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EU-Kommission Geld so schnell verschicken wie bei PayPal: Echtzeitüberweisungen sollen zum neuen EU-Standard werden

Überweisung
Überweisungen sollen künftig schneller beim Empfänger ankommen
© CHROMORANGE / Imago Images
Überweisungen brauchen meist einen Tag, das soll bald deutlich schneller gehen: Die EU-Kommission will Banken dazu verpflichten, Echtzeitüberweisungen zu ermöglichen – ohne Extragebühren.

Wer mit herkömmlichen Überweisungen Geld verschicken oder empfangen will, der braucht nach wie vor Geduld: Bei den allermeisten Banken dauert es im Durchschnitt immer noch einen Tag lang, bis das Geld auf dem Konto des Empfängers angelangt ist. Das soll sich nun ändern. Laut eines Berichts der "Süddeutschen Zeitung" sollen Echtzeitüberweisungen zum neuen Standard in der Europäischen Union werden. Die Zeitung beruft sich auf einen Gesetzentwurf der EU-Komission.

Demnach sollen alle Zahlungsanbieter in der EU dazu verpflichtet werden, neben den normalen SEPA-Überweisungen auch Echtzeitüberweisungen – sogenannte Instant Payments – anzubieten. Extragebühren dürfen sie dafür nicht verlangen. "Es ist heute schlichtweg nicht mehr zeitgemäß, wenn wir die Zahlungsabwicklung in Tagen und Stunden messen müssen", sagte Markus Ferber (CSU), wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion, der "Süddeutschen Zeitung". 

Echtzeitüberweisungen bringen höhere Kosten für Banken

Viele Nutzer:innen kennen diese Art, schnell und unkompliziert Geld zu verschicken bereits von Diensten wie Paypal. Die technischen Möglichkeiten für Instant Payments sind schon seit Jahren vorhanden. Möglich sind Überweisungen bis zu 100.000 Euro, die innerhalb von nur zehn Sekunden ausgeführt werden sollen. Dieses Verfahren wird aber kaum genutzt. Das liegt vor allem an den Banken: Das herkömmliche "Clearing", das für klassische Überweisungen eingesetzt wird, ist deutlich preiswerter. Dabei wird nicht jede Transaktion zwischen den einzelnen Banken tatsächlich getätigt, wie es bei Echtzeitüberweisungen der Fall wäre. Stattdessen sammeln die Banken die Transaktionen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt und überweisen sich dann gegenseitig lediglich die Differenzbeträge.

Eine standardmäßige Umstellung auf Echtzeitüberweisungen würde die Banken somit Geld kosten – Investitionen, die nach Einschätzung der EU-Kommission "substanziell, aber verhältnismäßig" seien, wie die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Entwurf zitiert. Laut European Payments Council bieten derzeit fast 1200 Geldinstitute in Deutschland Echtzeitüberweisungen an. Meistens werden dafür aber zusätzliche Gebühren fällig. Die Banken begründen das mit dem höheren IT-Aufwand.

Echtzeitüberweisungen bringen zwar Vorteile für den Kund:innen, allerdings gibt es auch Sorgen bei Verbraucher:innen. Einige befürchten, dass Fehler bei der Überweisung – zum Beispiel eine falsche Kontonummer – schwerwiegende Folgen haben könnten, wenn der Geldtransfer sofort ausgeführt wird. Die EU-Kommission will die Banken allerdings dazu verpflichten, dass sie überprüfen, ob Empfängername und Kontonummer zusammenpassen.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung" / "Tagesschau" / European Payment Council

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