsplätze weg.

Einen kleinen Lichtblick gewährt der Umsatz mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen: Beim wichtigen Indikator für die Geschäftsentwicklung verbesserte sich SAP von 1,736 auf 1,741 Milliarden Euro.

Siemens

Bei Siemens sind die Neuaufträge von Januar bis März um elf Prozent eingebrochen. Das Unternehmen hat seine Gewinnprognose für dieses Geschäftsjahr zusammengestrichen, statt der bisher angepeilten 8,0 bis 8,5 Milliarden Euro rechnet der Konzern in seinen drei Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik nur noch mit einem Ergebnis über dem Vorjahreswert von 6,6 Milliarden Euro. "Was wir erleben, ist kein normaler Konjunkturabschwung, sondern der schärfste Absturz der Weltwirtschaft seit der großen Krise 1929", erklärte Konzernchef Peter Löscher.

In diesem Monat ist der Konzern nochmals in schwierigeres Fahrwasser geraten. "Das Bild im April zeigt erneut fundamentale Veränderungen zum Schlechteren in unserem gesamtwirtschaftlichen Umfeld", sagte Löscher. Anzeichen für eine kurzfristige Besserung im Wirtschafts- und Finanzierungsumfeld gebe es nicht. Der Umsatz des Konzerns stieg zwischen Januar und März zwar um fünf Prozent auf knapp 19 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,01 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Siemens aber wegen Projekt-Altlasten einen starken Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Trotzdem stiegen die Aktien um 4,1 Prozent und stützten den Dax.

Allianz

Den Sprung zurück in die Gewinnzone knapp verpasst hat die Allianz im ersten Quartal des Jahres. Belastet von Finanzmarktkrise, Naturkatastrophen und dem Verkauf der Dresdner Bank blieb dem Versicherungskonzern unterm Strich nur "ein etwa ausgeglichenes Ergebnis", wie Vorstandschef Michael Diekmann am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München sagte. 2009 werde "kein einfaches Jahr werden", aber die Allianz sei solide aufgestellt. Eine Prognose wagte er nicht: "Ich möchte nichts versprechen, was ich nicht halten kann."

Aktionärsvertreter warfen dem Vorstand Missmanagement und Gier vor. Trotz des Verlustes von 2,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gönnten sich die Verantwortlichen Bonuszahlungen in Millionenhöhe, kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter großem Beifall der 5600 anwesenden Aktionäre. Der Betriebsgewinn brach im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro ein. Der Umsatz der Allianz stieg zwar von 27,0 auf 27,7 Milliarden Euro - die Lebensversicherung schaffte sogar eines der besten Auftaktquartale überhaupt, wie Diekmann sagte. Aber große Sturmschäden in Europa, Brände in Australien sowie neue Belastungen bei den Kapitalanlagen hätten das Ergebnis gedrückt. "Wir können das Geld ja nicht cash unters Kopfkissen legen", verteidigte sich Diekmann.

Der am 12. Januar abgeschlossene Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank habe die Allianz noch einmal 400 Millionen Euro gekostet. Die vollständige Quartalsbilanz will der Konzern erst am 13. Mai veröffentlichen. Mit einer leichten Erholung der Wirtschaft rechnet Diekmann erst Ende 2009 oder Anfang 2010. Die Allianz stehe aber besser da als die meisten Konkurrenten, und die Kapitalausstattung sei mit 58 Prozent über den Anforderungen sehr solide, betonte Diekmann. In der Krise suchten wieder mehr Kunden Sicherheit: "Die Chancen überwiegen die Risiken."

DPA/Reuters/AP/mlr / AP / DPA / Reuters