Deutsche Börse "Was wollen die Hedgefonds eigentlich?"


Die Hauptversammlung der Deutschen Börse dürfte turbulent werden. Nach dem Aufstand von Großaktionären unter Führung des Hedgefonds TCI erwarten diese und Börsenführung einige unangenehme Aktionärsfragen - auch wegen eines "goldenen Handschlags".

Nach den spektakulären Auseinandersetzungen mit Aktionären unter Führung des Hedgefonds The Children's Investment Fund (TCI) steht der Deutschen Börse eine turbulente Hauptversammlung bevor. Mit Spannung wird vor allem der Auftritt von Hauptkritiker und TCI-Chef Christopher Hohn erwartet - und ob er sich zu seinen Erwartungen an die künftige Führung des Dax-Unternehmens äußert. Angelsächsische Investoren um TCI, deren Anteil an der Börse bei rund 20 Prozent liegen dürfte, hatten die geplante Übernahme der London Stock Exchange verhindert und den Rücktritt von Börsenchef Werner Seifert provoziert. Noch ist unklar, welche Strategie TCI und die übrigen Kritiker jetzt verfolgen werden. Einen Antrag zur Abwahl von Aufsichtsratschef Rolf Breuer bei der Hauptversammlung hatte TCI überraschend kurz vor dem Aktionärstreffen zurückgezogen. Breuer will sein Amt spätestens Ende 2005 aufgeben. Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" will sich TCI kooperativ zeigen und eine weitere Eskalation vermeiden.

Neubesetzung des Aufsichtsrats

Bei der Suche nach einem Seifert-Nachfolger und der Neubesetzung des Aufsichtsrates werden noch keine Entscheidungen erwartet. Neuwahlen für den Aufsichtsrat stehen nicht auf der Tagesordnung der Hauptversammlung. Allerdings dürfte Breuer auch den personellen Umbau des Aufsichtsrates präsentieren. Laut Medienberichten will er eine Liste von vier Aufsichtsräten vorlegen, die ihr Amt niederlegen wollen. Als Kandidaten für eine Aufnahme in das Kontrollgremium gelten unter anderem der CDU-Politiker Friedrich Merz und der Chef der WestLB, Thomas Fischer. Einem Bericht zufolge will Merz stellvertretender Aufsichtsratschef werden. Voraussetzung dafür sei, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Börse sich zugleich effizienter organisiere und unter anderem ein "Strategiekomitee" etabliere, in dem er mitarbeiten wolle, war Merz von der "Wirtschaftswoche" zitiert worden.

Deutliche Kritik werden sich die angelsächsischen Hedgefonds von Aktionärsschützern anhören müssen. "Für Aktionäre ist es ein Unding, nicht zu wissen, was die Fonds vorhaben", bemängelt der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. Und Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wirft den Fonds vor, sie hätten mit unzulässigen Mitteln Einfluss auf die Deutsche Börse ausgeübt. "Was wollen die Hedgefonds eigentlich, wollen sie Kasse machen?" fragt auch Kienle.

Auch Börsenführung kritisiert

Allerdings werden auch Aufsichtsrat und Management der Deutschen Börse bei dem Aktionärstreffen nicht ungeschoren davon kommen. So will die DSW nach Angaben von Kurz dem Vorstand wegen schwacher Kommunikationsarbeit voraussichtlich die Entlastung verweigern. Beim Aufsichtsrat sei dagegen wohl eine Entlastung geplant. Die SdK will zwar beide Gremien entlasten. Kienle behält sich aber je nach Verlauf der Hauptversammlung vor, möglicherweise eine Einzelabstimmung über die Entlastung Breuers zu beantragen.

Als "miserables Risikomanagement" bezeichnet Kienle den Umgang mit den Investoren um TCI. "Man hat versucht sie abzufertigen, wie alle anderen Aktionäre auch, und das hat nicht geklappt". Die Deutsche Börse habe im Umgang mit einem derart aggressiven Investor einfach nicht aufgepasst. Kritische Fragen will Kienle auch wegen des "goldenen Handschlags von 10 Millionen Euro für Seifert" stellen. Es stelle sich die Frage nach der vertraglichen Grundlage für die Abfindung und ob es sich dabei nicht um Verschwendung von Aktionärsvermögen handele.

Hohe Präsenz erwartet

Nach Angaben aus Börsenkreisen wird die Präsenz bei der diesjährigen Hauptversammlung deutlich über der von 2004 liegen. Damals waren rund 800 Aktionäre gekommen, die gut 35 Prozent des Kapitals vertraten. Eine höhere Präsenz gilt als positiv für Vorstand und Aufsichtsrat.

mit AP, DPA DPA

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