Dosenpfand Das Chaos blieb aus


Am ersten regulären Verkaufstag im neuen Jahr ist das Dosenpfand wesentlich problemloser gestartet als erwartet. Nur wenige Kunden waren verunsichert.

Das Dosenpfand ist am ersten regulären Verkaufstag im neuen Jahr wesentlich problemloser gestartet als erwartet. Es habe ein paar verunsicherte Kunden gegeben, «aber im Großen und Ganzen ist der Tag gut verlaufen», sagte eine Sprecherin des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin.
Der Einzelhandel hatte sich fast vollständig auf das neue Pfand eingestellt. Bis zu 98 Prozent der Geschäfte hätten die Einwegverpackungen korrekt mit Pfand verkauft, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Ärger gab es mit der Handelskette Plus, die die Regelung nach Angaben von Umweltschützern zunächst nicht korrekt umgesetzt habe.

Der Absatz von Verpackungen, auf die das Dosenpfand erhoben wird, lief laut HDE nur schleppend an. Viele Kunden hätten sich offenbar bis Silvester mit großen Mengen pfandfreier Getränke eingedeckt. Wie sich das Dosenpfand weiter entwickle, werde sich erst in der nächsten Woche zeigen, wenn die Kunden das erste Mal größere Dosenmengen in die Geschäfte zurückbrächten. Kritisiert wird an der neuen Pfandpflicht vor allem das uneinheitliche Rücknahmesystem.

Auch der Einzelhandel sprach sich nun für eine baldige Vereinfachung der Verpackungsverordnung aus. «Das macht zumindestens mehr Sinn als das Chaos, das wir jetzt haben werden», sagte HDE- Sprecher Hubertus Pellengahr in WDR 5. Nach dem Start des Dosenpfandes wisse kaum noch jemand, auf welche Verpackung und welche Dose Pfand erhoben werde. Pellengahr wies den Vorwurf zurück, der Einzelhandel habe beim Aufbau des Rücknahmesystems Zeit vertrödelt.

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Rainer Baake, warf dem Einzelhandel erneut vor, die Einführung das Zwangspfandes nicht ausreichend vorbereitet zu haben. Er mahnte eine bundesweit einheitliche Regelung der Rücknahme bis zur festgesetzten Frist am 1. Oktober 2003 an. Bis dahin würden Übergangsregelungen geduldet. Er zeigte sich optimistisch, dass bald eine Vereinfachung der Verpackungsverordnung möglich wird. Denn auch die Länder seien inzwischen zu einer Reform bereit. «An uns wird eine vereinfachte Regelung nicht scheitern.»

Die Umweltverbände plädieren dafür, dass beim Pfand nicht mehr nach Getränkesorten unterschieden wird, sondern einzig nach der Verpackungsart. Auf alle Einweg-Verpackungen müsse ein Pfand erhoben werden. Die Verbände rechnen damit, dass durch das Dosenpfand im ersten Quartal 2003 der Anteil der Mehrwegsysteme wieder deutlich zunehmen wird. Nach 50 Prozent Mitte des Vorjahres prognostizieren sie jetzt einen Anstieg auf bis zu 65 Prozent. Die gesetzliche Mehrwegquote liegt bei 72 Prozent.

Die bis zu 1000 Testeinkäufe am Donnerstagmorgen bei Öffnung der Geschäfte haben nach Angaben der Umweltverbände auch gezeigt, «dass es sich einige Unternehmen ganz einfach machen wollten». So habe die Handelskette Plus Dosen, für die eine Pfandpflicht gilt, am Morgen zunächst mit einer Pfandmünze verkauft. Der Kunde konnte das Pfand aber wieder einlösen, ohne die Einweg-Verpackung zurückzugeben. Das Unternehmen warb damit, die leere Verpackung wie bisher in die «Gelbe Tonne» zu werfen. «Sie erhalten bei Abgabe der Pfandmünze ihr Geld zurück - egal, ob sie die Verpackung bei uns abgeben», hieß es auf einem Flyer. Nur auf massiven Druck hin habe sich Plus dann doch noch an die Verpackungsverordnung gehalten.

Die Umweltschützer gehen davon aus, dass 98 Prozent der Verpackungen zurückgebracht und das Pfand wieder eingelöst würden. Die restlichen zwei Prozent verblieben beim Einzelhandel und könnten von diesem für die Entsorgung eingesetzt werden.

Seit 1. Januar müssen Verbraucher für Einweg-Verpackungen mit Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken wie Cola oder Limonade bis 1,5 Liter Inhalt 25 Cent Pfand zahlen. Bei größeren Einweg- Getränkeverpackungen werden 50 Cent Pfand erhoben. Ein einheitliches Rücknahme-System haben Handel und Industrie noch nicht aufgebaut. Es soll spätestens zum 1. Oktober funktionieren.


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